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Gastronomie
„Zum Kuckuck“ in Groß Jamno macht dicht

Anstoßen auf etwas Neues: Birgit und Peter Hendrischke in ihrem Restaurant „Zum Kuckuck“ in Groß Jamno.
Anstoßen auf etwas Neues: Birgit und Peter Hendrischke in ihrem Restaurant „Zum Kuckuck“ in Groß Jamno. FOTO: Steffi Ludwig / LR
Forst. Warum Familie Hendrischke die Ära des Gasthauses „Zum Kuckuck“ am 31. März abschließt. Von Steffi Ludwig

Es war seit Langem über die Grenzen von Forst hinaus bekannt: das Restaurant „Zum Kuckuck“ im Forster Ortsteil Groß Jamno mit seiner feinen Küche und der Kabarettbühne, die bundesweit beachtet wurde und auf der Comedians wie Olaf Schubert auftraten. Doch Ende März möchte das Ehepaar Hendrischke diese Ära beenden – nach 22 Jahren Vollgas und aufopferungsvollen Engagements für Gastronomie und Kultur im idyllischen Wald von Groß Jamno.

Einerseits sei die Gastronomie an diesem doch recht abgelegenen Ort zunehmend schwieriger geworden, berichtet Gastwirt Peter Hendrischke. „Unser Konzept, das wir 20 Jahre gelebt haben, hat hier einfach nicht mehr die Chance“, sagt Birgit Hendrischke, die für das Kabarett verantwortlich ist und hauptberuflich an der Brandenburgisch Technischen Universität (BTU) Cottbus-Senftenberg arbeitet. „Und nur auf Sparflamme zu fahren, wäre nichts für unsere Ansprüche.“ Das Kabarett habe zwar viele Gäste gebracht, der Raum stieß aber mit 80 Plätzen an seine Grenzen. „Und die Woche hat nun mal sieben Tage.“ Zudem spiele der Badesee keine Rolle mehr für Gastronomie oder Campingplatz. Ihre hohen Investitionen konnten sie nicht zurückzahlen.

Hinzu kommt: Ein schwerer persönlicher Schicksalsschlag – ihre Tochter starb vor drei Jahren – hat für die Hendrischkes die Sicht auf das Leben verändert. „Uns ist die Endlichkeit des Seins vor Augen geführt worden“, sagt Birgit Hendrischke. Deshalb wollen sich die beiden Mittfünfziger jetzt Zeit für sich selbst nehmen und dies nicht auf die Rentner-Zeit verschieben. „Denn wie schnell kann es zu spät sein“, überlegen sie. „Und unsere Kraft ist jetzt einfach am Limit.“ Fast sämtliche Feiertage und Wochenenden gehörten in den letzten 22 Jahren dem „Kuckuck“.

Die Entscheidung, ihr „Baby“ zu verlassen, fällt ihnen trotzdem äußerst schwer. „Wir haben die Zeit genossen, hatten viel Spaß und bekamen viel Anerkennung von unseren Gästen“, sagen sie. Mit viel Herzblut hatten sie den ehemaligen Strand­imbiss zur Gaststätte umgebaut, im November 1995 zunächst einen neuen Gastraum eingeweiht, dann weiter an- und umgebaut und viel investiert, bis der „Kuckuck“ in seinem jetzigen Erscheinungsbild im Jahr 2000 eingeweiht wurde, mit Bowlingbahn, großer Außenterrasse, Veranstaltungsraum und klappbarer Bühne. Studentinnen der BTU hatten seinerzeit mit ihnen zusammen die Inneneinrichtung kreiert.

Und gleich von Anfang an gab es neben der Gastronomie auch Kultur: 1997 wurde einmal im Jahr mit Ossipartys angefangen, die sich dann zu den Oldiepartys wandelten. Etwa 13 Jahre lang gab es diese Oldiepartys, die zum Kult in der Region wurden. Und auch sonst gab es allerhand Feste: Frauentagspartys, Kindertagspartys, Sommernachtspartys, eine Millenniumsparty, Krawattenbinde- und Kniggeabende. Dreitägige Strandfeste mit Feuerwerk wurden quasi „nebenbei“ organisiert. „Die Ideen dafür haben wir immer irgendwo aufgeschnappt und weitergesponnen, weil wir wussten: Wir sind hier draußen, wir müssen agieren“, bringt es Peter Hendrischke auf den Punkt. Auch das Catering für große Veranstaltungen richteten sie aus.

2001 kam dann das Kabarett hinzu, mit immer mehr Veranstaltungen, da sich die Bühne in der Szene herumsprach. Der „Kuckuck“ wurde zur bedeutendsten Kabarettbühne Ostdeutschlands und gar als das „Mainzer Unterhaus des Ostens“ bezeichnet. Künstler von Olaf Schubert bis Ole Lehmann gaben sich hier die Klinke in die Hand und schätzten die kleine, feine Bühne mit der privaten Atmosphäre. Das Publikum kam bis aus Senftenberg, Weißwasser oder Peitz. Dreimal wurde hier mit dem „Goldenen Kuckuck“ der einzige Kabarettpreis Brandenburgs verliehen, organisiert vom Freundeskreis des „Kuckucks“.

Zu den Höhepunkten zählte auch die Lange Nacht des Kabaretts, die noch einmal am 23. Februar stattfinden wird. Lucy van Kuhl beschließt am 18. März dann die Kabarett-Ära im „Kuckuck“. Ob es mit der Gastronomie ab April weitergehe, sei derzeit im Gespräch, sagt Birgit Hendrischke. Zwei Mitarbeiter aus dem fünfköpfigen „Kuckucks“-Team arbeiteten gerade an einem Konzept. „Den Namen Kuckuck nehmen wir jedoch mit“, sagt Birgit Hendrischke.

Einen kleinen Trost für die Forster Kulturinteressierten gebe es jedoch, verrät Birgit Hendrischke: Thoralf Haß, Mitglied des Freundeskreises des „Kuckucks“ und freier Autor, werde ab April Veranstaltungen im „Hornoer Krug“ anbieten. Das werde  Kabarett sein, aber auch andere Kleinkunst. Los geht es laut Thoralf Haß am 15. April mit dem Theaterzirkus aus Dresden.

Birgit und Peter Hendrischke werden unterdessen nach Cottbus ziehen und dann schauen, was die Zeit bringt. Denn auch ihre Wohnung im „Kuckuck“ werden sie aufgeben. „Es ist ein trauriger, aber schöner Abschied.“