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| 16:07 Uhr

Grenzkriminalität
Die zweite Kriminalitätsstatistik

Forst. Eine Bürger-Initiative beziffert wöchentliche Schadenssumme allein in Forst auf einen fünf- bis sechsstelligen Eurobetrag. Von Katrin Kunipatz

Einige Wochen nach ihrem ersten offenen Brief in Sachen Grenzkriminalität legen Jeff Staudacher (FDP) und Gerald Kulke nach. Am Mittwoch machen sie in einem zweiten offenen Brief an Bürgermeisterin Simone Taubenek (parteilos), Landrat Harald Altekrüger (CDU) und Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) eine Rechnung aufgemacht.

Demnach entstehe wöchentlich allein in Forst ein Schaden im fünf- bis sechsstelligen Eurobereich durch Kriminalität. Auf Nachfrage erläutert Jeff Staudacher, dass sich diese Summe aus dem Wert der gestohlenen Fahrzeuge und Werkstattausrüstungen in den Autos ergebe. Einbezogen würden außerdem Folgekosten, die sich durch die Anmietung von Ersatzfahrzeugen, verlorener Arbeitszeit oder Auftragsausfällen ergeben. Um diese ihre Einschätzung zu untermauern, verweisen Staudacher und Kulke auf selbst gesammelte Fälle und rufen gleichzeitig Geschädigte dazu auf, sich ebenfalls bei ihnen zu melden, um weitere Fälle zu dokumentieren. So wird quasi eine zweite Statistik neben der Polizeistatistik aufgebaut.

Im Brief beklagen sie außerdem, dass einige Wochen nach dem ersten offenen Brief keine Reaktion von der Politik kam, über die Probleme geschwiegen und die Bürger mit diesen Problemen allein gelassen würden. Deshalb seien Bürger in Forst dabei, sich zu organisieren und über Handys Informationen über verdächtige Personen auszutauschen. „In einem Fall wurde bereits ein polnischer Transporter gestellt, wobei zwei Insassen flüchten konnten und ein dritter wurde zehn Stunden festgesetzt, weil er Technik und Einbruchswerkzeuge im Fahrzeug hatte.“ Die Bürger hätten dabei Möglichkeiten genutzt, die ihnen sowieso zustehen und dann die Polizei dazu geholt, so Staudacher.

Detailliert aufgezählt werden Beispiele des vergangenen Vierteljahres: So sei das zweiflügelige elektrische Tor einer Grundstückszufahrt so manipuliert worden, dass der Bewohner, als er von der Arbeit nach Hause kam, das Tor nicht mehr öffnen konnte. Das Auto blieb auf der Straße stehen und in der Nacht wurde der Audi A6 gestohlen. Mehrfach wöchentlich sei zu beobachten, dass Sattelzüge in Begleitung von mehreren Autos und mit hohem Tempo die Grenzbrücke Forst-Sacro Richtung Polen befahren, obwohl der Übergang für Lkw gesperrt ist.

Es würden immer öfter Personengruppen und Fahrzeuge beobachtet, die Notizen machen und mit dem Handy Grundstücke fotografieren, um die Diebstähle vorbereiten zu können. Auch Kulke selbst war betroffen. Ihm wurde sein Audi Q7 gestohlen, sein Grundstück sei ausspioniert und alles so vorbereitet worden, dass trotz privater Sicherheitsvorkehrungen in Bewegungs- und Durchgangsmeldern sowie elektrischem Rolltor der Diebstahl nicht verhindert werden konnte. „Sie kamen über das Nachbargrundstück und stahlen mein Auto. Mit diesem Auto sind sie noch zu einem anderen Grundstück gefahren, wo sie von Kameras gefilmt wurden. Dort wollten die Diebe den nächsten Audi stehlen, was zum Glück nicht gelang“, schreibt der Unternehmer im Ruhestand.

Die beschriebenen Autodiebstähle finden Eingang in die amtliche Polizeistatistik. Alle wurden auch angezeigt, versichert Staudacher. Jedoch gibt es für das zurückliegende halbe Jahr noch keine offizielle Auswertung.

Die Leiterin der Polizeiinspektion Cottbus/Spree-Neiße, Bettina Groß, verweist auf die vorliegende Statistik des vergangenen Jahres. Nur für die interne Polizeiarbeit würden aktuellere Statistiken erstellt, über die sie jedoch keine Auskunft geben dürfe, so Bettina Groß.

Eine Tendenz lässt sich aus den von Bettina Groß im Mai in der Forster Stadtverordnetenversammlung präsentierten Zahlen ableiten. Im Zeitraum der vergangenen drei Jahre ist die Anzahl der gestohlenen Autos gestiegen. 2015 waren es 14, 2016 bereits 32 und 2017 wurden 47 Pkw entwendet. Bei den Dieben besonders beliebte Marken sind VW und Audi.

Mit ihren Briefen wollen Staudacher und Kulke das aus ihrer Sicht bestehende Sicherheitsdefizit ansprechen und Aufklärung leisten. Bei der Initiative handele es sich um eine lose Gruppe von 15 bis 20 Forstern. Weiterhin schlagen sie vor, eine Kameraüberwachung an den Grenzübergängen einzurichten, den Grenzverkehr stärker zu überprüfen und die Aufnahmen auszuwerten. Außerdem kündigen sie an, in einem nächsten Brief weitere Fälle bekannt zu machen. Ziel sei es vor allem, ins Gespräch zu kommen, so Staudacher, der auch Vorsitzender des FDP-Ortsverbandes ist.