ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 12:51 Uhr

Die Kunst des alten Schneiders
Heimatverein bietet einen Blick in eine alte Zunft

 Alte Nähmaschinen wurden in Döbern aus dem Keller geholt und restauriert. Der gelernte Schneider Wilfried Krüger zeigte den Besuchern, wie die „alte Technik“ noch funktioniert. Dann konnten sie es selbst ausprobieren.
Alte Nähmaschinen wurden in Döbern aus dem Keller geholt und restauriert. Der gelernte Schneider Wilfried Krüger zeigte den Besuchern, wie die „alte Technik“ noch funktioniert. Dann konnten sie es selbst ausprobieren. FOTO: Arlt Martina
Döbern. Zeitgeschichte ganz praktischer Art: So arbeiteten die Schneider in der Region Döbern.

Das Schneiderhandwerk hatte in Döbern besonders in der Zeit von 1890 bis kurz nach der Wende seine „Hoch-Zeit“. In diesem Metier kannte sich der Herren- und Damenschneider Wilfried Krüger aus. Doch auch in der alten Nähmaschinentechnik ist er „ein Fuchs“. Der 77-Jährige nutzte die Winterzeit, um in seinem beheizten Keller drei Nähmaschinen der Fabrikate Singer, Victoria und Reform wieder in Gang zu bringen. Diese Raritäten des Schneiderhandwerks schlummerten im Fundus des Heimatmuseums und wurden für diesen Zweck nun wieder aufgepeppt.

Nach der Begrüßungsrede mit geschichtlichem Rückblick durch Vereinsvorsitzende Heike Balzer hatten die Besucher die Möglichkeit für eine Nähprobe. Drei Arbeitsplätze mit den historischen Maschinen wurden aufgebaut, um sich an diesen aufgearbeiteten Maschinen auszuprobieren, die natürlich noch „zum Treten“ waren. „Diese Maschinen hatten uns einmal die Leute zur Aufbewahrung ins Heimatmuseum gebracht. Bei diesen drei Nähmaschinen aus dem Depot handelt es sich bei zweien mit Langschiffchen und bei einer mit Rundschiffchen“, erklärt Wilfried Krüger die Unterschiede. Um diese Unikate  wieder in Gang zu bringen, kann man Feinmechanikeröl oder auch Fahrradöl benutzen. Einige Maschinen waren bereits vom Holzwurm befallen. Die Bekämpfung des Holzwurmes übernahm Tischler Siegfried Richter.

Blaue und rote Schneiderkreide hatte Krüger für die Besucher mitgebracht, die sich beim Nähen ausprobieren wollten. So konnten die Gäste ihr Schneidertalent sofort ausprobieren – wenn sie den richtigen Tret-Rhythmus draufhatten. Gegen einen kleinen Obolus hatten die Besucher die Möglichkeit, selbst einen Baumwollstoffbeutel  zu nähen, auf dem das Logo der Döberner Heimatfreunde und auch das Döberner Wappen bereits aufgebracht waren. Die Vereinsmitglieder gestalteten auch eine Vitrine mit Utensilien zum Schneiderhandwerk von damals.

In den letzten Jahren entwickelte sich das Döberner Heimatmuseum zu einem Mekka der Zeitgeschichte der Stadt, das früher mit einer kleinen Heimatstube von 20 Quadratmetern und einer Bibliothek begann.

2014 wurde das Heimatmuseum eröffnet. Seit dieser Zeit wurden eine Brunnen- und Bergmannsstelle sowie eine Wasch- und Sommerküche gestaltet.

2017 errichteten sie eine Kelchglas- und Schleifer-Werksstelle. Im vergangenen Jahr konnten sie eine Litfaßsäule einweihen.

Für das Jahr 2020 ist das Aufstellen eines Backofens geplant.

Geöffnet hat das Döberner Heimatmuseum (Ringstraße 53) sonntags zwischen 15 und 17 Uhr oder nach Voranmeldung (Telefon 035600 30218 oder 31011).

 Alte Nähmaschinen wurden in Döbern aus dem Keller geholt und restauriert. Der gelernte Schneider Wilfried Krüger zeigte den Besuchern, wie die „alte Technik“ noch funktioniert. Dann konnten sie es selbst ausprobieren.
Alte Nähmaschinen wurden in Döbern aus dem Keller geholt und restauriert. Der gelernte Schneider Wilfried Krüger zeigte den Besuchern, wie die „alte Technik“ noch funktioniert. Dann konnten sie es selbst ausprobieren. FOTO: Arlt Martina
(mat)