Von Angela Hanschke

Die „Schwarze Jule“ ist in Forst ein Superstar. Rund 100 ihrer glühenden Verehrer aus Forst, Cottbus aber auch aus Polen hat Frank Henschel beim 61. Geschichtsstammtisch des Forster Museumsvereins im Feuerwehrgerätehaus in der Hochstraße begrüßt. Ralf Hauptvogel aus Dresden und Christian Menzel aus Cottbus referierten zum Thema „Die Jule-Schwestern“.

Doch zunächst rückte Christian Menzel den Jule-„Vater“ Georg Krauss (1826-1906), den Maschinenbau-Unternehmer und Gründer der Lokomotivfabriken Krauss & Comp. ins rechte Licht. Der Sohn eines Webermeisters startete nach dem Besuch der Kreisgewerbeschule und der königlich-polytechnischen Schule in Augsburg einen beeindruckenden Aufstieg.

Im Jahre 1847 wurde er als Schlosser in der Münchener Lokomotivfabrik von Joseph Anton von Maffei angestellt, wechselte anschließend als Lokomotivführer und Obermaschinenmeister zur Königlich Bayerischen Staatsbahn in Hof, Kempten und Lindau und arbeitete sich zum leitenden Maschinenmeister bei der Schweizerischen Nordostbahn in Zürich hoch. Dort baute der „Überflieger“ ein eigenes Unternehmen auf. Ein Zweigwerk in München und ein weiteres im österreichischen Linz folgten.

Eine „Hightech-Branche der damaligen Zeit“, betonte Christian Menzel. 1867 wurde die erste Lokomotive ausgeliefert: die „Landwührden“, die im gleichen Jahr bei der Weltausstellung in Paris eine Goldene Medaille errang. Im Jahre 1904 wurde die 5000. Lok hergestellt. Allesamt in der berühmten Kastenform und nach dem Tender-Prinzip gebaut, bei dem Wasser- und Brennstoffvorräte auf der Lokomotive mitgeführt werden wie bei der Forster Lokomotive Nr. 36 aus dem Jahre 1893.

Eine Schwester-Lok der Jule ist die „Füssen“, die noch heute im Eisenbahnmuseum Nördlingen im Einsatz ist. Aus derselben Baureihe stammt auch „Anna“ im Localbahnmuseum in Bayerisch Eisenstein. Ralf Hauptvogel aus Dresden hat in den vergangenen Jahren die noch existierenden Jule-Schwestern besucht. Seine Studien-Reisen führten ihn zur Bayerischen Chiemseebahn – einem Pilotprojekt von Krauss, wo noch heute die Lok „Laura“ aus dem Jahre 1887 im laufenden Fahrbetrieb eingesetzt ist.

Eine weitere, aus Italien stammende Lok kam vor rund vier Jahrzehnten in desolatem Zustand an den Genfer See zum dortigen Museumsverein. Bei der österreichischen „Museumstramway Mariazell“ können Eisenbahnfreunde die „Hellbrunn“ besichtigen. Eine Sammlung, die Alfred Fleissner zu verdanken ist, der die Bedeutung historischer Bahntechnik erkannte und Exponate aufkaufte. Schienennetz und Gleisanlagen wurden neu hergestellt. Der Kessel einer Lokomotive aus Mariazell wird gegenwärtig in Rumänien rekonstruiert.

„Die Lok in der Remise – dem Verkehrsmuseum der Wiener Linien ähnelt der Jule jedoch am meisten“, stellte Ralf Hauptvogel begeistert fest. Die 1885 erbaute Lok „Gartenau“ im tschechischen Chomutov (Komotau) ist zwar gut gesichert, jedoch nicht öffentlich zugänglich, während die „Caroline“ aus dem Jahre 1889 bei der Lokalbahn in Brno (Brünn) noch immer auf der Straße ihren Dienst verrichtet. Die drei Jahre zuvor gebaute „Witkowitz“ ist im Depot des Technischen Museums Brno ausgestellt.

Alle sind von großer Bedeutung für den Tourismus. Deutlich ausbaufähig“ sei das Potenzial in Forst, befand Christian Menzel. Seit knapp sieben Jahren schlummert die Jule im Feuerwehrdepot. Viele möchten sie wecken. „Sie sollte ins Museum, in einen eigenen Lokschuppen. Und sie soll fahren. Zumindest ein Stück“, sagt Marion Herrmann (60). Gemeinsam mit ihrem Mann Siegbert hütet sie das Erbe ihres verstorbenen Vaters Richard Zerbock, dem Erbauer des Jule-Doubles auf Trabant-Basis und einst jüngster Lokführer bei der Forster Stadteisenbahn.

Friedhelm Seiffert (64), der in Klein Kölzig eine eigene kleine Feldbahn besitzt, findet „die Stadt sollte endlich was unternehmen“. Das Textilmuseum sei kein guter Standort. Und Frank Junge träumt davon „dass sie einmal vom Textilmuseum, über die Plankstraße bis zum Kegeldamm fährt“.