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Glaswerker feiert 103. Geburtstag
Walter Krumpa hat’s noch drauf

Walter Krumpa – neben ihm Cristalica-Gästeführerin Ursula Grote – greift noch einmal zur Glasbläserpfeife, die ihm Andreas Stiller zureicht.
Walter Krumpa – neben ihm Cristalica-Gästeführerin Ursula Grote – greift noch einmal zur Glasbläserpfeife, die ihm Andreas Stiller zureicht. FOTO: Angela Hanschke / Hanschke Angela
Döbern. Ehemaliger Glaswerker Walter Krumpa besucht Cristallica in Döbern und greift zur Glasbläserpfeife.

Am 23. Oktober des Jahres 1914 erblickte Walter Krumpa in Döbern, in der Muskauer Straße 12, das Licht der Welt. 103 Jahre später hat er in Cottbus nicht nur Glückwünsche in Namen des Oberbürgermeisters Holger Kelch entgegen nehmen können, sondern in Döbern auch von Martin Günder, dem stellvertretenden Geschäftsführer der Cristalica GmbH.

Groß war die Freude des Jubilars, der in der Pro Seniore Residenz am Cottbuser Fontaneplatz lebt, über die offizielle Einladung zu einem Besuch im Unternehmen sowie über das Ehrenpräsent – einen Glasblock mit dem lasergravierten Porträt des Ehepaares Krumpa. Am Mittwoch folgte er der Einladung an den historischen Glasmacherstandort. Mit dabei seine Tochter Heidemarie Scheiding (67) aus dem brandenburgischen Trebendorf und Jana Müller von der Verwaltung der Pflegeeinrichtung, die gemeinsam diese Überraschung geplant hatten.

Vor sieben Jahren verstarb Walter Krumpas Ehefrau Dora. „Wir hatten ein langes gemeinsames Leben“, sagt er dankbar. Dankbar ist er auch dafür, dass es ihnen vergönnt war, gemeinsam noch den 75. Hochzeitstag zu feiern. Bis zum Juni dieses Jahres lebte er noch im eigenen Haushalt – ambulant unterstützt im betreuten Wohnen. Er hält sich mit dem Lösen von Kreuzworträtseln fit und liest noch täglich die RUNDSCHAU. „Er legt großen Wert darauf, seine Selbständigkeit zu erhalten“, bestätigte Ines Hoferichter, eine der Schwestern aus seinem Wohnbereich.

Hellwach musterte der 103-Jährige am Mittwoch in Döbern das Innere der gläsernen Pyramide. „Hier drin war ich noch nie“, sagte er beeindruckt. Das Haus seines Großvaters, des Glasmachers Willi Krumpa, in der Muskauer Straße steht noch. Vieles hat sich jedoch in seiner Geburtsstadt verändert, seit er im Alter von 14 Jahren seine erste Arbeit antrat. Anfangs als Einträger, später als Anfänger und Vorbläser, eignete er sich von den älteren erfahrenen Glasmachern schrittweise das Handwerk an.

Gut erinnert er sich noch an jene Jahre ab 1927 am sogenannten Krähenofen am Ende des Werksgeländes am Grenzweg – in der Nähe von Groß Kölzig. Damals wurde das Glas noch in kleinen Hütten produziert, die sich auf dem Territorium des früheren Industriedorfes verteilten. Erst im Jahre 1968 entstand das zentrale Hauptgebäude des ehemaligen VEB Glaswerk Döbern. Ein Jahr später wurde dem Ort das Stadtrecht verliehen. Die begehrten Kristallrömer wurden fortan zum Markenzeichen Döberns. Bis zum Jahre 1952, als seine Familie Döbern verließ, versah Walter Krumpa Tortenplatten mit Füßen, setzte filigrane Tüllen und Henkel an Bierkrüge. Komplizierte Tätigkeiten, die neben Erfahrung auch viel Fingerspitzengefühl erforderten.

Dieses feine Gespür hat er nicht verloren – das demonstrierte er während eines Rundgangs mit Gästeführerin Ursula Grote, dem stellvertretenden Hüttenchef und Anlagenfahrer Hubertus Umlauft, als er zusah, wie Glasbläser Andreas Stiller aus einem glühenden Tropfen ein kunstvolles Gefäß zauberte. Gelernt ist gelernt. Die Umstehenden hielten den Atem an, als der 103-Jährige aus den Händen des Jüngeren die Glasmacherpfeife entgegen nahm, das Mundstück an die Lippen setzte und mittels Lungenkraft aus dem glühendroten Glastropfen eine faust­große Kugel formte, die sich nach dem Abkühlen bernsteinfarbig verfärbte. „Gut macht!“, lobte Stiller. Knappe Worte, aus denen höchste Anerkennung sprach. „Solche Bewässerungskugeln für Pflanzen stellen wir für den Verkauf in der Pyramide und für Online-Shops her“, erläuterte Martin Gründer.

Mittlerweile werden in Döbern täglich mehr als drei Tonnen Glas produziert – nur bleifreies Kristall­glas. Nicht nur die selbst gefertigte Bewässerungskugel, sondern auch viele neue Eindrücke nahm Walter Krumpa mit aus Döbern.

(aha)