Nach zwei bis drei Tagen habe sich das Problem aber gelöst, sagen Adams. Die nicht ausgelastete Rayka habe sich als Leihamme zur Verfügung gestellt. "In kurzer Zeit hatten wir einen riesigen, manchmal ziemlich anstrengenden Hundekindergarten", blickt Peter Adam zurück. Insgesamt 22 kleine Wollknäuel wuselten in den drei Zwingern herum und wollten beschäftigt werden. Bei Hunger suchten die Welpen bei einer der drei Hundemütter nach Nahrung. "Da gab es keine Rivalität oder Eifersucht", so Karin Adam. Solch ein Ammenwechsel hat bei den Döberner Züchtern schon Tradition. Auch die betagte Katzendame Trixi sei einst von einer Hovawart-Mutter gesäugt worden.
Inzwischen sind die Kleinen neun Wochen alt. Einige haben schon neue Besitzer gefunden. Auch für die letzte "gemischte Spielgruppe" kommt nun die Zeit der Trennung. Das sei für die Familie Adam immer auch mit Wehmut verbunden. Doch beide Züchter sorgten dafür, dass die potenziellen Frauchen und Herrchen auf Herz und Nieren geprüft werden. Schließlich eigne sich nicht jeder Tierfreund für eine bestimmte Rasse. "Manchmal haben wir auch schon energisch nein gesagt", stellen Adams klar.

Erfolgreich seit fast 40 Jahren
Im Jahr 1969 begann die Erfolgsgeschichte des Zwingers von Biberstein. Dabei hatten die beiden Döberner Hundefreunde 1967 nach dem Besuch einer Hundeausstellung in Berlin-Biesdorf zuerst mit dem Aufbau einer Golden-Retriever-Zucht geliebäugelt. Doch diese Rasse gab es in der abgeschotteten DDR-Tierhaltung nicht. Schließlich einigten sich Karin und Peter Adam auf die Haltung von Hovawarts, die äußerlich dem Retriever ähneln. "Besonders blonde Hovawarte werden von Be trachtern, die mit der Rasse nicht vertraut sind, oft mit dem Golden Retriever verwechselt", berichtet die Züchterin. Schnell habe sich der Nachwuchs aus dem Hause von Biberstein einen Namen gemacht und neue Besitzer auch in der Schweiz, in Dänemark und Österreich gefunden. Doch dafür habe es nur DDR-Mark gegeben: Der Transfer der Tiere verschlang fast den Kaufpreis. Für den Fall, „dass sich die Zeiten politisch einmal ändern sollten“ , hätten dänische Züchter angeboten, "bekommt ihr von uns einen Golden Retriever". Woran beide Seiten kaum glauben konnten, trat wenige Jahre später ein. "Einen Tag nach der Grenzöffnung bekamen wir bereits ein Telegramm aus Dänemark. Telefonisch war damals der Normalbürger ja noch nicht zu erreichen", erinnert sich Karin Adam. Am Vorabend der geplanten Abfahrt hauchte der betagte Trabant sein Autoleben aus. Innerhalb von zwei aufreibenden Tagen wurde ein neues Auto gekauft.
Im Februar 1990 startete die Familie Adam so doch noch zu einer aufregenden Fahrt via Dänemark mit einem großen Umweg durch die alten Bundesländer. Die kürzeste Route - die Überfahrt mit der Autofähre in Sassnitz - blieb den Noch-DDR-Bürgern zu diesem Zeitpunkt verwehrt. Glücklich kehrten sie mit der jungen Hundeschönheit Astagneta nach Döbern zurück und begannen mit der Zucht der goldhaarigen Tiere.

Hintergrund Gegensätzliche Charaktere
 Auch wenn sich Golden Retriever und Hovawart bei oberflächlicher Betrachtung ähneln, könnte ihr Charakter kaum gegensätzlicher sein. Der Golden Retriever ist nach Angaben der Döberner Züchter ein intelligenter, freudig arbeitender Hund mit ausgeglichenem Wesen. Er gilt als kinderfreundlicher Familienhund. Als Wachhund sind die "lieben Goldigen" jedoch nicht geeignet. "Ein Golden vertreibt keinen Einbrecher; stattdessen freut er sich über den Besuch und hilft jedem, die Wertsachen aus dem Haus zu tragen", heißt es. Der Hovawart (Hofwächter) dagegen geht aus einer langen Ahnenreihe von Wach- und Schutzhunden hervor. Diese kraftvolle und lebhafte Rasse habe eine starke Persönlichkeit, so die Experten. Konsequenz bei der Erziehung und viel Zeit seien deshalb ein Muss, um als "Rudelchef" anerkannt zu werden.