Sämtliche Plätze waren besetzt. Spaziergänger blieben stehen, hörten ein bis zwei Geschichten lang zu und gingen mit einem Lächeln weiter. Geschichten, die sich um den ersten Freund einer inzwischen 27-jährigen notorischen Nesthockerin drehten oder einen Urlaubsmuffel, der alkoholisiert mit dem Pkw aufs Glatteis geriet - Geschichten voller Spitzfindigkeiten, denen zumeist erst im letzten Satz die überraschende Pointe folgte. Das Geschichtenschreiben liege in der Familie, bekannte Bernd Beyer. Nicht nur seine Mutter Irene Wegner, sondern auch bereits die Großmutter trieb es zum Schreiben. Kaum verwunderlich, dass da der junge Beyer bereits in den 1970er-Jahren mit Preisen bedacht wurde. Doch auch sein Begleiter, der Cottbuser Mathematiker und Liedermacher Arnd Dieter Kupke, mit dem er erst seit Kurzem zusammenarbeitet, ist kein unbeschriebenes Blatt. Im Jahre 1968 heimste er bei einem Bezirksausscheid der Singeklubs in Halle in der Kategorie Scherzlied den ersten Preis ein. In der Jury saß immerhin keine Geringere als die renommierte Schriftstellerin und Lyrikerin Gisela Steineckert. Am Sonntag besang er die Absurditäten des Alltags, die Schwierigkeiten der Emanzipation und Tücken der Aktienanlage. "Ja klüger ist man später", hieß eines seiner ersten ironischen und voller Lebensweisheit steckenden Lieder, bei denen er zwischen sechs- und 12-seitiger Gitarre wechselte. Zwei CDs hat er produziert, die nicht verkauft werden, da sie ihm von Freunden und Bekannten buchstäblich aus der Hand gerissen werden. "Die beiden sind ein gutes Gespann", urteilte ein Zuhörer.

Ein Frauentrio wirkte besonders erheitert. "Ich bin mit Bernd in die Schule gegangen", verriet Sigrid Rebuck, die bislang keine seiner Veröffentlichungen kannte. Erst bei der Ankündigung in der Presse und dem Blick aufs Autorenfoto kam die Überraschung. "Seine Geschichten waren ganz toll", sagte sie begeistert.