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"Ich will mit den Menschen vor Ort neue Ideen finden"

Annett Noack, die neue Integrations- und Behindertenbeauftragte des Landkreises Spree-Neiße, an ihrem neuen Arbeitsplatz im Forster Kreishaus.
Annett Noack, die neue Integrations- und Behindertenbeauftragte des Landkreises Spree-Neiße, an ihrem neuen Arbeitsplatz im Forster Kreishaus. FOTO: Steffi Ludwig
Forst. Es war kein Aprilscherz: Annett Noack (40) ist genau zum 1. April als neue Integrations- und Behindertenbeauftragte des Landkreises Spree-Neiße gestartet. Bisher hatte sie beim Migrationsdienst für Zuwanderer der Diakonie in Lübben gearbeitet und tritt nun die Nachfolge von Monika Wagschal an, die Ende 2014 in den Ruhestand gegangen war. Die RUNDSCHAU besuchte Annett Noack am Gründonnerstag im Forster Kreishaus. Steffi Ludwig

Noch sieht es in ihrem neuen Büro etwas chaotisch aus - kein Wunder für einen zweiten Arbeitstag. Annett Noack muss sich erst einfuchsen: in ihr Büro und ihren neuen Job. 18 Jahre lang hat die 40-Jährige bei der Diakonie in Lübben gearbeitet, beim Migrationsdienst für Zuwanderer.

Nun ist sie die neue Integrations- und Behindertenbeauftragte des Landkreises Spree-Neiße. Vorher hatte Monika Wagschal (60) dieses Amt ausgekleidet, war fast 25 Jahre erste Ansprechpartnerin im Landkreis, wenn es um Ausländer und später auch Menschen mit Behinderung ging: Der Landkreis hatte beide Zuständigkeiten nach einigen Jahren in einem Amt vereint.

Es sind große Schuhe, in die Annett Noack schlüpft - aber sie hat keine Bedenken, sondern startet mit viel Elan und Schwung in ihr neues Amt. "Ich habe 18 Jahre lang jugendliche Migranten und Familien beraten und kenne mich zumindest in dem Bereich sehr gut aus", sagt sie. Da unter den Migranten auch Menschen mit Behinderung waren, hat sie diesen Bereich zumindest auch schon angetippt. "Aber auch hier werde ich mich hoffentlich schnell einarbeiten, wenn mir die Menschen vor Ort helfen und auch mal Hinweise geben", so Annett Noack, die in Cottbus Sozialarbeit studiert und seitdem bei der Diakonie in Lübben gearbeitet hat.

Sie entschied sich ganz bewusst für die neue Stelle, als sie diese im Internet ausgeschrieben fand. "Obwohl ich meine Arbeit bei der Diakonie in Lübben sehr gern gemacht habe und jeder Tag spannend und interessant war - habe ich doch immer wieder mal nach einer anderen Aufgabe geschaut, um das Thema Migration vielleicht auch noch mal aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten." Ein Zünglein an der Waage sei auch der Fakt gewesen, dass sie selbst im Spree-Neiße-Kreis, nämlich in Burg, wohne - und deshalb auch schon öfter nach Hilfe in Migrationsdingen gefragt wurde, dann aber sagen musste, dass sie beruflich für die Landkreise Oberspreewald-Lausitz und Dahme-Spreewald zuständig ist. "Dadurch, dass ich hier im Landkreis Spree-Neiße wohne, kenne ich auch schon viele Ansprechpartner in Vereinen oder der Verwaltung", so Annett Noack.

Deshalb passte der neue Job wie die viel zitierte Faust aufs Auge. "Ich freue mich drauf, die Menschen hier kennenzulernen, sowohl die aus dem Bereich Migration als auch dem Bereich Behinderung - ich will wissen, was die Menschen hier bewegt, um herauszufinden, wie die Verwaltung helfen kann. Ich will mit den Menschen vor Ort neue Ideen finden", sagt sie.

Gerade im Bereich Asylbewerber möchte sie auf ihre Erfahrungen bauen. Denn die Landkreise Oberspreewald-Lausitz und Dahme-Spreewald würden schon seit ein bis zwei Jahren die Strategie verfolgen, die Flüchtlinge in Wohnungen unterzubringen, da die Wohnheimplätze nicht ausreichten - in Spree-Neiße wird gerade begonnen, diese Wohnungsstrategie umzusetzen. "Hier kann ich gut helfen", meint Annett Noack. "Ich denke, viele Gemeinden können Zuwanderer gut vertragen, denn diese sind oft mit Talenten ausgestattet, die hilfreich für die Orte sind."

Hier sei es jedoch wichtig, die Leute gut vorzubereiten. Darin sieht sie eine ihrer Aufgaben. Auch die Zusammenarbeit mit den Vermietern, was beispielsweise in Lübbenau sehr gut funktioniere, sei wichtig, ebenso gute Netzwerke vor Ort.

In diese möchte sie sich in den nächsten Tagen und Wochen einarbeiten, will viele Gespräche mit Verwaltung, Vereinen, Verbänden oder Beratungsstellen führen. Und sie hofft natürlich, dass ihre Sprechzeiten (siehe Kasten) gut angenommen werden. Seit dem Ruhestands-Eintritt von Vorgängerin Monika Wagschal hatte Kerstin Kossack, die Gleichstellungsbeauftragte und Beauftragte für sorbisch/wendische Angelegenheiten des Landkreises, diese Aufgaben mit übernommen.

Dass die zweifache Mutter Annett Noack - sie hat einen siebenjährigen Sohn und eine 14-jährige Tochter - nun bis Forst etwas länger fahren muss, nimmt sie sportlich. "Die Fahrzeit nutze ich zum Nachdenken", schmunzelt die Frau, die sonst im Radfahren und Paddeln im Spreewald einen Ausgleich findet. Im Urlaub lese sie auch gern ein Buch - bevorzugt über fremde Kulturen.

Zum Thema:
Die neue Integrations- und Behindertenbeauftragte Annett Noack ist zu folgenden regelmäßigen Sprechzeiten erreichbar: dienstags von 8 bis 12 Uhr und 13 bis 18 Uhr sowie donnerstags von 8 bis 12 Uhr und 13 bis 16 Uhr im Forster Kreishaus, Zimmer A.1.03. Tel: 03562 98610003, E-Mail: a.noack-beauftragte@lkspn.de