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| 15:14 Uhr

Forst
Gesucht: Radsportler von morgen

Annika war das schnellste Mädchen auf dem Rennrad. Sichtungstrainer Olaf Froehlich liest 44,6 km/h vom Tacho ab.
Annika war das schnellste Mädchen auf dem Rennrad. Sichtungstrainer Olaf Froehlich liest 44,6 km/h vom Tacho ab. FOTO: Katrin Kunipatz / LR
Forst. Den Sportunterricht an der Grundschule Forst Mitte nutzt der PSV, um junge Talente zu finden. Von Katrin Kunipatz

Mit aller Kraft tritt Anthony in die Pedale. Immer schneller bewegen sich seine Beine, während Sichtungstrainer Olaf Froehlich den Lenker des Rennrads festhält, das auf der Rolle steht. Es ist eines der Trainingsräder, mit denen auch der PSV-Nachwuchs auf den Straßen rund um Forst unterwegs ist.

An diesem Mittwoch sind Trainer Marcel Möbus vom Polizeisportverein (PSV) Forst und Olaf Froehlich, Landessichtungstrainer Süd des Brandenburgischen Radsportverbandes, in die Turnhalle der Grundschule Forst Mitte gekommen. Sie wollen den Viertklässlern den Radrennsport schmackhaft machen und haben das Rennrad, ein Bahnrad und die Trikots bekannter Sportler dabei. Olaf Froehlich ist sich sicher: Talentierte Kinder könnten bei entsprechendem Training in die Fußstapfen von Romy Kasper oder Stefan Schäfer treten. Beide stammen aus Forst und haben im Radsport einige Preise und Siege errungen.

Doch ohne Schweiß kein Preis. Marcel Möbus, selbst 2010 Deutscher Meister im Stehersport, erklärt: „Bei der Talentsichtung geht es um Schnellkraft und Sprungkraft.“ Im Alter von zehn Jahren zeige sich dies besonders. Außerdem seien die Kinder bereits groß genug, um auf einem Rennrad sitzen zu können. Während Möbus notiert, wie weit die Kinder beim Schlusssprung kommen, steht Olaf Froehlich neben dem Rennrad. Vom Tacho liest er die Geschwindigkeit ab. „45 km/h“, sagt er laut. Ein Raunen erfüllt die Turnhalle. Anthony ist der schnellste an diesem Vormittag. „Ich fahre gern Rad und ganz gern auch schnell“, sagt der Zehnjährige.

Nach den Jungen sind die Mädchen dran. Die zehnjährige Annika schafft 44,6 km/h. Sie ist die Schnellste und übertrifft viele ihrer Klassenkameraden. „Einmal am Tag fahre ich Rad und gern richtig schnell“, sagt sie. Ob der Rennradsport ihr Hobby wird, weiß Annika noch nicht genau. Gern würde sie auch tanzen gehen. Sichtungstrainer Olaf Froehlich empfiehlt der Zehnjährigen, unbedingt am Probetraining des PSV teilzunehmen.

Annika, Anthony und viele andere Schüler aus den beiden vierten Klassen nehmen ein Faltblatt mit den Hinweisen fürs Schnuppertraining mit. Wie es danach weitergeht, entscheiden Schüler, Eltern und Trainer gemeinsam. „Tatsächlich ist Radsport eine der härtesten Sportarten“, sagt Marcel Möbus. „Aber wenn ihr gut seid, könnt ihr die Welt kennenlernen.“ Trainiert wird beim PSV drei- bis viermal pro Woche. Zwischen 40 und 50 Kilometer fahren die Elf- und Zwölfjährigen in einer Trainingseinheit. Meist sind sie auf den Straßen und Radwegen rund um Forst unterwegs. Rund 6000 Kilometer legen die Kinder dabei im Jahr zurück. Bei den Männern seien es später sogar bis zu 37 000 Kilometer pro Jahr, erklärt Olaf Froehlich. „Aber wer einmal Blut geleckt hat, der bleibt dabei“, berichtet der Sichtungstrainer von seiner persönlichen Erfahrung.

„Doch man kann nicht aus jedem einen Leistungssportler machen“, sagt PSV-Trainer Marcel Möbus. Beim Forster Verein gebe es noch viele andere Möglichkeiten, den Radsport als Hobby auszuüben. Radtourenfahren oder Mountainbiken – die Jedermann-Rennszene sei in den vergangenen Jahren deutlich gewachsen, so Möbus. Darüber hinaus braucht der PSV Mitglieder, die als Übungsleiter oder Trainer mit dem Nachwuchs üben oder als Kampfrichter Veranstaltungen begleiten.