ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 00:00 Uhr

„Hier ist es doch schön“

Andreas Benkelberg (43) aus Detmold zeigt auf den Briesniger Bahnhof, den er im Februar von der Bahn AG erworben hat und für dessen Nutzung er einige Pläne hat. Es soll dort ein Verein etabliert werden, der jungen Erwachsenen aus zerrütteten Familien ein Betätigungsfeld bietet.
Andreas Benkelberg (43) aus Detmold zeigt auf den Briesniger Bahnhof, den er im Februar von der Bahn AG erworben hat und für dessen Nutzung er einige Pläne hat. Es soll dort ein Verein etabliert werden, der jungen Erwachsenen aus zerrütteten Familien ein Betätigungsfeld bietet. FOTO: Bernd-Volker Brahms
Andreas Benkelberg aus dem ostwestfälischen Detmold ist seit einiger Zeit arbeitslos. Da er als gelernter Mediengestalter keinen Arbeitsplatz fand, suchte er sich ein neues Betätigungsfeld. „Wenn man keine Arbeit hat, muss man sich eben welche machen“ , sagt der 43-Jährige. Zunächst kaufte er sich ein Bahnhofsgebäude in Kerkwitz, das er nach eigenen Angaben nach kurzer Zeit mit Gewinn wieder veräußerte. Seit Februar gehört ihm jetzt der Bahnhof in Briesnig. Dort möchte er einen Verein gründen, der sich um Heranwachsende aus zerrütteten Familien kümmert. Von Bernd-Volker Brahms

„Hier muss noch einiges gemacht werden“ , sagt Andreas Benkelberg, während er durch das alte Bahnhofsgebäude in Briesnig läuft. In den nächsten Monaten möchte er das seit etwa 15 Jahren leer stehendende Haus von 1890 wieder in Schuss bringen. „Die Substanz ist göttlich“ , sagt Benkelberg. Die Wände seien teilweise 1,5 Meter dick, und die Außenfassade seien aus roten, durchgebrannten Ziegeln. „Da kann man sehen, dass die Bahn schon früher eine Menge Geld hatte“ , sagt der bärtige Mann. In einigen Räumen brauche er lediglich mit dem Besen die Wände schrubben und sie sähen wieder gut aus.
Überall im Haus hätten sich Meisen und Schwalbennester befunden. Auch ein großes Hornissen-Nest ist noch im Güterraum vorhanden. „Die hatten hier jahrelang ihre Ruhe“ , sagt Andreas Benkelberg.
Teilweise hätten sich in den vergangenen Jahren jedoch auch Diebe an einzelnen Gegenständen zu schaffen gemacht. So fehlt ein Treppengeländer. Auch Dachpfannen wurden abgedeckt. „Auf den Firstpfannen befanden sich kleine Gnome“ , erzählt Andreas Benkelberg. Nur ein Teil der Pfannen mit den witzigen Figuren ziert noch das Dach. Strom und Wasser sind allerdings nach einiger Buddelei und Forschungsarbeit wieder vorhanden. „Die Stadtwerke konnten mir nicht sagen, wo das Wasser abgeklemmt worden war“ , so Benkelberg.

Jungen Leuten Beschäftigung geben
Die 220 Quadratmeter Nutzfläche des Gebäudes sollen einerseits als Wohnfläche genutzt werden, anderseits soll ein sozialer Verein dort untergebracht werden. „World-Station e.V.“ solle der Verein heißen, der sich um junge Heranwachsende kümmert, die aus ihrer zerrütteten Umgebung heraus- geholt werden sollen. „Ich möchte den jungen Leuten eine sinnvolle Beschäftigung geben“ , sagt Andreas Benkelberg. Im und um den Bahnhof könnten diese in „handwerkliche Arbeit reinriechen“ .
Als günstige Fügung sieht es der neue Bahnhofsbesitzer, dass die Stadt Forst einen Radweg auf der alten Bahntrasse von Eulo bis hinter Briesnig zum Schöpfwerk bauen möchte (die RUNDSCHAU berichtete). „Der Weg wird genau an meinem Haus vorbeiführen.“ Auf der ganzen Radstrecke zwischen Forst und Guben sei er der einzige Direktanlieger. Derzeit sind die zwei Gleise entlang des Bahnhofes mit Tannen zugewachsen.

Neuer Radweg als Chance
Er könne sich die Einrichtung einer Fahrradstation vorstellen, wo neben Reperaturdiensten auch eine Art Kiosk die Touristen mit Getränken versorgt. Ideal dafür geeignet sei der dem Bahnsteig zugewandte Raum, in dem sich derzeit noch die Hebel für die Stellwerke befinden. „Die müssen leider raus“ , sagt er.
Leisten konnte er sich das „schöne Objekt“ nur, weil die Bahn es ihm quasi zu einem Spottpreis überlassen habe. „Ich habe im Prinzip nur das Grundstück gekauft“ , sagt Andreas Benkelberg. Er habe dabei keinen Cent mehr ausgegeben, als dies nach den Hartz-IV-Gesetzen zulässig sei.
Der Ostwestfale hat sich mittlerweile ganz gut in der Lausitz eingelebt, nachdem er 2001 erstmals zu einem Musikfestival nach Ostdeutschland kam. Die Ruhe und Beschaulichkeit gefalle ihm, sagt Benkelberg „Hier ist es doch schön.“ Außerdem gebe es im Westen nicht derart schöne Bahnhöfe, die man sich auch mit geringen finanziellen Mitteln kaufen könne.