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| 21:15 Uhr

Geschichtsstammtisch Forst
Seine Schützlinge sollten die Bodenhaftung behalten

 Ehrhard Miek fesselt die Zuhörer mit seinem Vortrag am Geschichtsstammtisch.
Ehrhard Miek fesselt die Zuhörer mit seinem Vortrag am Geschichtsstammtisch. FOTO: Angela Hanschke
Forst. Trainer Ehrhard Miek erzählt am Forster Geschichtsstammtisch von seinen Trainingsmethoden. Von Angela Hanschke

Für ein volles Haus hat die 60. Auflage des Forster Geschichtsstammtisch gesorgt. Zur ersten Veranstaltung im neuen Jahr hat Frank Henschel zahlreiche neue Zuhörer begrüßen können, denn ein Sportthema – inzwischen das dritte der Veranstaltungsreihe – war an gesagt. Als Gesprächspartner in der ebenfalls sportgeschichtssträchtigen Erlebnisgaststätte „Manitu“ hatten die Veranstalter Ehrhard Miek, Trainer von Hochsprungsass Rosemarie Ackermann, gewinnen können.

Angeregt dazu hatte Thoralf Hass, der Vereinsvorsitzende des Leichtathletik-, Triathlon- und Skisport-Verein LTSV Forst. „Ich bin ein Urforster und habe immer in Forst gewohnt“, sagt der 85-jährige Ehrhard Miek. Rund ein Jahrzehnt, bis zu ihrem Karriereende, hat er die erste Hochspringerin, die die magische Zweimeter-Marke übersprang, trainiert und zu Wettkämpfen begleitet. Unter anderem auch zu drei Olympischen Spielen in München, in Montreal und in Moskau.

Ihren größten sportlichen Erfolg errang sein Schützling bei den Olympischen Spielen 1976 in Montreal, wo sie mit 1,93 Metern die Goldmedaille gewann. Ewigen Bestand in der Sportgeschichte hat ihr jedoch im Jahre 1977 der „Zwei-Meter-Sprung“ beim Internationalen Stadionfest Berlin gesichert. Neben aufregenden Erlebnissen auf internationalem Sportparkett spricht Ehrhard Miek auch über seine berufliche Entwicklung und jene Jahre, als Forst mit den Absolventen der Kinder- und Sportschule (KJS) für Aufmerksamkeit sorgte. „Ich habe unwahrscheinlich positive Erlebnisse gehabt. Vieles ist mir als Glück zugeflogen“, stellt er seiner beruflichen Biografie voran: Schüler an der Bahnhofschule, später Abitur in seiner Heimatstadt und Übungsleiter bei der damaligen SG Fortschritt Forst, eine Lehre als Färber bei der Firma C.H. Pürschel hießen einige Stationen.

Ein Anruf des Schulamtes brachte eine Wende. An Sportlehrern mangelte es damals. So trat der junge Färber am 1. April 1953 in der allgemeinen Berufsschule in der Hochstraße eine Stelle als Sportlehrer an. Zwei Jahre später bewarb er sich in Leipzig an der Hochschule für Körperkultur. „Wir brauchen auch dringend Russischlehrer“, hieß es dort. Versehen mit dieser Doppelausbildung kehrte er nach Forst zurück – nicht wie erhofft an die KJS sondern an seine ehemalige Schule, wo gerade Bedarf an Sport- und Russischlehrern herrschte. Seine Schüler lobten dort „seinen lebendigen Unterricht“. „Schließlich unterrichtete ich doch an der KJS eine Trainingsgruppe von Springern und Werfern“, sagt er und erinnert an einige der größten Talente: Norbert Rätsch und Eberhard Remane. In Hoyerswerda fielen ihm Rosemarie Witschas – die spätere Rosemarie Ackermann – und Sylvia Kandziora auf, die er anfangs für die Begabtere der beiden hielt. Doch Rosemarie Ackermann, deren Habitus eher der einer Turnerin entsprach, setzte sich durch. Sie sei nicht nur „mit ihrem eleganten Sprungstil“ sondern auch mit eisernem Willen und „einem unwahrscheinlichen Kraftpotential“ aufgefallen, so ihr Ex-Trainer, der viele Trainingsmethoden entwickelte.

„Der Meistermacher“ hieß ein Film, der 1978 seinen Lebensweg aufzeichnete. Auf Wunsch spricht er auch über die Trainingsbedingungen in der KJS und zeigte eine Auswahl seiner eigenen Kleidung, mit der Olympia-Starter und Trainer im Wert von je 10 000 Mark ausgestattet wurden. Souverän und gleichzeitig sehr bescheiden erzählt er von seiner erfolgreiche Arbeit. Er habe immer darauf geachtet, dass die Sportler nicht die „Bodenhaftung“, den Kontakt zur Außenwelt verloren.

„Wir sind Sportkameraden. Bereits zum 85. Geburtstag berichtete er spannend von seinem Leben“, sagt Ingrid Förster vom LTSV, wo er auf kürzeren Laufstecken noch immer antritt. „Ich fand den Abend toll und ziehe den Hut vor ihm. Er ist ein angenehmer Trainingspartner. Leise, aber immer präsent“, so Christina Jachmann.