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Forst
Ideen gegen Leerstand in Gärten

Die Zahl der leeren Kleingärten nimmt seit Jahren zu. Die Stadt Forst benennt Bereiche, die neuen Pächter empfohlen werden.
Die Zahl der leeren Kleingärten nimmt seit Jahren zu. Die Stadt Forst benennt Bereiche, die neuen Pächter empfohlen werden. FOTO: Steffi Ludwig / LR
Forst. Stadt will interessierte Pächter künftige in vier Bereiche lotsen und diese attraktiv gestalten. Von Katrin Kunipatz

Das Problem ist seit Jahren bekannt: In Forst gibt es immer weniger Kleingartenpächter. Die Prognose geht davon aus, dass im Jahr 2034 nur noch rund 13 000 Menschen in Forst leben und nur noch etwa 1000 Gärten gebraucht werden.

Die Stadtverwaltung hat sich deshalb vor vier Jahren auf den Weg gemacht. Im Mittelpunkt standen die Fragen: Wie viele Gartensparten braucht Forst in den nächsten Jahren? Wo in der Stadt sollen sich diese Sparten befinden? Wie lässt sich die Zahl der Kleingärten reduzieren?

Im Bauausschuss stellte Beate Schödel vom Fachbereich Bauen kürzlich eine erste Konzeption für die Entwicklung der Kleingärten vor. Basis war die Bestandsanalyse, die in Zusammenarbeit mit IPRO Consult GmbH aus Senftenberg 2014 durchgeführt wurde. Damals zählte man 41 Gartensparten mit rund 1800 Parzellen auf Forster Flur. Der Leerstand in den einzelnen Sparten variiert – 86 Prozent der Gärten waren verpachtet und die Pächter im Durchschnitt 56 Jahre alt. Aktuell zählt der Bezirksverband der Gartenfreunde Forst und Umgebung noch rund 1650 Pächter, so Volker Ladewig, stellvertretender Vorsitzender Verbandes. Um dem Leerstand zu begegnen, pachten einzelne Kleingärtner schon zwei und mehr Gärten. Zukunftsfähig ist diese Lösung jedoch nicht.

Aber nicht allein der große Leerstand und die geringe Zahl neuer und vor allem junger Pächter sind ein Problem für die Vereine. Bei der Bestandsanalyse kam auch zutage, dass es in einigen Sparten schwerfällt, Vorstände zu bilden. Die Kleingärtner wünschen sich eine bessere Anbindung ans Verkehrsnetz und mehr Polizeischutz, um Einbrüchen vorzubeugen. Weiterhin wollen sie finanziell entlastet werden, denn die gesamte Sparte muss für leer stehende Parzellen aufkommen. „Und alle wünschen sich, dass ihre Sparte erhalten bleibt“, erläutert Beate Schödel.

Im Hinblick auf die Zahl der benötigten Kleingärten werde dies nicht möglich sein. Deshalb hat das Planungsbüro jede einzelne Sparte betrachtet und Vorschläge für die künftige Entwicklung erarbeitet. So ließe sich die Größe der Sparten reduzieren, indem Zäune versetzt werden. Leer geräumte Gärten im Außenbereich könnten als Ackerland oder Naturschutzgebiet deklariert werden, so Schödel. Für Gärten im Innenbereich würde geprüft, ob es Fördermittel für den Rückbau gibt.

In Zukunft möchte die Stadt Forst die Kleingärten in vier Bereichen konzentrieren. „Die Umsiedlung und Schließung einzelner Sparten ist nicht vorgesehen“, betont Beate Schödel. Jedoch sollen interessierte Neupächter in die Sparten gelenkt werden, die sich in den vier bevorzugten Gebieten befinden. Mit weiteren Maßnahmen, wie eine bessere Anbindung durch den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV), Schaffung von Pkw-Stellplätzen, Badestellen oder Gemeinschaftsflächen, will man diese Standorte attraktiver gestalten.

Eine Schwierigkeit sieht Ingo Paeschke (Linke) bei der Umsetzung des Konzepts: Die Entwicklungsbereiche befinden sich vor allem auf privaten Flächen, ohne direkten Einfluss der Stadt. Beate Schödel berichtet, dass die Zusammenarbeit bisher unproblematisch sei, da die privaten Eigentümer an Pächtern interessiert seien. Günter Herzberg (CDU) schlägt vor, Neupächter mit einem niedrigen Pachtzins in die bevorzugten Sparten zu locken. Dies sei nicht so leicht möglich, erläutert Bauverwaltungsvorstand Heike Korittke. Die Stadt kann nur die Konditionen für eigene Flächen festlegen. „Stattdessen müssen die Entwicklungsbereichen attraktiv gestaltet werden, um langfristig zukunftsfähige Gärten zu haben“, so Korittke.

Der Bauausschuss vereinbart, das Konzept ergänzt mit aktuellen Zahlen in den Fraktionen weiterzuberaten. Es soll Leitfaden für die Stadtverwaltung und den Bezirksverband der Gartenfreude sein und alle zehn Jahre fortgeschrieben werden.