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| 14:00 Uhr

Kunst
Hände, die verbinden

Verblüffende Ähnlichkeit: Der Forster Maler Manfred Gebhardt mit einer Kopie des Hände-Bildes, das er 2015 malte, und Stadtteilmanagerin Kathleen Hubrich mit dem Juli-Kalenderblatt des Vielfalt-Kalenders.
Verblüffende Ähnlichkeit: Der Forster Maler Manfred Gebhardt mit einer Kopie des Hände-Bildes, das er 2015 malte, und Stadtteilmanagerin Kathleen Hubrich mit dem Juli-Kalenderblatt des Vielfalt-Kalenders. FOTO: LR / Steffi Ludwig
Forst. Was ein vom Forster Manfred Gebhardt gemaltes Bild mit einem Kalenderblatt gemeinsam hat. Von Steffi Ludwig

Die Ähnlichkeit ist verblüffend: Hände verschiedener Hautfarben legen sich verbindend übereinander, lassen ein Gefühl von Einigkeit entstehen. Als der Forster Maler Manfred Gebhardt das Juli-Blatt des Forster Vielfalt-Kalenders sah, fühlte er sich sofort an sein eigenes Bild erinnert. Ende 2015 hatte er es in Anlehnung an ein Foto seiner Schwiegertochter gemalt: Denn diese engagiert sich seit einigen Jahren in Gambia für den Verein „Hand in Hand“, der den Menschen vor Ort Hilfe zur Selbsthilfe bietet. Die helle Hand im Bild ist die seiner Schwiegertochter.

Und auf dem Foto des Vielfalt-Kalenders halten die Forster Stadtteilmanagerin Kathleen Hubrich und Flüchtlinge aus Pakistan und Afghanistan ihre Hände übereinander – zufällig in ähnlicher Weise wie auf dem Foto aus Afrika. Die jungen Männer sind in Forst gut aufgenommen worden und beteiligen sich an diversen Projekten, oft angeschoben von Kathleen Hubrich. „Manfred Gebhardt fand unsere Geste so schön, weshalb er mir eine Kopie seines Bildes geschenkt hat“, berichtet die Stadtteilmanagerin.

Denn das Original von Gebhardts Bild hängt inzwischen in der Gubener Stadtapotheke. Inhaber René Groeschke ist selbst Forster und hat es Manfred Gebhardt abgekauft. „Ich habe es im Forster Eiscafé gesehen und es hat mir gleich gut gefallen“, begründet René Groeschke.

Vom Verkaufserlös habe er einen Teil an den afrikanischen Verein „Hand in Hand“ gespendet, berichtet der Maler. Davon sei ein Zaun in dem sehr armen Land gekauft worden. Der Verein setze sich für Projekte wie den Bau von Brunnen, das Legen von Wasserleitungen oder die Ausstattung von Schulen ein.

„Ich habe das Bild damals sehr gern gemalt. Es ist mal etwas anderes als Landschaft, die ich sonst viel male“, so der 83-jährige Forster. „Aber Hände sind dafür auch sehr anspruchsvoll.“ Der ehemalige Kunstlehrer malt seit rund 60 Jahren. „Ich habe schon als Schüler Freude daran gehabt, musste durch Krieg und Flucht jedoch unterbrechen“, erzählt er. Nach 1945 begann er eine Lehre als Maler und später noch eine zum Gebrauchswerber, bevor er sein Lehrerstudium begann. Als Lehrer habe er jedoch nicht viel Zeit zum Malen gehabt, aber verschiedene Arbeitsgruppen geleitet.

Seit er Rentner ist, habe er wieder mehr Zeit zum Malen, versichert er, obwohl er auch seinen anderen Hobbys – der Musik und seinem Garten – frönt. „Ich brauche das Malen, es hält mich fit“, so Gebhardt.

Seit vielen Jahren leitet er zudem die Forster Malfreunde, die aus einem Zirkel des Zak-Vereins entstanden waren. Aller zwei Wochen treffen sich die derzeit zwölf Mitglieder im Textilmuseum Forst und besprechen ihre Arbeiten, die sie meist zu Hause angefertigt haben. „Jeder kann malen, was er möchte, und wir geben uns dann gegenseitig Tipps“, so Gebhardt, der selbst in einem Räumchen zu Hause malt. Und das ständig und in verschiedenen Techniken: Öl, Aquarell, Acryl, Kohle. „Je nachdem, was ich ausdrücken möchte.“ Etwa 30 bis 40 Stunden verwende er auf ein Bild.

Ein Problem sei jedoch oft die Unterbringung seiner Werke. Und dass den Malfreunden, die einen Teil ihrer Werke in dem leer stehenden Geschäft Ecke Frankfurter/Cottbuser Straße ausstellen,  der Nachwuchs fehle. „Dabei ist das Malen für einige, die beispielsweise krank sind oder den Partner verloren haben, durchaus wie eine Therapie“, erklärt Gebhardt. Und es gibt eine Reihe spannender Projekte, an denen sie beteiligt sind. So wurden unter anderem mehrere Trafohäuschen und Litfaß-Säulen im Forster Stadtgebiet von den Malfreunden verschönert.