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| 18:23 Uhr

Neues Sportangebot in Forst
Hip-Hop begeistert Forster Jugend

Matthias Kruschel (vorn) leitet die Hip-Hop-Tanzgruppe.
Matthias Kruschel (vorn) leitet die Hip-Hop-Tanzgruppe. FOTO: LR / Katrin Kunipatz
Matthias Kruschel ist überrascht vom großen Zuspruch. Er unterrichtete schon in New York. Von Katrin Kunipatz

Die Musikanlage trägt Matthias Kruschel an einem breiten Gurt lässig über der Schulter. Der 29-Jährige selbst trägt eine legere Jogginghose, ein weites Sweatshirt und weiße Turnschuhe. Von den wartenden Kindern vor der Turnhalle an der Max-Fritz-Hammer-Straße wird er freudig begrüßt. Innerhalb weniger Minuten sind die zwei Jungen und 16 Mädels umgezogen und warten gespannt auf den Beginn der Tanzstunde.

Nicht paarweise, sondern im Kreis und später in Reihen stellen sich die Kinder auf, als der moderne Rhythmus durch die Turnhalle tönt. Denn Matthias Kruschel leitet den ersten Hip-Hop-Kurs beim Tanzsportclub „Smaragd“. „Wir haben im November mit nur acht Kindern die Probestunde gestartet“, sagt er. „Jetzt sind 20 regelmäßig dabei und noch immer gibt es Nachfragen.“ Diese positive Resonanz habe ihn überrascht, so Kruschel. Doch fragt man die Tanzschüler, lautet die einhellige Meinung: „Hip-Hop ist cool.“ Der zehnjährige Tyron, der auch Fußball spielt, sagt: „Tanzen ist schon immer mein Favorit.“ Und gerade Hip-Hop mache er sehr gern. Moris hat von seinem Freund Tyron von dem Kurs erfahren und kommt gern her. Beide berichten begeistert, dass sie bereits einzelne Tanzschritte und eine kleine Choreografie gelernt haben.  

Das rhythmische Springen und die schnellen Fußwechsel sehen bei Matthias Kruschel federleicht und selbstverständlich aus. Armschwünge und Kicks komplettieren die Tanzbewegungen. Neue Sprünge kommen dazu. Nicht jedem in der Halle gelingt es sofort, alles richtig zu machen. Unbeirrt zeigt der Tanzlehrer immer wieder die Schrittkombinationen und spornt seine Schüler an. Alwine (12) und Liza (11) kommen sichtlich ins Schwitzen. Aber auch sie sind gern hier. „Ich habe Hip-Hop bisher nur in Videos gesehen und wollte es unbedingt ausprobieren“, sagt Alwine. „Wir haben den besten Lehrer der Welt“, versichert Freundin Liza.

Damit liegen beide gar nicht so falsch. Matthias Kruschel hat beim Allgemeinen Deutschen Tanzlehrerverband seine Ausbildung als Tanzlehrer absolviert und die weltweit höchste Ausbildungsstufe erreicht. Neben Standard und Latein gehörte auch eine vierjährige Hip-Hop-Ausbildung dazu. Anschließend gab er Tanzunterricht unter anderem in New York und Las Vegas. Zurück in der Lausitz arbeitet er jetzt als selbstständiger Tanzlehrer in Berlin, Forst, Cottbus oder Guben. „Ich unterrichte jeden, angefangen beim Hochzeitskurs bis zu Turnierpaaren“, sagt er.

Die Idee für den Hip-Hop-Kurs in Forst resultiert aus seiner persönlichen Beziehung zur Stadt. Schon als Schüler hat er selbst beim Tanzsportclub „Smaragd“ das Tanzen gelernt und zwar ganz klassisch die Standard- und Lateintänze. „In dieser goldenen Zeit um 2005 gab es zehn aktive Tanzpaare“, berichtet er. 2008 zählte der Verein 120 Mitglieder. Aber viele verließen Forst für Studium und Ausbildung. In der nächsten Generation kam nicht genug Nachwuchs. Und heute könne man kaum ein Kind mit Walzer oder Samba fürs Tanzen begeistern. Die dazu passende Musik läuft nicht im Radio. Hip-Hop ist als Musikstil erst Ende der 80er Jahre entstanden und immer noch aktuell. Deshalb entwickle sich der Tanzstil auch weiter. Ein weiterer Vorteil: Hip-Hop kommt ohne eine feste Schrittfolge aus und lasse viel Freiraum.

Der große Zuspruch lässt Matthias Kruschel hoffen. Er will eine zweite Gruppe eröffnen. Sein fernes Ziel sind Tanzwettkämpfe. Genau wie für die klassischen Tänze gibt es diese auch für Hip-Hop. Getanzt wird solo oder in Formationen mit zwei, acht oder 24 Tänzern. Bis es so weit ist, sind noch viele Übungsstunden nötig und ein Trainingsraum mit Spiegelwand. „Denn wenn alle synchron sein sollen, müssen sie sich auch sehen können“, so Tanzlehrer Kruschel. Am wichtigsten sei es aber, die Begeisterung der Kinder fürs Tanzen zu wecken.