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Landratswahl
Er will „dynamisch weiter“ machen

Harald Altekrüger vor der Feuerwehrgarage in Koschendorf. Altekrüger hat das Gebäude gekauft. An der Zwischentür hängt die von ihm erarbeitete Feuerwehrchronik. Das Gebäude wird vom Heimatverein genutzt, dessen Vorsitzende Altekrügers Frau Roswitha ist.
Harald Altekrüger vor der Feuerwehrgarage in Koschendorf. Altekrüger hat das Gebäude gekauft. An der Zwischentür hängt die von ihm erarbeitete Feuerwehrchronik. Das Gebäude wird vom Heimatverein genutzt, dessen Vorsitzende Altekrügers Frau Roswitha ist. FOTO: Jürgen Scholz / LR
Spree-Neiße. Harald Altekrüger will wieder Landrat im Spree-Neiße-Kreis werden – und den Job will der 62-Jährige auch die vollen acht Jahre machen.

Die politische Karriere von Altekrüger begann im Keller. Im Partykeller seines Hauses wurde nach der Ortsbeiratswahl für Siewisch sondiert, abgewogen, dann stand für den bis dato politisch nicht aktiv gewesenen Lehrausbilder im Maschinen- und Anlagenbau fest:  Er macht’s. Altekrüger wurde ehrenamtlicher Bürgermeister von Siewisch.  2003 hauptamtlicher Bürgermeister  von Drebkau, 2010 Landrat des Spree-Neiße-Kreises. Allerdings gewählt im Kreistag, weil die Mindestanzahl an Wählern nicht zustande kam. Wie fast bei allen Landratswahlen. Altekrüger, erst seit 2006 CDU-Mitglied, sollte die gelassene und ruhige Alternative zum Vorgänger werden.  Er komme jeden Morgen gut gelaunt ins Büro, sagt er, und führt dies aufs morgendliche Walking durch die Umgebung seines Heimatortes Koschendorf zurück.

Koschendorf, knapp 100 Einwohner, liegt zwischen Leuthen und Drebkau.  Altekrüger ist dort aufgewachsen und wieder aus Cottbus dorthin zurückgezogen. Die kleine Feuerwehrgarage, einen Steinwurf entfernt, hat er gekauft.  Darin lagert Material des Heimatvereins, dessen Vorsitzende seine Frau Roswitha ist. Auf der zur  Sicherheit eingebauten Zwischentür ist die von Altekrüger verfasste Feuerwehrchronik befestigt. Zwei Broschüren haben Altekrügers bereits verfasst, nun wird an der Chronik gearbeitet für 500 Jahre Koschendorf in 2027.

2027 – dann wäre Altekrüger ein Jahr im Ruhestand. Er will die acht Amtsjahre voll machen, fühle sich fit, sagt der 62-Jährige, der 2010 Ruhe ins Landratsamt bringen sollte. Manchem war er zu ruhig und zurückhaltend.  Besonnen und offen für den Dialog sein, nennt es Altekrüger. Dann Entscheidungen systematisch umsetzen.

Ein Wandel deutete sich vor zwei Jahren an, als er bei der Haushaltsdiskussion auch gegenüber der eigenen Fraktion Biss zeigte. Im Sommer 2017 erklärte er gegenüber der RUNDSCHAU seine Kandidatur. Und rammte so Pflöcke ein.

Noch kurz zuvor war sein Krisenmanagement beim wochenlangen Brand von Plastikmüll auf der polnischen Seite bei Forst kritisiert worden. Für Brozek sei und war der Kreis nicht zuständig, sagt Altekrüger. Es habe aber Neuregelungen für Verwaltungsstab und Öffentlichkeitsarbeit gegeben.

Dennoch: Brozek und späte Initiativen, das kostete Punkte. Bei der Kandidatenaufstellung im CDU-Kreisverband erhielt Altekrüger 68 Prozent.

Pluspunkte sammelte Altekrüger vor allem beim Kolkwitzer Ortsverband, als er die Gesamtschule in Kolkwitz zur Chefsache erklärte. Der schnelle Vorstoß scheiterte am Land. Weil keine Lehrer zur Verfügung stehen, vermutet nicht nur Altekrüger. Mittlerweile – Drebkau will eine Oberschule aufbauen – versucht Altekrüger, das Thema aus dem  Wahlkampf rauszuhalten. Da hatte er aber schon zugesagt, dass Eltern im südwestlichen Kreis bei den Schülerfahrtkosten entlastet werden sollten. Da das nach Auffassung seines eigenen Hauses dem Gleichheitsgrundsatz widerspricht, schlägt Altekrüger nun die kostenlose Schülerbeförderung im gesamten Landkreis vor; kurz nachdem ein Mitbewerber auf das Beispiel OSL verwiesen hatte. Nachdem eine Initiative in Forst in Zusammenhang mit dem dortigen Bürgermeisterwahlkampf an die notwendige Sanierung des Stadions am (kreislichen) Gymnasium erinnerte, wird er auch dort aktiv. Der Bedarf werde ermittelt, so Altekrüger, dann komme es auch darauf an, was Forst wolle.

Altekrüger ist überall, zeigt seit Monaten Präsenz und wird präsentiert, besetzt Themen. „Dynamisch weiter“ lautet das Motto seines Wahlprogramms (www.harald-altekrueger.de). Auch wenn einige Punkte darin schon vom Kreistag abgesegnet sind – es komme auch darauf an, was man als Landrat anschiebt, erklärt Altekrüger, der in einem Amt punkten muss, von dem kaum jemand weiß, was dahinter steckt, außer dass der Landrat auch Chef mehrerer unterer Landesbehörden und der Kommunalaufsicht ist. Bei 1000 Mitarbeitern habe man viel mit Personalfragen zu tun, man sei so etwas wie Innen- und Außenminister, habe  daneben ehrenamtliche Funktionen wie Vorsitzender des Fremdenverkehrsverbands Spreewald, Präsident der Euroregion,  als stellvertretender Sprecher der Regionalen Planungsgemeinschaft. Ein Zwölfstundenjob, sagt Altekrüger. Acht Jahre lang.