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Vorgestellt
Wo Hunde tiefenentspannt sind

Hund Erki genießt sichtlich die Behandlung von Hundephysiotherapeutin Anja Pigol.
Hund Erki genießt sichtlich die Behandlung von Hundephysiotherapeutin Anja Pigol. FOTO: Steffi Ludwig / Medienhaus Lausitzer Rundschau
Forst. Die Forsterin Anja Pigol ist eine der wenigen Hundephysiotherapeuten in der Region. Von Steffi Ludwig

Genüsslich schließt Erki die Augen und begibt sich völlig in die Hände seiner geliebten „Tante Pigol“. Ohren und Beine hat der weiße Wuschelhund der Rasse Bolonka Zwetna locker abgeklappt und lässt alles mit sich geschehen: Massagen des Rückens, der Gelenke, sanften Druck auf verhärtete Stellen. Denn Erki hat bereits zwei Kreuzband-Operationen hinter sich, in den Gelenken haben sich Arthrosen gebildet, und durch daraus resultierenden Fehlbelastungen auch Verhärtungen an der Wirbelsäule. Denn Erki ist schließlich ein „Hunde-Opa“: „Er wird im Februar 15 Jahre alt“, betont sein Frauchen Gudrun Bartsch.

Die 63-Jährige betreibt ein Hundepflegestudio in Forst. Und vor rund drei Jahren hörte sie von Anja Pigol, die bei ihrem Stammtierarzt Uwe Dunst in Trebendorf als Tiermedizinische Fachangestellte arbeitete, dass diese eine Hundephysiotherapie anbietet. Vorher war Gudrun Bartsch in der Hunde- und Kleintierphysiotherapie „Pfötchenfit“ von Dana Lenkeit in Cottbus, aber dies sei eben immer mit Fahrerei verbunden gewesen. Anja Pigol komme zu ihr nach Hause. Gudrun Bartsch ist des Lobes voll: „Das ist auch für den Hund viel entspannter. Erki braucht kaum noch Schmerztabletten. Er läuft viel besser, wenn Frau Pigol hier war.“ Und das ist  zwei- bis dreimal im Jahr für je fünf bis sechs Behandlungen der Fall.

Damit ist Anja Pigol offenbar in eine Marktlücke gestoßen, denn wie sie und Dana Lenkeit bemerken, ist ihnen in Cottbus und Spree-Neiße keine weitere Hundephysiotherapie bekannt. Da Dana Lenkeit auch andere Kleintiere in ihrer Physiotherapie behandelt und auch viele Dienst- und Turnierhunde, hat sie ein Einzugsgebiet von etwa 100 Kilometern Umkreis. Bis aus Dresden, Elbe-Elster oder Lübbenau kämen ihre vierbeinigen Patienten, so die Cottbuserin.

Bei Anja Pigol beschränkt sich das Einzugsgebiet auf Forst und Umgebung – und könnte durchaus mehr Kunden hervorbringen. Etwa fünf Hunde betreue sie pro Jahr, so die 28-Jährige. Sie könne ihre Leistungen jedoch nur abends oder samstags anbieten, da sie die Hundephysiotherapie nebenbei betreibe. Hauptberuflich arbeitet sie jetzt in einem Gemeinschaftslabor in Cottbus, das auch eine veterinärmedizinische Sparte habe.

Anja Pigol hatte Tiermedizinische Fachangestellte bei einem Tierarzt bei Berlin gelernt – und da bereits von Hundephysiotherapien gehört, die es in der Hauptstadt in großer Zahl gab. Sie wollte jedoch zurück in die Heimat und machte neben ihrer Arbeit beim Tierarzt eine Ausbildung in Hundephysiotherapie. „Im Angebot habe ich alles, was der Hund brauchen kann: von Massage bis Lymphdrainage.“ Aber auch Massagen, Krankengymnastik, Dehnungen, Manuelle Therapie, Narbenbehandlung, Atemtherapie, Wärme- oder Kältetherapie und Magnetfeldtherapie wendet sie an.

„Was dem Menschen gut tut, soll auch dem Tier gut tun“, bringt es Gudrun Bartsch auf den Punkt, während sie ihren Vorzeigepatienten Erki beobachtet. Der Hund genießt die Behandlung auf der Magnetfeldmatte – diese wirkt nach Auskunft von Anja Pigol unter anderem entspannend, durchblutungsfördernd und regenerierend. Nur manchmal muss die Forsterin das Tier sanft wieder in die Liegeposition zurückbringen. Bisher habe sie das mit Geduld bei allen Hunden gut hinbekommen, nur einer habe mal geschnappt. Allen Hunden und ihren Herrchen gebe sie zudem Übungen als Hausaufgaben auf. Erki diesmal nicht – er bekommt nach getaner „Arbeit“ dafür ein Leckerli: getrocknete Lunge.