Die schwierige Materialbeschaffung - es fehlte vor allem an Zement, Beton, Ziegelsteinen - führte zu einem Stillstand des privaten Wohnungsbaus. So waren die Nachkriegsjahre durch große Unsicherheit in Bezug auf die Zukunfterwartungen geprägt. Nach der Inflation mit ihrem Höhepunkt im November 1923 wurde ab 1924 eine stabile Währung einführt. Danach setzte auch in Forst wieder ein Aufschwung im Wohnungsneubau ein.
Ende der 1920er-Jahre entschied die Stadtverwaltung, neue Wohnhäuser nicht mehr selbst zu bauen. Dies entsprang der Erkenntnis, dass man mit dem Bau eigener Neubauwohnungen die Stadt finanziell zu stark belastete. Daraufhin errichteten vorrangig Baugenossenschaften, private Bauunternehmen und Privatpersonen als Bauherren neue Wohnungen. Ein Beispiel dafür ist unter anderem die Wohnsiedlung „Jerusalem“ im Forster Stadtteil Eigene Scholle.
Die Bauwerke gehörten zu einer Siedlungsgenossenschaft der Kriegsbeschädigten und Kriegshinterbliebenen. Schon 1913 war das Gelände in das Stadtgebiet von Forst eingemeindet worden, seit Mitte der 1980er-Jahre steht die Siedlung „Jersusalem“ unter Denkmalschutz.
Die Siedlung entstand in den Jahren 1925 bis 1927 nach den Entwürfen des bekannten Forster Stadtbaurates Dr. Rudolf Kühn, der während seiner Amtszeit von 1920 bis 1934 in Forst durch seine neue vom Bauhaus geprägte Architektur dem Stadtbild seinen Stempel aufdrückte. Die Bauten an verschiedenen Stellen der Stadt verliehen dieser ein modernes Aussehen.
Zu den Bauwerken des Stadtbaurates gehören unter anderem die neue Lange Brücke, Wohnbauten am Kegeldamm, am Rathenauplatz und Friedrich-Ebert-Platz sowie Stadtrandsiedlungen im Stadtteil Berge, die Wohnbauten in der Ringstraße, aber auch das Krematorium und das Realgymnasium.
Die Wohnsiedlung „Jerusalem“ wurde auf einem annähernd trapezförmigen Grundriss mit einem großen Binnenhof angelegt. Die Gebäude zeichnen sich durch ihren würfelartigen Bau aus, dessen Wände verputzt sind und der durch ein Flachdach abgeschlossen wird. Die zweieinhalbgeschossigen Häuser wurden als Zwei- und Vierfamilienhäusern konzipiert.
Die Wohngebäude sind untereinander durch eine Mauer verbunden, wobei jeweils eine Toreinfahrt vorhanden ist.
Zur Wohnsiedlung gehören die Häuser Schwerinstraße 37 bis 51, An der Malxe 1 bis 8, Pappelstraße 16 bis 22 und Spremberger Straße 128 bis 130.
Insgesamt entstanden dort 22 Wohnhäuser, die sich alle in Privatbesitz befinden. Die linke Häuserzeile in der Schwerinstraße zwischen Pappelstraße und Malxe mit den geraden Hausnummern wurde erst nach Fertigstellung der Wohnsiedlung „Jerusalem“ in den Jahren 1927 bis 1928 gebaut. Die Häuser 30 bis 36 sind vier Zweifamilienhäuser, zwei Geschosse hoch, unterkellert, ebenfalls mit einem Flachdach versehen. Sie haben jeweils einen Stallanbau. Die Bauausführung der Wohnsiedlung übernahm unter anderem der Forster Bauunternehmer Wilhelm Schulz aus der Blumenstraße.
Im Laufe der Zeit nahmen einige Hausbesitzer Veränderungen vor, so zum Beispiel durch das Zumauern der Hauseingangstür und das Einsetzen eines Fensters an dieser Stelle. Auch durch den Einbau von Garageneinfahrten in die Mauer zwischen den Wohnhäusern wurde der Urspungszustand verändert. Da es sich hier um denkmalgeschützte Gebäude in einer Wohnsiedlung handelt, ist ein Eingriff bedauerlich.
Die Herausbildung des Namens „Jerusalem“ für die Siedlung geht wohl auf die Ansicht der würfelartigen Gebäude zurück, die mit flachen Dächern und weiß verputzten Wänden an die Architektur in Israel erinnern .