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| 01:33 Uhr

Hilfe bei vermeintlich kleinen Alltagsproblemen

Sabine Schnatter und Jan Neupötsch gehören zu den Mitarbeitern der Familienberatung des Paul-Gerhardt-Werkes in Forst.
Sabine Schnatter und Jan Neupötsch gehören zu den Mitarbeitern der Familienberatung des Paul-Gerhardt-Werkes in Forst. FOTO: Gerd Kundisch
Forst. Wenn Eltern in Trennung leben und sich über den Umgang mit den gemeinsamen Kindern nicht einigen können, wenn sich Eltern mit der Erziehung ihrer Sprösslinge überfordert fühlen oder deren Kinder sich in irgendeiner Weise sehr auffällig benehmen, brauchen sie Hilfe – selbst wenn sie es sich nicht eingestehen wollen. Professionell und kostenlos helfen und beraten in solchen Fällen die Mitarbeiter der Erziehungs- und Familienberatungsstelle des Paul-Gerhardt-Werks Forst. Von Eva-Maria Becker

Schon seit 1991 besteht die Beratungsstelle unter Trägerschaft des Paul-Gerhardt-Werkes in Forst. Diplom-Psychologin Sabine Schnatter und die beiden Diplom-Sozialpädagogen Oliver Jäger und Jan Neupötsch stellen das Beraterteam. „Unsere Einrichtung ist eine erste Anlaufstelle für Menschen, denen die Konflikte innerhalb der Familie, die Schulprobleme ihrer Kinder oder auch der Streit mit einem geschiedenen Partner über den Umgang mit den gemeinsamen Kindern über den Kopf wachsen“ , sagt Sabine Schnatter, die seit zwei Jahren in der Forster Beratungsstelle arbeitet.
Die Probleme, mit denen sie konfrontiert würde, seien vielschichtig und sehr unterschiedlich. Immer mehr Paare, die in Trennung leben oder geschieden sind, könnten den Umgang mit ihren gemeinsamen Kindern nicht meistern. „Sie kommen jedoch meist nicht von allein zu uns, um sich Rat zu holen, sondern werden an uns über das Jugendamt oder das Gericht vermittelt. Wir sind aber immer bestrebt, vor allem zugunsten der Kinder zu außergerichtlichen Einigungen zu kommen“ , betont Jan Neupötsch. Zum Teil seien die Berater dabei, wenn sich der geschiedene Partner ohne Sorgerecht, aber mit Umgangsrecht, mit seinem Kind treffe. „Wir überwachen das Treffen nicht etwa – wir begleiten es, geben Ratschläge“ , stellt er klar. Oft gebe es auch Probleme, weil ein Elternteil fast oder gar keinen Kontakt zum eigenen Kind hatte und sich nun mit Erziehungsfragen oder Alltagsproblemen allein gelassen fühle. „Wir wollen Hilfestellung dabei geben, dass auch diese Elternteile selbständig mit ihren Kindern zurecht kommen“ , umreißt Neupötsch den Anspruch der Berater. Doch nicht nur die Eltern würden unterstützt – „vor allem auch die Kinder. Wir helfen ihnen dabei, die Trennung ihrer Eltern besser zu verarbeiten mit dem Ziel, dass dieses in ihr Leben einschneidende Ereignis möglichst keine negativen Auswirkungen auf ihre weitere Entwicklung hat“ , so Sabine Schnatter.
Einen wesentlichen Schwerpunkt sehen die Berater in der intensiven Arbeit mit verhaltensauffälligen Kindern und Jugendlichen, mit denen ihre Eltern nicht mehr klarkommen. Die Probleme würden über Trotzreaktionen bis zur körperlichen Aggression reichen. „Dabei sprechen wir nicht einfach nur über diese Probleme, sondern arbeiten unter anderem verhaltenstherapeutisch. Das heißt, wir suchen zu ergründen, in welchen Situationen ein gestörtes Verhalten auftritt und welche Ursachen es haben kann“ , erklärt sie. Eine wesentliche Ursache sei der immer extremere Leistungsdruck, unter dem Kinder und Jugendliche stünden. „Viele kommen mit den immer komplexeren Anforderungen nicht zurecht. So mancher entspricht eben nicht den geforderten Normen, kann in irgendeiner Weise nicht mithalten“ , sagt Neupötsch. Auch die hohe Arbeitslosigkeit spiele eine Rolle. „Die Kinder sind dann oft die Leid Tragenden und reagieren mit den verschiedensten Störungen.“
Um es gar nicht erst so weit kommen zu lassen, seien die Berater auch in der Prävention tätig und würden im Rahmen von Elternabenden über solche Probleme und Möglichkeiten der Bewältigung sprechen. „Wir wünschen uns, dass auch Eltern mit vermeintlich kleinen Alltagssorgen zu uns kommen und sich Ratschläge geben lassen. Manchmal geht es einfach nur um die Frage, dass das Kind nicht im eigenen Bett schlafen will, dass es mehr Taschengeld möchte oder zu viel am Computer spielt“ , weiß Jan Neupötsch. Da liege eine Menge Konfliktpotenzial, doch viele solcher Probleme seien gemeinsam zu lösen.
Ein Termin in der Familienberatungsstelle des Paul Gerhard Werkes könne telefonisch vereinbart werden. „Die Beratung ist kostenlos und selbstverständlich streng vertraulich: Es herrscht die Schweigepflicht“ , betont Sabine Schnatter.

Zum Thema Paul Gerhardt als Namensgeber
 Paul Gerhardt wurde 1607 in Gräfenhainichen geboren. Er gilt als bedeutendster und bekanntester Kirchenlieddichter nach Martin Luther. 1657 wurde er Pfarrer an St. Nicolai in Berlin und zehn Jahre später wegen eines Konfliktes zwischen den reformierten Großen Kurfürsten und den lutherischen Pfarrern aus Berlin seines Amtes enthoben. 1669 wurde er zum Erzdiakon in Lübben berufen und starb dort im Alter von 69 Jahren. Das Paul-Gerhardt-Werk ist im Rahmen des Diakonischen Werkes auch der Träger der Erziehungs- und Familienberatungsstelle in Forst, Frankfurter Straße 21 (Telefon 03562 99422).