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Grenzrose steht jetzt auch in Sacro

Elke Simmonds-Kömpf enthüllt die Grenzrose an der Ruine der ehemaligen Neißebrücke
Elke Simmonds-Kömpf enthüllt die Grenzrose an der Ruine der ehemaligen Neißebrücke FOTO: Michael Leske
Forst. Zahlreiche Menschen haben sich am Samstagnachmittag an Radlers-Rast in Sacro versammelt, um bei der Enthüllung der zweiten Forster Grenzrose an den Resten der im Zweiten Weltkrieg zerstörten Neißebrücke dabei zu sein. Auch polnische Gäste aus Brody und Lubsko wurden begrüßt. Von Kai Müller

"Die Rose als Königin der Blumen und als Zeichen sich zu erinnern halte ich für bedeutungsvoll", sagte Jens Handreck, Verwaltungsvorstand für Ordnung und Sicherheit, der an den sieben Jahrzehnte dauernden Frieden an diesem Ort hinwies. Daran knüpfte Ryszard Kowalczuk, Bürgermeister von Brody, an, der an historischer Stelle die Anwesenden mit einem herzlichen "Guten Tag" begrüßte. Die Zeremonie der Grenzrosen-Enthüllung sei zum Brauch geworden, erklärte er in Anspielung auf das kalte Aprilwetter. Er bekräftigte aber auch, dass die "Verhältnisse zwischen Deutschen und Polen immer wärmer und herzlicher werden." Und er wies in Richtung Ukraine. Unter dem Motto "Rosen statt Waffen" solle nicht vergessen werden, dass nicht überall Frieden herrscht. Es sollten neue Brücken gebaut und nicht zerstört werden, appellierte der Bürgermeister der polnischen Nachbargemeinde.

Elke Simmonds-Kömpf aus dem niedersächsischen Elsdorf enthüllte die Grenzrose. "Ich begleite das Projekt seit drei Jahren und war von Anfang an begeistert", erklärte die Managerin, die sich für soziale Projekte in Deutschland engagiert.


Heimatverein wählt Standort
Die Motive der Grenzrose hatte das Festkomitee "750 Jahre Forst" ausgewählt, den Standort an der Brückenruine der Heimatverein Forst-Nord aus Sacro. Vereinsvorsitzender Reinhard Natusch, einer der sechs Rosen-Paten, erklärte dazu: "Am 14. Februar 1945 standen drei sowjetische Panzer auf der Ostseite der Neiße zwischen Jähnsdorf (Janiscowice) und der Sacroer Neißebrücke. Die Brücke wurde zerstört, die Panzer abgeschossen, Menschen starben. Vor 70 Jahren begann am 16. April 1945 die Großoffensive der Sowjet-Armee auf Berlin. Zwei Kilometer nördlich des Standortes der Grenzrose erfolgte der Übergang über die Neiße. Der Krieg näherte sich seinem Ende. 55 Millionen Tote waren das traurige Ergebnis. Eine Stahlblume, die nicht welkt, soll an der Grenze zu Polen eine Mahnung vor dem Krieg sein, an ermordete Menschen, an zerstörte Brücken, an schlimmste Zerstörungen in beiden Ländern erinnern." Mit bewegenden Worten erinnerte er an das Massaker von Lidice und legte eine weiße Nelke an der eben erst enthüllten Grenzrose nieder, bevor die Urkunde zur Patenschaft über die Grenzrose unterzeichnet wurde.

Mit einem kleinen Empfang im Feuerwehrgerätehaus Sacro ging die Veranstaltung zu Ende. In diesem Rahmen wurde auch der Film "700 Jahre Sacro" gezeigt.

Die Grenzrose aus etwa 20 Kilo Edelstahl wurde in Initiative von Detlef Trommelschläger hergestellt. Den Feinschliff bekam sie durch die Forster Firma mebra GmbH, die auch die Skulptur an ihrem Platz verankerte. Beide sponsern ihre Leistungen und sind neben Elke Simmonds-Kömpf, dem Sacroer Heimatverein, der Stadt Forst und Thomas Rother vom KunstSchacht-Zollverein Essen ebenfalls Paten.


Initiative aus Essen
Der Essener Künstler hat das Grenzrosen-Projekt initiiert. Nach jahrelanger Vorarbeit startete er im Mai 2013 mit einer ersten stählernen Grenzrose am Rhein. Mittlerweile stehen dort neun Exemplare auf deutscher Seite in Kehl und in Straßbourg auf französischer Seite. Sie erinnern an die Erschießung von neun französischen Widerstandskämpfern am Tag der Befreiung Straßbourgs. Das Völker verständigende Kunstprojekt wurde in Forst aufgegriffen. mle1

Die erste Grenzrose in Forst wurde zur Eröffnung des sanierten Kegeldamms im Oktober 2014 enthüllt. Nummer zwei und drei stehen seit März in den Partnerstädten Brody (Pförten) und Lubsko (Sommerfeld). Weitere fünf Grenzrosen sollen in diesem Jahr in Forst enthüllt werden. Die nächste wird ab 27. Juni auf der Wehrinsel im Rosengarten "blühen". Nach Fertigstellung des Parks gegenüber vom Textilmuseum in der Sorauer Straße wird dort eine weitere aufgestellt. Zwei stählerne Blumen werden an noch nicht genau festgelegten Orten im Stadtzentrum Platz finden. Die neunte Rose soll nach Fertigstellung des neuen Pflegeheims der Volkssolidarität in der Amtstraße stehen. mle1