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Gegen die Angst

Als Kind musste ich, um zu meinem Zimmer zu gelangen, über den Dachboden unseres alten Bauernhauses gehen. Manchmal abends, wenn nur das Licht einer nackten Glühbirne den Weg erleuchtete, wurde mir dieser Weg recht unheimlich.

Wenn es dann noch raschelte und im Gebälk knackte, lebte in mir eine Angst vor dem Unbekannten auf, vor dem Bösen, das möglicherweise auf mich lauerte. Zu wissen, dass das Rascheln von Mäusen kam und das Gebälk eben knackte, weil das Holz immer "arbeitet", half nicht wirklich gegen die Angst.

Wenn ich heute Menschen treffe, die stark von ihren Ängsten bestimmt sind, dann beobachte ich häufig einen ganz ähnlichen Effekt: Sie stecken in ihren Ängsten drin - und Argumente, die ihnen ihre Angst nehmen könnten, kommen nicht an. Die Angst hat es geschafft, dass Argumente nicht mehr geglaubt werden. Im Gegenteil: Sogenannten "Alternativen Fakten" wird nur deshalb geglaubt, weil sie massenhaft in den sozialen Medien verbreitet werden.

Angst ist ein schlechter Ratgeber, denn Angst macht den Blick eng, verstellt die Perspektive, bis nur noch das wahrgenommen wird, was die Angst bestätigt. So wird die Wirklichkeit irgendwann nur noch durch die Brille der Angst gesehen - und schränkt das Leben immer mehr ein.

Was hilft gegen die Angst? Jesus zeigt uns mit seinem eigenen Weg durch die Angst, dass es um Vertrauen geht, Vertrauen, das unsere Füße auf weiten Raum stellt, uns herausführt aus der Enge der Angst. Er sagt: "In der Welt habt ihr Angst, aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden." (Johannesevangelium, Kapitel 16, Vers 33).

Auf dem Dachboden damals hatte ich keine Angst, wenn mich jemand begleitete. Wenn Gott mich begleitet, kann die Angst ihre Macht verlieren und unser Herz weiten. Mehr darüber können Sie im Laila-Gottesdienst erfahren, zu dem Sie am 12. März um 19 Uhr in der Oberkirche Cottbus herzlich eingeladen sind.