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| 15:41 Uhr

Neue Ideen für Landwirtschaft
Hügelbeete ersetzen Ackerfurche

Hügelbeete sollen auf einer ehemaligen Ackerfläche. Der Verein Schöner Land legt sie mit Muskelkraft an und sammelt dafür Grün- und Baumschnitt.
Hügelbeete sollen auf einer ehemaligen Ackerfläche. Der Verein Schöner Land legt sie mit Muskelkraft an und sammelt dafür Grün- und Baumschnitt. FOTO: LR / Katrin Kunipatz
Forst. Anwohner ärgern sich über Berge aus Gartenabfällen. Verein will damit ökologisch Gärtnern. Von Katrin Kunipatz

Seit Anfang August lädt der Verein „Schöner Land“ Forster ein, ihren Grünschnitt kostenlos abzugeben. Rege nutzen Kleingärtner und Grundstücksbesitzer das Angebot. Mehrmals am Tag halten Autos und laden aus, berichtet Vereinsvorsitzender Felix Marten. So auch am Mittwoch. Ein Forster Ehepaar hat zwei große Säcke mit abgeschnittenen Ästen im Kofferraum. „Wir haben eine Konifere weggemacht“, erklärt die Frau. Gern nutzen beide das Angebot ihren Grünschnitt kostenlos abzugeben, denn bei der AGNS, wo das Material kompostiert wird, kostet es Geld – wenn auch nicht viel.

Innerhalb weniger Wochen stapeln sich Berge mit abgeschnittenen Ästen, Rasenschnitt und Pflanzenresten an der Euloer Straße. Felix Marten und die Sympathisanten des Vereins freut es. Doch es gibt Beschwerden von Anwohnern. Die rufen das Umweltamt des Landkreises auf den Plan. Zwei Mitarbeiter der unteren Abfallwirtschafts- und Bodenschutzbehörde des Landkreis treffen sich am Feldrand mit den jungen Leuten zum klärenden Gespräch und erläutern: Laut Bioabfallverordnung dürfe Grünschnitt gesammelt werden. Werde er aber, wie in diesem Fall, länger als 14 Tage gelagert, sei ein Lagerplatz nötig. Für dessen Errichtung gibt es Vorgaben und eine Baugenehmigung wird nötig. Außerdem sind gemäß der Abfallentsorgungssatzung Privatpersonen eigentlich verpflichtet, Bioabfälle, zu denen eben auch Grünschnitt gehört, dem Landkreis zur Entsorgung zu überlassen. So soll die wilde Abfallentsorgung verhindert werden. Denn die Erfahrung zeige, wo Grünschnitt liegt, kommt sehr schnell anderer Müll oder Bauschutt dazu.

Hintergründe, die Felix Marten bisher so nicht bekannt waren. Er engagiert sich mit seinem Verein seit zwei Jahren auf dem Grundstück einer ehemaligen Gärtnerei an der Euloer Straße. Sein Ziel ist der ökologische Anbau von Gemüse und anderen Feldfrüchten, für den er auch andere begeistern will. In einigen der instand gesetzten Gewächshäusern wachsen Tomaten und Gurken. Auf den Beeten experimentieren die Enthusiasten mit verschiedenen Anbaumethoden für Salat, Kohl, Kohlrabi und Paprika. Jetzt soll der gegenüberliegende Acker einbezogen werden. Der Verein hat einen schmalen Streifen gekauft, um darauf Hochbeete anzulegen. „Die bisher agrarindustriell genutzte Fläche soll rekultiviert und in biologisch wertvolles Gartenland gewandelt werden“, sagt Felix Marten. Als Unterbau für die etwa einen Meter hohen Beete dient der eingesammelte Grünschnitt. In den folgenden Jahren setzen die Pflanzenreste beim Verrotten Nährstoffe frei und erwärmen den Boden, so Marten.

Die Mitarbeiter des Umweltamtes drängen darauf, dass die Grünschnitthaufen verschwinden, nichts mehr angenommen wird und weitere Grünabfälle, beispielsweise über die Stadt Forst bezogen werden. Hier gebe es bereits Gespräche versichert Felix Marten. Mit dem Versprechen des Vereinsvorsitzenden, spätestens in der nächsten Woche mit der Einarbeitung des Materials zu beginnen, geht man auseinander.

Den Anfang machen noch in dieser Woche Christoph Sandrock und André Hildebrand. Sie kennen den Forster Öko-Gärtner noch aus Studienzeiten und engagieren sich in Thüringen für ein Permakulturprojekt, das ähnliche Ziele verfolgt wie der Verein „Schöner Land“. In Forst helfen sie seit Anfang an mit. Ab der nächsten Woche hofft Marten auf die Unterstützung durch Schüler der Gutenberg-Oberschule. Im Rahmen des Ganztagsangebots „Kraftfeld“ will er ihnen die ökologische Landwirtschaft näher bringen. Netti Kunze will das Projekt ebenfalls unterstützen. Sie absolviert von Oktober bis März ihr Praktikumssemester mit dem Schwerpunkt Soziale Arbeit beim Verein.

Zusätzlich zum Garten ist die Renovierung des seit diesem Jahr farbig bemalten Hauses vorangekommen. Sandrock berichtet, dass dort eine Küche geplant ist, um die Rohprodukte zu Marmelade oder Pesto zu verarbeiten und auch mal eine Suppe für die Helfer zu kochen. Marten schwebt ein Hofladen vor, in dem die produzierten Feldfrüchte verkauft werden können.