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| 08:59 Uhr

Granit zeichnet bald Jule-Schienenverlauf nach

Forst. Kaum etwas hat in den vergangenen Jahren für so viel Gesprächsstoff gesorgt wie der Umgang mit den Gleisen der Forster Stadteisenbahn. Jetzt wird das von Stadt und Denkmalbehörden unterzeichnete Kompromisspapier umgesetzt. An der Gubener Straße wird erstmals der Lageverlauf der Forster Stadtbahn in der neuen Straßendecke verewigt – ein aufwendiges Unterfangen. Jan Selmons

Eine Frage nach dem Bautermin will Dieter Urbitsch, Fachbereichsleiter Bauen, nicht zulassen. "Der 30. November muss als Fertigstellungstermin stehen", sagt er. Die Gubener Straße bezeichnet er derzeit als die Schwerpunktbaustelle in der Stadt. Sie ist allerdings eine mit Tücken. Denn hier wird der Kompromiss mit den Denkmalbehörden umgesetzt, den die Stadtverordneten im vergangenen Jahr für die denkmalgeschützten Jule-Schienen durchwinkten. "Hier wird lagegenau der Schienenverlauf nachgebaut", erklärt Urbitsch. Und damit auch in Jahrzehnten noch technisch Interessierte sehen können, wo die Jule einst entlangrumpelte, wird einiger Aufwand betrieben. Die Schienen zeichnen laut Konzept einzeilige Pflasterstreifen aus Granit nach. Um eine langfristige Stabilität zu sichern, werden die Steine allerdings nicht einfach in einen Ausschnitt in der Schwarzdecke gedrückt, wie Urbitsch erklärt. Die Steine erhalten einen stabilen Unterbau aus Beton. Danach muss um sie herum der Asphalt aufgebracht werden. "Technologisch ist das nicht so einfach", so der Fachbereichsleiter. Zudem kostet es die Stadt Geld. Etwa 50 000 Euro müssen für die Darstellung der früheren Schienenstränge ausgegeben werden.

Die Gleise der ehemaligen Stadtbahn, die in der Gubener Straße lagen, stehen unter Denkmalschutz und müssen vor der Entnahme entsprechend der Auflagen aus der denkmalrechtlichen Erlaubnis dokumentiert werden. Die Dokumentation beinhaltet unter anderem die zeichnerische und fotografische Aufnahme der Lage im Straßenraum.

Derzeit ist das in der Gubener Straße zu beobachten. Ron Treppe von der Firma ABBU vermisst mit einer Total-Station gerade den Verlauf der Schienen. "Nach den Unterlagen kann dann die Baufirma die Pflasterstreifen entsprechend in die Straße einbringen", erklärt der Vermesser.

Ähnlich schwierig dürfte der Bau in der Albertstraße werden, der für das Jahr 2012 und 2013 ab der Bahnhofstraße in Richtung Westen geplant ist. Der Unterschied: Die Schienen werden nicht per Granitstreifen nachgebaut, sondern wieder in die neue Straße eingebaut. "Das wird ebenfalls kompliziert", ist sich der Fachbereichsleiter Bauen sicher. 450 Euro kostet der Wiedereinbau der Gleise pro Meter. Insgesamt ist der Straßenbau bis zur Liebknecht-Straße dann 287 000 Euro teuer.

Ein weiterer Abschnitt mit ehemaliger Jule-Strecke soll in der Otto-Nagel-Straße umgesetzt werden. Für die Einmündung zur Frankfurter Straße gibt es für die Schienenreste eine denkmalrechtliche Erlaubnis zum Rückbau des Gleises. Allerdings müssen die Reste laut Stadt dokumentiert werden. Die Kosten werden laut Stadtverwaltung auf etwa 7500 Euro geschätzt.

Zum Thema:
A-Abschnitte, bei denen die Schienen im Boden bleiben können und die Straße nicht saniert wird. B-Abschnitte, bei denen eine Herausnahme der Schienen wegen des Straßenbaus notwendig ist und die Schienen wieder verlegt werden. C-Abschnitte, bei denen die Schienen durch eine Sanierung der Straße herausgenommen und nicht wieder verlegt werden. Hier soll eine Kennzeichnung auf der neuen Straßendecke erfolgen. D-Abschnitte, bei denen die Schienen wegkommen.