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| 20:01 Uhr

Deutsche und polnische Geschichtsinteressierte arbeiten an einem Netzwerk
Dem alten Neißehammer folgte die moderne Strommühle

 Groß war das Interesse an dem Wasserkraftwerk. Genutzt wird die Kraft der Neiße an diesem Standort schon  seit dem 14. Jahrhundert. 
Groß war das Interesse an dem Wasserkraftwerk. Genutzt wird die Kraft der Neiße an diesem Standort schon  seit dem 14. Jahrhundert.  FOTO: Angela Hanschke
Forst/Zasieki. Ein Novum gab es beim 64. Forster Geschichtsstammtisch. Erstmals begrüßte Frank Henschel vom Museumsverein  die Gäste auf polnischer Neißeseite.

Weit mehr als 100 Besucher aus Forst, Smarso und Tschernitz hatten sich vor dem Gemeinschaftshaus von Zasieki, dem ehemaligen Forster Ortsteil Berge, eingefunden. Eingeladen hatten Ortsbürgermeister Roman Janszewski, der auf weitere gemeinsame Treffen hofft, und Krzysztof Bausa, der an der Spitze polnischer Geschichtsfreunde aus Zasieki und Brozek (Scheuno) steht.

Unter dem Motto „Neißehammer, Neißemühle und Wasserkraftwerk“ stand der Vortrag von Kristian Schmidt, der im Forster Jahrbuch 2017/2018 auch die Abhandlung „Der Althammer bei Pförten und der Neißehammer bei Forst“ veröffentlicht hat. Historische Landkarten und Fotos, aber auch Aufnahmen, die Frank Junge mit einer Drohne fotografierte, nutzte der Museumsvereinschef zum Veranschaulichen. er reichte auch Schlackestücke der Raseneisenerzverhüttung herum. Ein eindrucksvolles Bild vom historischen Eisenhammer lieferte eine Skizze des Forster Malers Manfred Gebhard.

Mindestens seit dem Jahre 1380 werde die Wasserkraft der Neiße dort von Menschen wirtschaftlich genutzt, hieß es in Bezug auf den Forster Chronisten Johann Magnus (1623-1683). „Die neue Mühle und der große Eisenhammer“ erwähnte „nicht weit vom Dorf Scheuno“ in der Chronik der Standesherrschaft Forst-Pförten im Jahre 1846 auch der Forster Pfarrer Johann Christoph Schneider. Es ging um Einnahmen, die Begehrlichkeiten zwischen den Besitzern der Standesherrschaften Forst und Pförten weckten. In den beiden Schmelzen des Neißehammers und der Schmiede waren zu jener Zeit ein Eisenschreiber, ein Hammermeister, ein Hammerschmidt, zwei Schmelzer, drei Kohlenschütter, vier Steingräber und zwei Kohlenbrenner beschäftigt. Die tägliche Ausbeute soll damals zwei Zentner ausgeschmiedetes Eisen betragen haben. Die saisonal zwischen Herbst und Frühling eingestellten Steingräber gruben zumeist zwischen Keune und Bademeusel nach den Raseneisensteinen. Doch noch um 1803 wurden auch „Jerischke, Groß und Klein Kölzig, Jocksdorf und Schacksdorf“ als Lieferorte angegeben. Das Holz für die Holzkohlemeiler stammte zumeist aus den Wäldern um Groß Bademeusel. 160 000 Taler investierte Heinrich Graf von Brühl im Jahre 1740, kaufte die Herrschaft Pförten einschließlich des Neißehammers mit Wohngebäuden bei Scheuno und des Althammers bei Pförten in der Nachbarschaft des Dorfes Drahthammer. Er ließ acht Jahre später die beiden Eisenhammerhütten umbauen. Bereits zu jener Zeit war das Werk an der Neiße aufgrund der kontinuierlichen Wasserversorgung das bedeutendere. „Gegen 4000 Zentner rohes Eisen wurden fortan jährlich in beiden Hammerwerken geschmolzen und verarbeitet“, so Kristian Schmidt.

Im Jahre 1765 brannte der Neißehammer ab. Nach dem Wiederaufbau wurde er zwischen 1840 und 1841 zur Wollspinnerei umgebaut. 1902 war die Forster Holzwolle GmbH dort ansässig, die auch in Simmersdorf produzierte. Das gesamte Areal, auf deren westlicher Neißeseite sich ein beliebtes Ausflugsziel der Forster befand, führte damals die Bezeichnung „Neißemühle“.

1913 kam das Gelände in den Besitz des Elektrizitätswerkes Neißemühle GmbH. Fünf Jahre später errichtete das Märkischen Elektrizitätswerk Berlin ein Wasserkraftwerk.

Nach dem Vortrag setzte sich der Auto-Konvoi der Besucher in Bewegung, um das fünf Kilometer entfernte, modernisierte Werk zu besichtigen. Eberhard Detert vom Verein „Land und Leute“ aus Keune übernahm die deutschsprachige Führung. „Nach 1945 wurde die Technik zu Reparationszwecken ausgebaut. Später wurden Tatra-Maschinen installiert und ein Schlauchstauwehr errichtet“, informierte er. Noch immer lasse das Gebäude die alte Bausubstanz erahnen.

„Dass so etwas in der heutigen Zeit noch betrieben wird, ist phantastisch“, meinte Sabine Losehand, die als Enkelin des letzten Noßdorfer Müllers Johannes Märtin selbst in der Noßdorfer Wassermühle lebt.

(aha)