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Idylle mit Schönheitsfleck

Krayne – vom Stillleben zum "Nicht-mehr-so-still"-Leben.
Krayne – vom Stillleben zum "Nicht-mehr-so-still"-Leben. FOTO: dsf
Schenkendöbern. Viel idyllischer als in Krayne kann man kaum leben. Penibel gepflegte Einfamilienhäuser, das Wasser gleich um die Ecke, Wald und Wiesen – Landleben pur. Daniel Schauff

Seit Ende 2016 aber hat die Krayner Idylle einen Makel - und der ist sicht- und hörbar. Vier Windräder ragen am Ortsrand gen Himmel. Kein schöner Anblick, urteilen die einen. Vor allem aber, und da sind sich die meisten Krayner einig, eine Zumutung, was den Lärm angeht. Ein konstantes Rauschen sei es, das Tag für Tag und selbst in der Nacht vom Ortsrand her zu hören sei.

Der eine will nicht mehr bei offenem Fenster schlafen, obwohl er das jahrelang so gemacht habe, der andere gibt sein Bastelhobby in der heimischen Garage auf. Der Lärm stört, sagen die Krayner und haben ihrem Unmut auch beim Besuch des Bürgermeisters Peter Jeschke (CDU) bei der jüngsten Einwohnerversammlung Luft gemacht.

Jeschke bestätigt: Die Windräder sind an jeder Ecke des Dorfes zu hören - ein ständiges Rauschen.

Es sei schon auffallend, wie unterschiedlich die Bewohner einzelner Ortsteile von Schenkendöbern auf Lärm reagieren, sagt Jeschke. Die Taubendorfer müssen mit dem Tagebau- und Straßenbaulärm zurechtkommen, die Krayner fühlten sich schon beim Geräusch von Windkraftanlagen gestört. Verständnis für die Krayner zeigt Jeschke dennoch, denn wer jahrelang in absoluter Ruhe gelebt habe, der empfinde eben auch Windräder als störend.

Mathias Huschga, stellvertretender Ortsvorsteher von Krayne, ist selbst überrascht über die Lärmbelästigung, die von den vier neuen Großanlagen am Ortsrand ausgeht. Als Ingenieur störe ihn die Optik der Windräder nicht, sagt er. "Das ist eben Technik." Aber auch er könne nachvollziehen, wie sehr das konstante Rauschen der Rotoren auf die Stimmung der Krayner drückt.

Die älteren, kleinen Windkraftanlagen, die nicht weit weg von den neueren und größeren Anlagen stehen, machten kaum Lärm. Das Geräusch der Rotoren höre man in ein paar Hundert Metern Entfernung nicht mehr, so Huschga. Die neuen Windräder jedoch höre man selbst in mehr als einem Kilometer Entfernung noch überdeutlich. Dennoch - und damit macht Huschga das Dilemma deutlich: "Wir können nicht einerseits gegen Braunkohle sein und uns andererseits gegen Windkraftanlagen wehren." Aus den Unterlagen, die ihm vorliegen, weiß Huschga, dass der Mindestabstand zwischen Dorfrand und Anlage eingehalten worden sei. 1,06 Kilometer lägen dazwischen. Nicht genug allerdings in den Augen und Ohren der Krayner, um dem Lärm Herr zu werden. Vor allem zu den stillen Tageszeiten - früh morgens und nachts - sei der Lärm "wirklich störend". Einige Neu-Krayner seien extra wegen der Ruhe aus Großstädten in den abgelegenen Schenkendöberner Ortsteil gezogen, weiß eine Kraynerin. Seit Ende 2016 sei es mit dieser ländlichen Ruhe aber vorbei, solange sich die Räder im Wind drehten.

Zum Thema:
1000 Meter zwischen Windrad und Wohnhaus - seit Mitte 2016 gibt es eine Selbstverpflichtung der Windkraft-Branche im Land Brandenburg. Damit wollen die Windkraftanlagen-Betreiber die Akzeptanz für Windräder nahe Wohngebieten erhöhen. Dennoch gibt es nach wie vor viele Gegner. Einige davon fordern die 10-H-Regel, laut der eine Anlage zehnmal so weit von der Wohnsiedlung stehen soll, wie sie selbst hoch ist. Das würde für eine 200 Meter hohe Anlage einen Abstand von zwei Kilometern bedeuten. Ob die Zahl der Windräder am Rand von Krayne noch steigen wird, ist zum aktuellen Zeitpunkt noch nicht sicher. Das sagt Andreas Stahlberg von der Gemeinde Schenkendöbern.