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| 13:47 Uhr

Konzert-Nachmittag
Legendäre Schlagerparty weckt schöne Erinnerungen

 Das Schlagertrio beim Statement für Liebe und Toleranz: Wolfram Schubert, Stephi Schubert, Harry Winkelmann und Renate Lemke (v.l.).
Das Schlagertrio beim Statement für Liebe und Toleranz: Wolfram Schubert, Stephi Schubert, Harry Winkelmann und Renate Lemke (v.l.). FOTO: Angela Hanschke
Groß Kölzig. Ein musikalisches Trio sorgt in der Bruchmühle Groß Kölzig für tolle Stimmung im Publikum. Von Angela Hanschke

Seit 99 Jahren ist die altehrwürdige Bruchmühle bei Groß Kölzig, wie das Restaurant im Volksmund genannt wird, im Besitz der Familie Winkler. Im Vorgriff auf das 100-Jährige ist am Wochenende schon fest gefeiert worden. Mit einer Schlagerparty.

„Das Telefon hat in den vergangenen Tagen schon ununterbrochen geklingelt. Viele Leute mussten wir schweren Herzens abweisen“, erzählt Karin Winkler, die seit dem Jahr 1996 die Bruchmühlen-Wirtin ist. Die Glücklichen, die Karten hatten, sind vom Schlagertrio bestens unterhalten worden.

Renate Lemke aus Groß Kölzig, Wolfram Schubert aus Klein Kölzig und Harry Winkelmann aus Forst hatten als Trio im Februar des vergangenen Jahres in der Bruchmühle vor Senioren den ersten Auftritt. Inzwischen haben die junggebliebenen Unruheständler ihren Auftritt weiter perfektioniert und das Repertoire erweitert.

Bis zum Vortag wurde am Programm gefeilt. Erstmals waren sie mit ihrer Moderatorin Stephi Schubert präsent, die die knapp 100 Bruchmühlen-Besucher aus Groß Kölzig, Klein Kölzig, aus Döbern und Forst mit viel Schlagerfachwissen auf die einzelnen Auftritte einstimmte. Extra aus Kahsel reiste eine 90-jährige Besucherin an. Und spätestens, als die zündende Melodie „Fahrende Musikanten“ des Schlagerduos Nina & Mike erklang, wurden bei den Zuhörern Erinnerungen wach: an durchtanzte Nächte im Bruchmühlen-Gelände, an die Jugendliebe, an modische, aber beim Tanzen schweißtreibende  Kleidung aus Kunstfasern und wippende Petticoats. „Die haben wir damals mit Hilfe von Kartoffel mehr gestärkt“, sagt Verena Buder aus Groß Kölzig und blickt noch einmal auf die legendären „italienischen Nächte“ zurück, die hier gefeiert wurden. Und auf die Witwenbälle, die immer donnerstags für Lebens- und Liebeshungrige stattfanden. „Viele Forster reisten damals hierher, stiegen am Groß Kölziger Bahnhof aus“, so die Besucherin.

„Alles, was es später nur im Intershop gab, stand auch hier hinterm Tresen“, wird erzählt. Denn nicht nur Soldaten vom benachbarten Flugplatz Preschen sondern auch die zahlungskräftigen Monteure, die zu Beginn der 1970er-Jahre das Kraftwerk Boxberg erbauten, gehörten zu den Stammbesuchern.

Wie einst lassen sich die Besucher an diesem Sonnabend zur Kaffeezeit die Eierplinse nach dem Rezept der 88-jährigen Senior-Chefin Ingeborg Winkler schmecken. Darunter ist auch Jochen Zarse (85) aus Groß Kölzig, der ein Foto mitgebracht hatte – von der Amateurband „Die Ramonas“, die mit ausschließlich Groß Kölziger Besetzung „einst hier im Sommer fast jeden Donnerstag und am Sonnabend“ vor den jungen Leuten der Umgebung aber auch vor der Belegschaft der Bauunion und späteren Erbauern des Fernsehkolbenwerkes Friedrichshain zum Tanz aufspielte.

Die Stimmung: toll. Harry Winkler brilliert als Roland Kaiser, G.G. Anderson und „Wolle“ Wolfgang Petry, der noch einmal all seine Armbänder angelegt hat. Renate Lemke ist  als Helene Fischer, Doerte und in ihrer Paraderolle der Andrea Berg zu erleben. Wolfram Schubert beherrscht als Roy Black, Freddy Breck und Tony Marshall die Bühne.