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Gedanken in Versen von Ursula Fischer

Gedanken in Versen von Ursula Fischer
Gedanken in Versen von Ursula Fischer FOTO: Foto: Thoralf Schirmer
Spremberg / Haidemühl.. Ursula Fischer hat in ihren Gedichten schmerzhafte Erlebnisse verarbeitet.Durch ihre Bücher „Zum Schweigen verurteilt. Thoralf Schirmer

Denunziert, verhaftet, interniert“ und „Von der Last des Schweigens“ , beide erschienen im Berliner Dietz Verlag, sind die Haidemühlerin Ursula Fischer und ihr Schicksal vielen Menschen in der Region bekannt geworden: Nach dem Krieg war die damals 20-jährige Kindergärtnerin am 3. November 1945 von ihrem Arbeitsplatz weg verhaftet worden. Ohne je einen Grund dafür zu erfahren oder einen Prozess zu bekommen, musste sie drei Jahre der Inhaftierung und des völligen Abgeschnittenseins von der Außenwelt durchleiden, unter anderem in den NKWD-Speziallagern von Mühlberg und Jamlitz. Später durfte sie mit niemanden ein Wort über das sprechen, was sie erlebte.
Doch die bitteren Erfahrungen lassen Ursula Fischer nicht los. Auch in ihrem neuen Gedichtband „weitergehn . . . Gedanken in Versen“ , im Eigenverlag herausgegeben und bei Digital & Druck Matthias Greschow in Welzow entstanden, brechen sie wieder auf.
Die Sammlung enthält verschiedene, über einen langen Zeitraum entstandene Gedichte. Da ist die fast noch kindliche Neugier und der Glaube an den unzerstörbaren Schutz der Familie, der im 1939 entstandenen Gedicht „Mein Elternhaus“ anklingt.
Dieses Idyll erhält zum ersten Mal einen Bruch mit dem Gedicht „Zuversicht“ , das einem Feldpostbrief von 1941 entstammt und sich an einen fernen Freund richtet. Zahlreiche Fotos geben in dem Buch jenen Menschen ein Gesicht, von denen Ursula Fischer schreibt.
Schließlich ein harter Schnitt - weggezerrt von den Lieben daheim, findet sich die Autorin plötzlich in einem NKWD-Lager wieder. „Sie lassen sich symbolisch mit einem eingezäunten Dornenweg vergleichen, aus dem es kein Entrinnen gibt“ , schreibt Ursula Fischer über die drei Jahre in den NKWD-Speziallagern. „Jahre, die uns Häftlinge fast körperlich spüren ließen, mit bloßen Füßen diesem Pfad ausgeliefert zu sein, ohne zu ahnen, wohin er führt und wie lang er ist.“

Freunde geben Kraft
Und dennoch habe, angesichts von Hunger, Seuchen und der Willkür der Bewacher, nicht allein Verzweiflung die Oberhand behalten. Wieder ist in den Gedichten von Freunden die Rede, die Kraft geben - Gefährten, die Ursula Fischer daheim in Haidemühl weiß oder im Lager findet.
Die Verlegung ins Waldlager Jamlitz bricht ein weiteres Mal alle Hoffnung. Dann Mühlberg, wo Ursula Fischer „Ein dunkler Traum“ schreibt.
In ihrem Gedicht „Weiter gehn . . .“ beschreibt die Autorin schließlich den Tag, an dem sie endlich das Lager verlassen darf - mit der Drohung im Nacken, dass sie nach Sibirien käme, falls sie je über das Erlebte sprechen würde.
Der Gedichtband von Ursula Fischer ist ab Mitte nächster Woche in begrenzter Zahl in der Touristinformation am Markt 2 in Spremberg zum Preis von acht Euro zu bekommen.