ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 01:23 Uhr

Grundschüler lernen im Gymnasium

Schüler der fünften Klasse der Grundschule Groß Kölzig werden im Forster Gymnasium unterrichtet und können dafür die dortigen Fachräume nutzen.
Schüler der fünften Klasse der Grundschule Groß Kölzig werden im Forster Gymnasium unterrichtet und können dafür die dortigen Fachräume nutzen. FOTO: privat
Seit Anfang des Schuljahres werden Grundschüler im Friedrich-Ludwig-Jahn-Gymnasium unterrichtet. Das Forster Gymnasium will nach Angaben von Schulleiter Thomas Röger mit zwei Projekten neue Wege gehen. Sechstklässler der sechs kommunalen Grundschulen in Forst, Döbern und Groß Schacksdorf erhalten ihren Leistungs- und Neigungsdifferenzierten Unterricht im Gymnasium, wo auch Fünft klässler der evangelischen Grundschule Klein Kölzig in drei Fächern unterrichtet werden. Von Jürgen Scholz

Mit dem Wechsel von der sechsten in die siebte Klasse trennen sich viele Wege: Die einen Schüler gehen aufs Gymnasium, die anderen auf die Oberschule. Doch seit Anfang des Schuljahres besuchen bereits etwa 60 Sechstklässler aus Forst, Döbern und Groß Schacksdorf tageweise das Gymnasium. Die Möglichkeit für den Forster Versuch gibt der Leistungs- und Neigungsdifferenzierte Unterricht in den sechsten Klassen. Beim Leistungsdifferenzierten Unterricht können Schüler je nach Begabung in Deutsch, Mathe und einer Fremdsprache zusätzlich gefordert oder gefördert werden. Beim Neigungsdifferenzierten Unterricht können sie Schwerpunkte setzen in naturwissenschaftlichen Fächern (Bio, Chemie, Physik) oder im sozialwissenschaftlichen Bereich (Erdkunde, politische Bildung, Geschichte).
„Es ist ein gutes Modell, den Übergang ins Gymnasium zu erleichtern“ , äußert sich dessen Leiter Röger zuversichtlich. Der Unterricht soll den einen den Übergang und die Eingewöhnung erleichtern. Den anderen soll die Phase helfen, sich im Vorfeld für oder gegen das Gymnasium zu entscheiden - „ohne dabei den Stress zu haben als Versager abgestempelt zu werden“ , erklärt Röger. Was für Röger aber wesentlich stärker ins Gewicht fällt, ist die Kooperation zwischen Grundschulen und Gymnasium: „Das Verständnis wächst“ , sagt er und verweist auf die enge Zusammenarbeit zwischen den Lehrern, die sich abstimmen und die Arbeitsweise des jeweils anderen kennen lernen.
Die sechste Klasse wird zur Schnittmenge beider Schulen. Denn dort werden die Weichen gestellt für den weiteren Bildungsweg. Der landesweite Leistungstest Anfang der sechsten Klasse geht mittlerweile zu 40 Prozent in die Halbjahresnote ein. Die Noten in Mathe, Deutsch und der Fremdsprache sind maßgebliche Leistungskriterien für einen Besuch des Gymnasiums. Wenn Grundschüler besser auf die Anforderungen vorbereitet würden, könne im besten Fall trotz der neuen Kriterien ein Abfall bei den Schülerzahlen vermieden werden, so Röger. Er betont aber, dass weder dies, noch die Konkurrenz unter den Schulen maßgeblich für das Forster Modell sei: „Es geht darum, den besten Weg für den einzelnen Schüler zu finden.“
Aus einem ganz anderen Grund gibt es derzeit Fünftklässler der evangelischen Grundschule Groß Kölzig auf dem Gymnasium. Die 14 Schüler erhalten ihren Unterricht in Biologie, Physik sowie „WAT“ (Wirtschaft, Arbeit, Technik) von Gymnasiallehrern. Die Grundschule selbst habe keinen Lehrer für diese Fächer und nutze so auch die Fachräume des Gymnasiums, erklärt Daniel Böhm, Geschäftsführer der evangelischen Grundschulen in Groß Kölzig und Eulo. Die Lehrer werden auf Honorarbasis von der Grundschule bezahlt. Um eine Versetzung aus dem Schulamtsbereich Cottbus zu vermeiden, hatten sie einer Arbeitszeitreduzierung auf 80 Prozent zugestimmt. Die Unterrichtung der Grundschüler sei also eine Nebentätigkeit, die zu gewähren ist, erklärt Röger. Für die Grundschule spielt aber auch ein anderer Aspekt eine wichtige Rolle. „Wir fragten uns, wie wir die Kinder am besten fördern - und das schaffen wir hier am besten“ , sagt Böhm. Es gebe Überlegungen, auch die künftigen Sechstklässler aus Groß Kölzig sowie die künftigen Fünft- und Sechst klässler der evangelischen Grundschule Eulo zum naturwissenschaftlichen Unterricht in das Forster Gymnasium zu schicken.

Hintergrund Forster Lösung als Alternative zu Begabtenklasen
 Im Gegensatz zu Gymnasien in Spremberg und Cottbus konnte das Forster Gymnasium bisher keine Leistungs- und Begabtenklassen anbieten. Dort wechseln Grundschüler bereits nach der vierten Klasse aufs Gymnasium. „Wir haben, ausgehend von Potenzial und Bedarf, eine Forster Lösung gesucht“ , erklärt Thomas Röger, Leiter des Forster Gymnasiums, der so auch hofft, Schulstrukturen halten zu können.