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Größte Evakuierung seit Jahren

Die stellvertretende Bürgermeisterin Heike Korittke (3.v.l.) mit Vertretern der verschiedenen Einrichtungen bei der Pressekonferenz.
Die stellvertretende Bürgermeisterin Heike Korittke (3.v.l.) mit Vertretern der verschiedenen Einrichtungen bei der Pressekonferenz. FOTO: Steffi Ludwig
Forst. Es ist für Forst die größte Evakuierung seit Jahrzehnten – aber dass die Stadt gut vorbereitet ist, machte sie in einer Pressekonferenz am Montagabend deutlich. Feuerwehr, Deutsches Rotes Kreuz (DRK), Polizei, Stadt und weitere Einrichtungen haben rund 200 Helfer mobilisiert, damit am Mittwoch möglichst alles abgesichert ist. Steffi Ludwig

In einem Sperrkreis, der einen unmittelbaren Gefährdungsradius von 500 Metern umfasst und bis zu 1000 Meter reicht - da bei einer unkontrollierten Detonation die Splitter bis 1000 Meter weit fliegen könnten - müssen 2000 Menschen evakuiert werden.

Und so soll der Tag ablaufen: Laut Sven Zuber, Leiter des Verwaltungsstabes, müssen alle Menschen bis 10 Uhr diesen Sperrkreis verlassen. Ab 8 Uhr gebe es von den Bushaltestellen aus einen Shuttle-Verkehr des Technischen Hilfswerkes zu den Notunterkünften: der Turnhalle der Oberschule in der Bahnhofstraße und der Turnhalle der Grundschule Mitte in der Max-Fritz-Hammer-Straße. Dort gebe es ausreichend Stühle, Liegen und eine Betreuung und Versorgung durch das DRK. Ab 10 Uhr werden 17 Teams mit Mitarbeitern von Feuerwehr, DRK und der Stadt das Sperrgebiet untersuchen und verbleibenden Menschen helfen, dieses zu verlassen, so Zuber. Die Polizei überwache die Absperrungen.

Am frühen Nachmittag werde mit der Entschärfung der Bombe begonnen. Im günstigsten Fall könne diese laut Uwe Zierdt, technischer Einsatzleiter des Kampfmittelbeseitigungsdienstes, nach etwa einer Stunde entschärft sein. Es könne jedoch auch nach rund zwei Stunden die Entscheidung getroffen werden, dass die Bombe gesprengt werden müsse. Dies könne sich dann bis in die Abendstunden hinziehen. Deshalb sollten auch wichtige Dinge wie Medikamente oder Babywindeln für 14 Stunden mitgenommen werden.

Wenn der Sperrkreis aufgehoben ist, werde die Sirene einen einminütigen Entwarnungston verkünden. Auch über das Internet, das Bürgertelefon (03562 989289), per Lautsprecherwagen und die Medien werde dies vermeldet.

Die Lausitz Klinik, die mit einem Teil im 500-Meter-Radius liege, werde diesen Teil räumen, berichtete Geschäftsführer Hans-Ulrich Schmidt. Dies betreffe unter anderem die Geburtshilfe, die verlegt werde. Für Notkaiserschnitte werde der alte Kreißsaal wieder in Betrieb genommen. Schmidt betont, dass das Krankenhaus ab 10 Uhr nicht mehr angefahren werden kann. "Wir verstärken jedoch das Pflegepersonal und könnten bei einer möglichen Katastrophe alle Kapazitäten hochfahren", so Schmidt.

Die Kita "Friedrich Fröbel" und das katholische Kinderhaus "Arche" bleiben Mittwoch geschlossen. "Wir haben die Eltern am Montag informiert", so die Leiterin der Fröbel-Kita, Angela Fürstmann. Bei den meisten klappe eine Betreuung zu Hause oder bei den Großeltern, nur ganz wenige würden das Angebot der Stadt, in der Kita "Kinderland" aufgenommen zu werden, brauchen. Dies ist auch bei der Kita "Arche" so. Wie die Leiterin Carola Budeus berichtet, liege die Kita zwar nicht direkt im Sperrkreis, aber die Stadt habe eine vorsorgliche Schließung nahegelegt. Wegen der Ferien seien in beiden Kitas jedoch weniger Kinder da als sonst. Auch das Evangelische Seniorenzentrum "Friedenshaus" in der Magnusstraße muss evakuiert werden. "Ein Teil der 62 Bewohner geht vorübergehend nach Hause, die anderen werden auf weitere Heime verteilt", so Kerstin Peppernick vom "Friedenshaus".

Aktuelle Infos unter www.forst-lausitz.de/evakuierung

Zum Thema:
Die Kreisverwaltung Spree-Neiße in Forst bleibt am Mittwoch ganztägig geschlossen, da sie im Sperrgebiet liegt. Dies betrifft auch das Oberstufenzentrum, die Kreisvolkshochschule und das Medienzentrum sowie das Kreisarchiv in der Elsässer Straße, teilt die Kreisverwaltung mit. Die für 17 Uhr geplante öffentliche Kreistagssitzung wird abgesagt. Die weiteren Außenstellen sind nicht betroffen: So bleiben die Einrichtungen in der Richard-Wagner-Straße (Jobcenter und Fachbereich Schule und Kultur) offen, mit Zufahrt über den Kegeldamm.