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Graue Wände für bunte Bilder

Organisator Sebastian Reichert überstreicht mit Grau die alten Graffiti in Park 7. 40 Sprayer wollen die Wände bei einem Treffen neu gestalten.
Organisator Sebastian Reichert überstreicht mit Grau die alten Graffiti in Park 7. 40 Sprayer wollen die Wände bei einem Treffen neu gestalten. FOTO: kkz
Forst. Seit sechs Tagen überstreicht Sebastian Reichert in Forst Graffiti. Tristes Grau legt er über die erst vor einem Jahr bunt gestalteten Wände in und um Park 7. Katrin Kunipatz / kkz

Eine Arbeit, die der 27-jährige Physiotherapeut und Hobbysprayer gern tut. Denn der Graffitikünstler organisiert zum vierten Mal die "Paint the Park Jam". Ein Treffen, für das Sprayer aus ganz Deutschland nach Forst kommen. Ein Wochenende lang können sie nach Herzenslust und vor allem ganz legal die Wandflächen in Park 7 mit ihren Graffiti verzieren. In den vergangenen Jahren entstanden so fantasievolle Bilder und eindrucksvoll gestaltete Schriftzüge.

Diese verschwinden nun unter 150 Litern grauer Farbe, die Sebastian Reichert, unterstützt von den Stadtwerken Forst und Fördermitteln der Stadt, kaufen konnte. Rund 30 Stunden seiner Freizeit investiert der gebürtige Forster für das Vorstreichen der Flächen. "Es erleichtert den Sprayern die Arbeit. Sie können sofort mit dem Vorziehen ihres Graffitos beginnen", sagt er.

Die Farbdosen dafür bringen die 40 Künstler selbst mit. Sie kommen aus Dresden, Aachen, Leipzig, Berlin und Cottbus. Unter den Angemeldeten sind Hobbysprayer, die seit vielen Jahren Graffiti gestalten. "Ich habe aber auch Anfänger eingeladen, die sich ausprobieren und vor allem von den erfahrenen Sprayern lernen können", sagt Sebastian Reichert.

Er selbst hat als Jugendlicher mit dem Sprühen angefangen. Seine jüngste Arbeit wurde vor wenigen Tagen im Schülerfreizeitzentrum angebracht. Entstanden ist dieses Graffito auf Holzplatten beim Tag der Städtebauförderung im Mai auf dem Max-Seydewitz-Platz unter den aufmerksamen Augen der Passanten. Interessante Gespräche hatten sich an diesem Nachmittag ergeben, berichtet Sebastian Reichert bei der Übergabe.

Auf Gleiches hofft er bei Paint the Park auch. Besucher können den Graffitikünstlern über die Schulter schauen und erleben, wie auf der grauen Wand Buchstaben, Symbole und Figuren entstehen. Ganz besonders sollen sich die jungen Leute angesprochen fühlen, die bisher illegal ihre Spuren auf den Wänden in der Stadt hinterlassen. Der in Cottbus lebende Organisator der Jam hofft so, bei ihnen die legalen Graffitiwände im Park 7 in Erinnerung zu rufen. Denn hier darf das ganze Jahr über gesprüht werden.

Im Vergleich zu Berlin oder Dresden gibt es in Forst im Vergleich zur Größe der legalen Wände nur sehr wenig Sprayer. Die Bilder bleiben deshalb oft lange sichtbar. In Berlin sind Graffiti sehr schnelllebig. "Während man sich über das Foto von der gerade gestalteten Wand freut, beginnt schon der nächste Sprayer sein Kunstwerk darüberzuzeichnen", sagt Sebastian Reichert. In Forst wird man über den Sonntag hinaus die bunten Graffiti entlang er Parkstraße und auf dem Gelände von Park 7 anschauen können. Bis sich der Nächste an die legalen Wände erinnert und seine Idee entspannt und in Ruhe sprüht oder für die nächste Paint the Park Jam alles übermalt wird.

Zum Thema:
Am 29. und 30. Juli findet das Treffen der Graffitikünstler auf dem Gelände von Park 7 in Forst statt. An beiden Tagen zwischen 9 und 18 Uhr können die Gäste den Sprayern über die Schulter schauen.Der Verein Freiraum & Freizeit organisiert das Rahmenprogramm mit Hüpfburg, Kinderschminken und Wikingerschach. Geplant sind ein Basketball- und ein Kickerturnier, sagt der Vereinsvorsitzende André Peschmann. Am Samstag ab 16 Uhr treten verschiedene Bands auf, unter anderem Marv und Frank und RAZ aus Forst sowie die Yellow Banana Gang aus Berlin. (kkz)