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| 01:07 Uhr

Geld für Radweg wäre da, aber ist der Zug abgefahren?

Forst.. Seit fünf Jahren bemüht sich die Stadtverwaltung um einen Radweg zwischen Eulo und Briesnig. Jetzt hat das Land Fördermittel dafür in Aussicht gestellt – aber scheitert jetzt alles an der Bahn? Die ist möglicherweise schon dabei, die alte Gleisstrecke zu verkaufen – während man im Rathaus seit einem dreiviertel Jahr auf eine schriftliche Antwort wartet. Von Jürgen Scholz

Die Bundesstraße 122 gehört nördlich von Eulo keineswegs zu den Strecken, von denen Radfahrer träumen: Eng und kurvenreich, mit rasantem Verkehr. Deshalb versucht die Stadt seit fünf Jahren, einen Radweg neben der Verkehrsader Richtung Guben zu bekommen. Bisher ohne viel Erfolg, das Brandenburgische Straßenverkehrsamt zeigte wenig Entgegenkommen, so der Forster Tiefbauamtsleiter Dieter Urbitsch. Deshalb schwenkte man im Rathaus ein paar Meter weiter und kam auf die Gleise der ehemaligen Zugverbindung zwischen Forst und Guben. Seit über einem Jahrzehnt unbenutzt, böte sich das Gleisbett als Alternative an. Die gute Nachricht: Die Stadt bekam jetzt für den Bau eines Radweges auf der alten Zugstrecke für das kommende Jahr Fördermittel des Landes in Aussicht gestellt. Etwa eine halbe Million würde der Bau eines Radweges kosten, 75 Prozent davon zahlt das Land. Der einzige Haken an der Geschichte: Die Stadt verfügt bisher nicht über das Gleisbett. Bisher „nichts Schriftliches“ habe man von der Deutschen Bahn bekommen, erklärt Urbitsch. Man wisse lediglich, dass für die Strecke ein Entwidmungsverfahren laufe. Das, so sei ihm signalisiert worden, könne sich aber lange hinziehen, erklärt Urbitsch.

Lückenschluss und Sicherheitsvorteil
Und so lange man nicht wisse, wann und zu welchem Preis man die Strecke kaufen könne, lohne es sich nicht in die Feinplanung einzusteigen. Der Radweg, da ist sich Urbitsch sicher, würde nicht nur die Schulwegsicherheit erhöhen, sondern auch eine Lücke im touristischen Radwegenetz schließen, indem er vom Oder-Neiße-Radwanderweg über Briesnig fast geradlinig über Bohrau und an Mulknitz vorbei bis an die Nordumgehung von Forst vor Eulo führt. Bis September brauche er eine Antwort, „sonst kann es passieren, dass wir im schlimmsten Fall die Fördermittel zurückgeben müssen“ , meint Urbitsch auf Nachfrage.
Bis dahin könnten sich die Ansprechpartner bereits geändert haben. Der Vorgang liege bereits bei der DB Immobilien, erklärte Bahnsprecher Gisbert Gahler gestern Nachmittag auf RUNDSCHAU-Nachfrage. Das spreche eigentlich dafür, dass die Entwidmung der Strecke schon beschlossene Sache sei. Die Gleise seien zum Rückbau vorgesehen, es gebe auch drei Firmen, die Interesse an der Verwertung gezeigt hätten, so Gahler. Verwertet werden angesichts der Nachfrage auf dem Schrottmarkt vor allem die Gleise, aber auch die Immobilien.
Genaue Angaben kann der Regionalsprecher der Bahn in Berlin-Brandenburg voraussichtlich allerdings erst kommende Woche machen, was auch an den Konzernstrukturen liegt. Die zuständigen Mitarbeiter der DB Immobilien in Leipzig waren gestern nicht mehr erreichbar. Dann wird sich zeigen, ob der Zug für die Stadt bereits abgefahren ist.

Hintergrund Entwidmung
 Wenn eine Strecke stillgelegt ist, bedeutet das nicht ihr Ende. Erst nachdem ein so genanntes Entwidmungsverfahren abgeschlossen ist, hört eine Eisenbahnstrecke auf, als solche zu existieren. Die Immobilie wird dann in der Regel an Firmen verkauft, die das Gleismaterial vermarkten.