Von Steffi Ludwig

„Plastische Chirurgie ist bei Weitem nicht nur Schönheitschirurgie.“ Dieses verbreitete Vorurteil will Dr. Mojtaba Ghods unbedingt ausräumen, während er auf der Terrasse der Villa Neiße direkt an der Neiße in Forst sitzt und einen kurzen Einblick in seine Tätigkeit gibt.

Etwa 99 Prozent seiner Arbeit sei plastische Chirurgie, die medizinisch notwendig ist. Dazu zähle beispielsweise die Rekonstruktion der Haut nach Verbrennungen, damit der Patient keine entstellenden Narben tragen müsse. „Oder der Patient hat eine große Wunde, die nicht heilen will – auch hier können wir helfen“, berichtet der 51-jährige Chefarzt der plastisch-rekonstruktiven Chirurgie an der Lausitz Klinik Forst. Ebenso sei es mit dem Wiederherstellen der weiblichen Brust nach Brustkrebs oder Hauttumoren. „Ich will den Menschen einfach wieder Lebensqualität zurückgeben“, fasst er seine Arbeit in eine kurze Prämisse.

Dafür ist Mojtaba Ghods vor Kurzem als einziger Arzt im Land Brandenburg zum Top-Mediziner auf seinem Gebiet in der Ärzteliste der Zeitschrift Focus geehrt worden. Ausschlaggebend dafür seien unter anderem Empfehlungen von Kollegen, Patienten, Selbsthilfegruppen sowie Veröffentlichungen gewesen, so Mojtaba Ghods. „Darauf sind wir natürlich sehr stolz“, sagt er. Mit „wir“ meint er sein Team, ohne das er aufgeschmissen wäre, wie er sagt. Denn er ist an allen drei Standorten der Klinikgruppe Ernst von Bergmann aktiv, also neben Forst auch in Potsdam und Bad Belzig. „Ich arbeite viel und gerne“, resümiert er. „Aber ich mache das mit großer Leidenschaft. Und mein Team koordiniert das alles hervorragend.“

Eine feste Säule im Forster Krankenhaus sei die sehr gute Zusammenarbeit mit dem Chefarzt Dr. Florian Kühnel auf dem Gebiet der Handchirurgie/Unfallchirurgie sowie mit Chefarzt Dr. Mike Bereuter in der Allgemeinchirurgie. „Wir haben in diesem Bereich in Forst erst vor etwa fünf Jahren begonnen und haben uns sehr weiterentwickelt“, so Mojtaba Ghods. „Das zeigt, welch gute Leute wir hier haben.“

Und der Bedarf sei riesig. Nur etwa ein Prozent seiner Arbeit umfassten bisher die Selbstzahler, die in seine wöchentliche Sprechstunde in die Villa Neiße kommen. Egal ob ein hängender Bauch nach mehreren Geburten oder große störende Fettpolster: „Das betrifft nicht nur die Reichen und Schönen, sondern auch Menschen wie du und ich“, versichert der Chefarzt. „Es muss jedoch alles mit dem Gewissen zu vereinbaren sein. Die Menschen bekommen für Geld nicht jede Schönheitsoperation – das wäre unverantwortlich.“

Beim Lipödem, einer vor allem bei Frauen auftretenden schmerzhaften Fettgewebsverteilungsstörung, die hormonell bedingt ist, gehört sein Team zu den Pionieren bei der Behandlung. „Noch immer müssen die Frauen hier selbst zahlen, aber es ist eine Studie beauftragt worden, mit der Hoffnung, dass die Kosten von den Krankenkassen übernommen werden“, erläutert Ghods die Bemühungen im Hintergrund. Denn auch in Forst seien eine Reihe jüngerer Frauen betroffen.

Der gebürtige Iraner hat in Heidelberg Medizin studiert und dann noch Chirurgie, Handchirurgie und plastische Chirurgie draufgesattelt. Er hat  bereits in der Schweiz, Amerika und in Deutschland unter anderem in Halle und Berlin gearbeitet. Zudem ist er auch ehrenamtlich aktiv. So betreut er, der früher selbst mal Fußball gespielt hat, die Volleyballerinnen des SC Potsdam bei Verletzungen. An der Universität Potsdam arbeite er zudem als Dozent, und afghanische Kriegskinder habe er bereits kostenlos behandelt. „Ich habe viel Glück im Leben gehabt und möchte davon etwas zurückgeben“, so der zweifache Vater.