„Im gesamten Landkreis Spree-Neiße fehlen 22 Hausärzte“ , erläutert KVBB-Sprecher Ralf Herre - 96 Hausärzte könnten sich niederlassen, aber 74 sind es nur. Diesen Berechnungen liegen gesetzliche Regelungen zugunde, wonach bei einem Kreis von der Struktur der Spree-Neiße-Region für eine gute Versorgung der Bevölkerung auf 1630 Einwohner ein Hauarzt kommen sollte, so Herre. Damit habe Spree-Neiße einen Versorgungsgrad von unter 85 Prozent und somit neben der Uckermark den schlechtesten in Brandenburg. Bei einem Grad von nur noch 75 Prozent spricht die Kassenärztliche Vereingiung von einer „bestehenden Gefährdung der vertragsärztlichen Versorgung“ . Zum Vergleich: Barnim und Dahme-Spreewald stehen mit 105 und 104 Prozent in der KVBB-Statistik. Oberspreewald-Lausitz kommt auf 88 Prozent.
Schaut man sich die Zahlen auf Altkreis-Ebene an, dann sieht es für Forst noch ernster aus. „Die Altkreise Forst und Guben bereiten die größten Probleme“ , bestätigt der KVBB-Sprecher. „Wenn man die Messzahl auf den Altkreis Forst runterbricht, kommt man auf einen Versorgungsgrad von nur 78,8 Prozent.“ Außerdem seien von den derzeit noch 16 Hausärzten in und um Forst sechs bereits 60 und älter. Ihr Gang in den Ruhestand stehe in den nächsten Jahren bevor. Den schlimmsten Fall will sich Ralf Herre gar nicht erst ausmalen: Sollten sich alle sechs Mediziner dieses Jahr zur Ruhe setzen, würde die Hausarzt-Versorgung schlagartig auf unter 50 Prozent sinken. „Dafür gibt es aber keine Anzeichen“ , beruhigt der KVBB-Sprecher. In Guben sieht es ähnlich aus: Von 15 Hausärzten haben sieben bereits ihren 60. Geburtstag hinter sich. In Brandenburg seien knapp ein Drittel der Hausärzte 60 und älter, macht Herre die Dimension des Problems deutlich.
Um dem Arzt-Problem gegenzusteuern, hat die Kassenärztliche Vereinigung ein „Sicherstellungstatut“ verabschiedet, das jungen Ärzten Anreize bieten soll, sich in den Problem-Regionen niederzulassen. So werden Umsatzgarantien angeboten. „Leider ist Nachwuchs nicht in Sicht“ , muss der KVBB-Sprecher einräumen. „Wir können ja keinen Arzt mit dem Lasso einfangen.“ Dass die Region unter jungen Ärzten alles andere als beliebt ist, läge an den vergleichsweise niedrigen Honoraren, am hohen Anteil älterer Patienten und daran, dass hier Ärzte mehr Kranke zu betreuen hätten, als im Bundesdurchschnitt üblich.
„Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht“ , so Herre. Jetzt sei es wichtig, dass die Politik die Rahmenbedingungen verbessere. „Es muss gelingen, auch Kommunalpolitiker zu sensibilisieren, dass ein Hausarzt zu einer Kleinstadt gehört“ , sagt der KVBB-Sprecher. „Der Bürgermeister von Guben war schon bei uns.“