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Heimatverein Groß Kölzig
Erforschung der Chorgeschichte rückt in den Fokus

Die Groß Kölziger Heimatfreunde können mit echten Raritäten wie dem Rattey-Bier aufwarten.
Die Groß Kölziger Heimatfreunde können mit echten Raritäten wie dem Rattey-Bier aufwarten. FOTO: Angela Hanschke
Groß Kölzig. Groß Kölziger Heimatfreunde bereiten für das neue Jahr eine Wanderung zur Alten Fabrik vor und wollen Besucher ins Gasthaus Rattey einladen.

Die zwölf Rauhnächte zwischen Weihnachten und dem Dreikönigstag besitzen jahrhundertealtem Brauchtum zufolge magische Kraft. Als sogenannte „Lostage“ sind sie bestens geeignet, orakelhaft ins neue Jahr zu schauen. Auch wenn die beiden Ausstellungsstätten der Groß Kölziger Heimatfreunde an der alten Prangerlinde und in der legenden­umrankten ehemaligen Gastwirtschaft „Hayasche“ in der Winterzeit nicht geöffnet sind, kreisen die Gedanken der 18 Mitglieder der Arbeitsgruppe Heimatforschung/Heimatstube um Wolfgang Grätz und Andreas Müller jetzt um künftige Vorhaben und das Jahr 2020 mit dem eigenen 20-jährigen Vereinsbestehen sowie dem 120. Gründungsjubiläum der Freiwilligen Feuerwehr Groß Kölzig.

Kürzlich hat die Arbeitsgruppe Rückblick gehalten. Auf knapp 1000 Besucher aus der unmittelbaren Region, aber auch aus ganz Brandenburg können sie während der vergangenen zwölf Monate bei thematischen Veranstaltungen und der Museumsnacht verweisen. Eine beachtliche Zahl für eine Kommune mit lediglich 785 Einwohnern!

In den Mittelpunkt der künftigen Arbeit wollen die ehrenamtlichen Historiker die Geschichte der Groß Kölziger Vereine stellen. Deren Reigen wird mit der Erforschung der  Chorlandschaft im Ort eröffnet. Neben den Sangesvereinigungen wird dabei auch an ehemalige Musiker und Spielmannszüge erinnert.  Gegenwärtig wird diese reiche Tradition  durch den Schulchor der evangelischen Grundschule unter Leitung von Irina Eppinger und den inzwischen regional bestens bekannten und von Horst-Dieter Blechstein geleiteten Chor der Freiwilligen Feuerwehr Groß Kölzig fortgesetzt.

Bereits vor einigen Monaten wurde unter dem Motto „Groß Kölziger für Groß Kölziger und Gäste“ eine gesonderte Arbeitsgemeinschaft zur Vorbereitung der Museumsnacht 2018 unter Leitung von Andreas Müller ins Leben gerufen.

Ein Markenzeichen der rührigen Groß Kölziger Heimatforscher sind die geführten Fahrradexkursionen. Zwei Fahrten führen zum Reuthener Park und zum Reuthener Moor beziehungsweise zu den Quellen und Quellgebieten in und um Groß Kölzig. Dabei werden auch die Gemarkungen Gosda II und Preschen mit dem Mühlbusch einbezogen.

Wer es gemächlicher mag, wird im kommenden Jahr sicherlich nicht die Wanderung durch das nördlichste Industriegebiet des Muskauer Faltenbogens mit fundierten Ausführungen zu den einzelnen Unternehmen versäumen, die in den 1920er-Jahren etwa 500 Beschäftigten Lohn und Brot gaben. „Eine weitere Wanderung werden wir mit unseren Gästen entlang der Malxe zum Malxehof am Radweg in Richtung Jocksdorf antreten und dabei auch das weitestgehend in Vergessenheit geratenen Gelände der ehemaligen Alten Fabrik besuchen“, kündigte Wolfgang Grätz an. Heute erinnert nur noch ein überwucherter Schutthügel an den einstigen Textil-Standort und die von der Malxe betriebene Wassermühle.

Doch auch an dunkle Zeiten der Dorfgeschichte soll mit einer Veranstaltung erinnert werden: Im Jahre 1918 endete der Erste Weltkrieg. Mehr als 100 Groß Kölziger Ehemänner, Söhne, Väter zogen in diesen Krieg, 42 fielen auf den Schlachtfeldern, sechs starben an den Folgen ihrer Verwundungen. Das Ende des Krieges zog auch das Ende des Deutschen Kaiserreiches nach sich. Sichtbares Zeichen dafür: Jäglers Gastwirtschaft am Dorfplatz legte den Namen „Zum Hohenzollern“ ab und das Haus „Deutsches Reich“, das erste Vereinslokal des „Männergesangverein 1883“  wurde zum „Gasthaus Rattey“. Stolz sind die ehrenamtlichen Erforscher der regionalen Geschichte auf zahlreiche authentische Ausstellungsstücke aus jener Zeit: Flaschen mit original abgefülltem Rattey-Bier und textile Requisiten sowie Notenpartituren, die auch von Operettenaufführungen des Arbeitergesangvereins stammen. Damals konnte Groß Kölzig nicht nur auf talentierte Sänger, sondern auch auf gute Amateurmusiker verweisen.

Vor allem die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen liegt dem Verein am Herzen. Schulklassen können beim Besuch der Heimatstube aus zwölf Themenangeboten wählen. Vier Wanderungen und Exkursionen wenden sich ebenfalls an Schüler.

(aha)