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| 01:06 Uhr

Gekürzter Amtszuschuss gefährdet nicht ASE-Projekt

Döbern.. Nachdem das Land die Förderung für Arbeitslosenservice-Einrichtungen (ASE) gestrichen hat, gehört die ASE Döbern zu den wenigen Beratungsstellen dieser Art, die es in Brandenburg noch gibt. Für die weitere Arbeit wollten die Döberner vom Amtsausschuss einen Zuschuss von 10 000 Euro – bewilligt wurde aber nur die Hälfte. Die Arbeit der ASE sei aber nicht gefährdet, erklärt Wolfgang Seeck, Geschäftsführer der Beschäftigungs-, Qualifizierungs- und Strukturentwicklungsgesellschaft Döbern (BQS) auf Nachfrage. Von Jürgen Scholz

Das komplizierte Feld der Sozialpolitik führte im Amtsausschuss zu einer irritierenden Diskussion. Die einen sahen in der ASE vor Ort die Möglichkeit, dass lange Wege für Arbeitslosengeld II-Empfänger entfallen, die anderen in der BQS und ihrer ASE offenbar eine Art Konkurrenz zu anderen Beschäftigungsträgern, die beispielsweise auch Ein-Euro-Jobs anbieten. Schließlich wurde der Zuschuss auf Antrag des Trebendorfer Bürgermeisters Rainer Brauer halbiert. Brauer hatte darauf verwiesen, dass es auch andere Einrichtungen im Amtsbereich gebe, die Arbeitslose beschäftigen, aber keinen Zuschuss erhielten, wie der Dorfentwicklungsverband. Der Felixseer Bürgermeister Peter Rabe sah diese Aufgaben als „eine Sache des Kreises“ an. Wenn zusätzliche Beratung zu Hartz IV notwendig sei, solle auch mit dem Kreis wegen einer finanziellen Unterstützung gesprochen werden, so Rabe, der auch SPD-Kreistagsabgeordneter ist. Döberns Bürgermeister Eberhard Koch (FDP) warnte davor, die Aufgaben der ASE mit denen des Kreisbetriebes fürs Arbeitslosengeld II zu vermischen. Jörg Rakete aus Döbern (SPD) kritisierte, dass aus der Verwaltungsvorlage nicht hervorgehe, wofür das Geld eigentlich gebraucht werde.
In dem Papier aus der Amtsverwaltung war zwar eine Kostenkalkulation der BQS vorhanden. Es blieb aber offen, wie sehr die BQS bei einer geschätzten Ausgabe von rund 55 000 Euro auf den 10 000 Euro-Zuschuss des Amtes angewiesen ist. BQS-Geschäftsführer Seeck, der bei der Amtsausschuss-Sitzung nicht dabei war und den Beschluss „bedauerlich“ findet, geht davon aus, dass es andere Möglichkeiten geben wird, die Finanzierungslücke zu schließen.
Dass es die ASE in Döbern überhaupt noch gibt, ist schon außergewöhnlich genug. Strich doch das Land die EU-Mittel aus dem Europäischen Sozial-Fonds (ESF) bereits vergangenes Jahr für die meisten ASE. Döbern ist eine von 18 Stellen, wo eine anteilige Förderung verlängert wurde – und die einzige im Spree-Neiße-Kreis.
Die Aufgaben sind vielschichtiger geworden, die Einrichtung ist praktisch ein Knotenpunkt verschiedener Angbote. Über tausend Beratungen gab es bei der BQS im vergangenen Jahr. Daneben wurde 176 Familien in der vernetzten Beratung weitergeholfen, indem man Kontakte zu Ämtern aufbaute. Unter dem Dach der ASE laufen aber auch Zielgruppenprojekte, wie die Möbelbörse in Groß Schacksdorf oder die dortige Holzwerkstatt, bei denen für Langzeitarbeitslose, jugendliche Arbeitslose oder Schwerbehinderte ein Weg der Beschäftigung geebnet werden soll, erklärt BQS-Geschäftsführer Seeck. Die ASE war im vergangenen Jahr gleichzeitig Träger für 36 Ein-Euro-Jobs im Bereich des Amtes Döbern-Land, der Arbeitsbeschaffungsmaßnahme im Umwelt- und Lehrgarten Döbern sowie Ansprechpartner für die Justiz, wenn es um den von Gerichten verordneten Einsatz bei sozialen Diensten geht. Koordinie rt wird die ASE-Arbeit von Carola Lorenz.
Wegen der weggefallenen Landesunterstützung sucht die BQS in diesem Jahr ohnehin nach anderen Finanzierungsquellen. Vor dem Hintergrund der älter werdenden Gesellschaft gebe es einen steigenden Bedarf an hauswirtschaftlichen Diensten, so ASE-Leiterin Carola Lorenz. Das wolle man nutzen, um jüngeren Müttern eine neue Arbeits-Chance zu eröffnen. In einer Trainingsmaßnahme sollen sie das theoretische und praktische Rüstzeug erhalten, um mit hauswirtschaftlichen Angeboten an den Markt zu gehen.
Vor dem Hintergrund der Hartz IV-Einführung gehe man generell aber auch weiterhin von einem erhöhten Beratungsbedarf aus, so Seeck. Vor allem da in Döbern, wie fast überall im ländlichen Raum, die Mitarbeiter der Sozialämter zum kreislichen Eigenbetrieb gegangen sind. Die Ansprechpartner für Arbeitslosengeld II-Empfänger im Raum Döbern-Land sitzen jetzt im Forster Kreishaus. Und da frage mancher erst mal in der Beratungsstelle der ASE an, so Carola Lorenz.

Hintergrund BQS-Gesellschafter
 Die Beschäftigungs-, Qualifizierungs- und Strukturförderungsgesellschaft Döbern (BQS) arbeitet als Gesellschaft mit beschränkter Haftung. Gesellschafter sind der Landkreis Spree-Neiße mit 60 Prozent der Anteile, die Stadt Döbern (20 Prozent), sowie die Kirchengemeinde Döbern und die Firma Kuckert mit je vier Prozent. Die zehn Prozent, die ehemals die Industriegewerkschaft Bau, Chemie, Umwelt hielt, sind zurzeit in BQS-Besitz. Wer sie übernimmt, sei derzeit noch offen, so BQS-Chef Seeck.