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| 03:08 Uhr

Geht Betonkopf nach Spree-Neiße?

Forst. Jahr für Jahr verleiht der Allgemeine Behindertenverband Land Brandenburg den "Betonkopf-Brandenburg ". Mit dem Negativpreis sollen Projekte vorgeführt werden, die besonders behinderten-unfreundlich sind. Drei Projekte sind für die Preisverleihung am morgigen Sonntag nominiert – darunter auch die Kita Trebendorf im Amt Döbern-Land. Bodo Baumert

"Jede Barriere ist eine Barriere zu viel!" heißt es in der Ankündigung der Preisverleihung. Ausgezeichnet wurden seit 2004 etwa ein Gemeindezentrum ohne barrierefreien Zugang in Falkenrehde, die Landmarke im Seenland ohne Aufzug oder der Schlossturm Lübben. Diesmal sind wieder drei Bauwerke nominiert: der Bahnhof Borkheide in Potsdam-Mittelmark, bei dem ein Blindenleitstreifen wegen fehlender Absprachen zwischen Bahn und Gemeinde an einem Zaun endet, das neu gebaute Aus- und Fortbildungszentrum Königs Wusterhausen, in dem eine Galerie nur per Treppe erreichbar ist - und die Kita Trebendorf in Spree-Neiße.

Die Kita ist laut Information auf der Nominierungsseite ein gutes Beispiel für eine Sanierung, bei der ein barrierefreier Zugang erschwert wird. "Die Kindertagesstätte war ursprünglich ein kleiner Kindergarten mit einer Veranda zum Spielplatz und einer Rampe, die von der Terrasse zum Spielplatz führte", heißt es auf der Seite des Behindertenverbandes. Bei der Sanierung seit 2010 wurde diese Rampe allerdings abgerissen und durch eine Treppe ersetzt. "Eine barrierefreie Sanierung hat nicht stattgefunden. Damit nicht genug: Rampe und Veranda, die einen barrierefreien Zugang zur unteren Ebene boten, sind im Zuge der Bauarbeiten abgerissen und durch zwei Treppen ersetzt worden", schreibt die Jury des Betonpreises. 380 000 Euro kostete die Sanierung, etwa 240 000 Euro davon kamen aus EU-Mitteln.

Wurde hier mit EU-Mitteln das Gegenteil von dem erreicht, zu dem sich Kommunen beim barrierefreien Bauen eigentlich bekennen sollten? Ganz so einfach liegt der Fall nicht, wie der zuständige Fachbereichsleiter im Amt Döbern-Land erläutert. "Die Kita Trebendorf war nie behindertengerecht und konnte es auch durch die Sanierung nicht werden", erklärt Uwe Eppinger. Dazu seien die baulichen Voraussetzungen im Haus gar nicht vorhanden. "Wenn ich die Kita barrierefrei umbauen wollte, hätte ich sie abreißen müssen", setzt Eppinger hinterher.

Auch die Rampe, um die sich die Diskussion nun dreht, taugt in Eppingers Augen nicht als Argument. Sie diente lediglich für Fahrzeuge der Kinder, die längst an anderer Stelle gelagert sind. Die Rampe endete mitten im Sandkasten. "Da kommen sie weder mit einem Rollstuhl noch mit einem Rollator durch", erklärt Eppinger. Auch die dahinterliegende Tür sei für einen barrierefreien Zugang gar nicht ausgelegt. Entfernt wurde die Rampe lediglich, weil sie immer wieder eine Unfallursache war, wenn Kinder darüber stolperten. Einen Nutzen hatte sie nicht mehr.

Ein barrierefreier Zugang sei in anderen Kitas des Amtes möglich, erklärt Eppinger. Das habe man auch versucht, dem Behindertenverband zu erläutern, der in den vergangenen Wochen zum Fall angefragt hatte. Auf Verständnis stieß Eppinger nicht. Dennoch sei er gerne bereit, zur Preisverleihung zu kommen - nur wurde er nicht eingeladen.

Also alles nur ein Missverständnis? Für die Gemeinde könnte es ein teures werden. Denn nach den Recherchen des Behindertenverbandes hat sich nun auch die Vergabestelle beim Amt gemeldet und um Stellungnahme gebeten. Sollte es nun zu Nachforderungen kommen, müsste möglicherweise doch wieder eine Rampe gebaut werden. "Das ginge dann zulasten der Kinder", sagt Eppinger. Denn im zweiten Abschnitt der Sanierungsarbeiten wird derzeit das Außengelände der Kita umgestaltet. "Wenn wir Geld für den Zugang in die Hand nehmen müssen, bleibt weniger für die Spielgeräte", fürchtet Eppinger.

betonkopf-brandenburg.de