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Hexenkessel brodelt bei Steherrennen in Forst

Mit Mini- und Laufrädern sind die Jüngsten beim Fette-Reifen-Rennen zu Pfingsten in Forst gestartet.
Mit Mini- und Laufrädern sind die Jüngsten beim Fette-Reifen-Rennen zu Pfingsten in Forst gestartet. FOTO: Margit Jahn/mjn1
Forst. Die Piraten der gefürchteten Forster Pflastersteine haben sich traditionell zu Pfingsten die Ehre gegeben. Sie präsentierten sich zu motivierender Musik aus dem Film "Piraten der Karibik" von Klaus Badelt mit muskulösen Waden und ihren schicken zweirädrigen Gefährten in bester Form und in Gewinnerlaune beim 7. Forster Dernycup der Forster Wohnungsbau GmbH. Margit Jahn / mjn1

Insgesamt gingen 14 Gespanne auf den berüchtigten Kopfsteinpflasterrundkurs. Als Stück "Paris Roubaix" bezeichnet der Forster PSV die Rennstrecke, die im Original in Frankreich seit 1896 auch auf Pflastersteinen verläuft. Als Sieg winkt in Forst die Pflastersteintrophäe. Mit knappen 20 Grad war es so angenehm bei einem Dernyrennen durch die Forster Innenstadt wie schon lange nicht mehr.

Die Hobbyfahrer - auch nicht untrainiert - heizten die Stimmung auf. Der Forster Torsten Lerche kämpfte im Oval auf den Pflastersteinen um Ruhm und Ehre, und am Ende durfte Patrick Wolfrum vom RSV Peitz vor Mario Jarick aus Burg auf das Treppchen steigen. Dass man auch im reiferen Alter noch absolut fit sein kann, bewies Hartmut Stenzel vom RSV Peitz. Mit 69 Jahren freute er sich über den dritten Platz.

Beim anschließenden ersten Rennen Europas bester Dernyfahrer und Schrittmacher siegte ein strahlender Stefan Schäfer, der im Heimvorteil lächelnd durch die Ziellinie fuhr. Leider verließen ihn im zweiten Lauf die Kräfte.

Dieses Dernyrennen ist für die eigentlichen Steherfahrer ein Nebenereignis, denn trainiert sind sie alle für die Rennbahn. Der Spaßfaktor steht bei den meisten im Vordergrund. Dass es in Forst das schlichtweg beste Publikum für diesen Sport gibt, hat sich längst über die deutschen Landesgrenzen herumgesprochen. Aus Deutschland, der Schweiz, den Niederlanden, Tschechien und aus Frankreich kamen die Sportler, um den gefürchteten Hexenkessel zu bezwingen.

Ab dem Hauptrennen war kaum mehr ein Plätzchen an der Rennstrecke frei, die Sonne kam wie auf Bestellung, die Strohballen wurden mit Getränken vorbereitet, in der Luft lag Grillwurstduft - ein Fest- und Feiertag für die ganze Familie bot das Organisationsteam des PSV 1893 Forst.

Auch die Drei- bis Fünfjährigen durften sich beim Fette-Reifen-Rennen auf ihre Laufräder und Miniräder schwingen. Max Hennig aus der Forster Kita "Talitha kumi" schoss mit seinem Laufrad allen anderen davon. Ein Radchampion von Morgen? In der Gruppe sechs bis acht Jahre gewann Conner Haufe aus Senftenberg vor Oliver Kettlitz aus Cottbus. Bei den Neun- bis Elfjährigen hatte der Forster Christoph Nagorny aus der Grundschule Mitte vor Mohammad Rafizadah aus der Grundschule Nordstadt die Nase vorn. Bei diesem Rennen gab es schon angestrengte Gesichter, der Siegerwille war deutlich zu sehen.

33 Runden mussten dann im zweiten Lauf der Großen absolviert werden. Packende Duelle zwischen Sieger Patrick Kos, dem sympathischen Niederländer, dem Schweizer Paradiesvogel im leuchtendem Rosa Giuseppe Atzeni sowie dem deutsche Nico Heßlich sorgten für ausgelassene Stimmung unter den Zuschauern. Und Marcel Möbus, ehemaliger deutscher Stehermeister, gab als Schrittmacher vor dem Tschechen Richard Faltus beim Dernyrennen in Forst einen gefeierten Einstand.

Zum Thema:
Auf die gewohnte Ehrenrunde zum Sportpalastwalzer musste das Publikum am Ende aber verzichten. "Es stehen zu viele Zuschauer auf dem Weg" sagte Rennleiter Frank Schneider nach der Siegerehrung und sorgte damit für Erstaunen im Publikum. Das sind die Forster und auch ihre Sportfreunde gar nicht gewohnt. Verbleibt nur zu hoffen, dass diese Ehrenrunde beim nächsten Rennen wieder gefahren werden kann.