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Hundert Biker und noch mehr

Forst.. Wer hätte das gedacht, dass sie dafür extra nach Forst kommen, nicht nur von Neiße und Spree oder von der Elbe, sondern sogar von der Warnow-Mündung an der Ostseeküste oder aus dem bayerischen Altmühltal: Mehr als 100 Biker auf ihren schweren Maschinen schlossen sich Samstagnachmittag der Ausfahrt an, die zu einem Bike- & Rocktreffen nun einmal dazu gehört. Von Bernd Möschl

Und bei Manitu, der Gaststätte am „wilden“ Ende der Frankfurter Straße, gab's das an diesem Wochenende zum 7. Mal. Eine originelle, wenn auch von manchem beargwöhnte Tradition. Genau wie die Tatsache, dass „Heino“ die Route bestimmt. „Heino“ aus Forst ist ein baumlanger „Rocker“ mit blondem Stoppelschnitt, der mit bürgerlichem Namen Kersten Lauterbach heißt, und wie fast alle der lederbekleideten zumeist nicht mehr ganz jugendlichen Herren und Damen im Alltag einer „ganz normalen“ Tätigkeit nachgeht. Das Motorrad, das Outfit und das wild-romantische Rocker-Feeling sind ihr gemeinsames Hobby, welches sie umtreibt und in dem nicht zu knapp Zeit, Kreativität und Kleingeld stecken.
Was aber ist es, das diese Leute so reizt und einen eigenartigen - zumeist aber auf die Freizeit begrenzten - Lebensstil prägt„ Es ist nicht der Rausch der Geschwindigkeit, sondern vielmehr der Wunsch, den Wind und die Freiheit zu spüren, erfüllt von der eigenen und der Motoren Kraft.
Darum ging auch die etwa einstündige Rundfahrt durch die schöne Forster Umgebung, angeführt von „Heino“ mit höchstens 60 km/h. Über Eulo, Mulknitz, Gosda, Dubrau, Jethe, Gahry und Trebendorf, auf der B115 bis Döbern und weiter auf verkehrsarmen Wegen über Bademeusel zurück in die Rosenstadt. Nur einer schaute diesmal mit einem lachenden und einem weinenden Auge zu: Manitu-Wirt Frank Pfitzmann, der ausnahmsweise sich nicht auf seine knatternde „Ratte“ schwang, sondern lieber die Videokamera und im Team seiner Familie und etwa 25 Freunden die Gäste bediente.
Nach diesem auch für die zahlreichen Neugierigen aufregenden Biker -Ausfahrt-Ritual blühten die Fahrer sichtlich auf. Rund um die urige Erlebnisgaststätte entwickelte sich eine Art folkloristisches Fest mit typischem Markttreiben, deftigem Essen und Trinken unter freiem Himmel, derb-spaßigen Spielen und erstklassiger Live-Musik. Schon zur Anreise am Freitagabend hatte der einheimische Brian Bossert seine Balladen angestimmt. Four for One legten in klassischer Rock-Besetzung in einer Art „Crossover“ am Samstag nach, bevor dann „Mama Basuto's“ zum unbestrittenen Höhepunkt des Abends mit energiegeladenem schwarz-weißen Blues-Rock & Boogie kam. Die Songs „aus der guten alten Zeit“ , als die Lagerfeuer noch von alleine brannten unterm Sternenzelt, durften natürlich nicht fehlen.
Das Sternenzelt übrigens bekamen die „harten“ Biker und Rockfans weit nach Mitternacht doch noch zu sehen, als sie auf unnachahmliche Art unter den Anwesenden die Miss Manitu erwählt hatten. Eine Nacht zum Träumen auf dem kostenlosen Zeltplatz - was störte da noch der alles durchweichende Gewitterguss vom Nachmittag“