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| 02:36 Uhr

Ganz spezielle Lesung für die Forster

Christine von Brühl kommt zur Lesung nach Forst.
Christine von Brühl kommt zur Lesung nach Forst. FOTO: Thomas Kierok
Auf Einladung des Gutes Neu Sacro der Bauern AG Neißetal und des Heimatvereins Forst Nord ist Christine Gräfin von Brühl am Montag, den 4. April, um 18 Uhr. im Erlebnisgut Neu Sacro zu Gast. Die RUNDSCHAU sprach mit der in Berlin lebenden Autorin (53) und über Ihre Berührung mit Forst und Brody (Pförten).

Frau von Brühl, Sie waren im November 2011 mit einer Benefiz-Lesung zugunsten der Sanierung der Gruft in Forst in der Nikolaikirche und haben Ihr damals neues Buch "Out of Adel" vorgestellt. Was werden Sie im Erlebnisgut Neu Sacro zu Gehör bringen?
Ich habe eine ganz spezifische Zusammenstellung erarbeitet aus meinen verschiedenen Büchern und etwas zusammengesucht, was in irgendeiner Weise mit der Geschichte der Familie Brühl zu tun hat. Da habe ich "Brühlsche Terrasse und Schwanenservice" genommen, meine "Gebrauchsanweisung für Dresden" und sogar meine Biografie über Königin Luise. Daraus habe ich ausdrücklich für die Forster, komponiert, was ich noch nirgendwo vorgelesen habe, und was ich so auch nirgendwo sonst vortragen werde, weil nirgends ist das ausschließliche Interesse an der Familie so groß wie in Forst.

Nervt es Sie, als freie Autorin auf Ihren berühmten Namen reduziert zu werden?
Im Raum Forst muss man sich für einen Vorfahren wie Heinrich Graf von Brühl keinesfalls schämen. Wie die meisten Forster ja wissen, hat er zwischen 1740 und 1746 die Standesherrschaft Pförten und Forst gekauft, hat die Tuch- und Leinenmanufaktur neu aufgezogen für die Stadt, und als der Stadtbrand kam 1744, hat er die gesamte Stadt neu strukturiert. Auf seinen Auftrag hin hat der Architekt und Baumeister Johann Christoph Knöffel sie geplant und wieder aufgebaut. Der Wiederaufbau hat natürlich lange gedauert, denn es sollten stabile Häuser aus Stein sein, die brandgeschützt waren. Aber man kann wirklich Kirche, Schule, Kirchbrauhaus und Lange Brücke nennen. Das ist alles auf sein Geheiß hin entstanden, und er hat auch massig Geld da rein gezahlt. Er hat diesen Baubegnadigungsfonds aufgelegt mit 100 000 Talern, und jeder Bürger hat zwischen zehn und 30 Taler von ihm bekommen. Sein Sohn Alois hat den Wiederaufbau vollendet. Es ist nicht alles zusammengebrochen, als der Minister 1763 starb.

Sie haben Slawistik, Geschichte und Philosophie studiert und zu Anton Tschechows Dramenwerk promoviert. Seit 2002 leben Sie als freie Autorin in Berlin. Können Sie davon wirklich leben?
Sehr gute Frage. Mit den Brühlschen Herrlichkeiten war es ja schon in der auf Heinrich Graf von Brühl folgenden Generation vorbei. Die Kinder von Brühl mussten sich verdingen. Einige von ihnen haben - Ironie des Schicksals - dann am preußischen Hof gearbeitet. Natürlich nicht mehr für Friedrich II., der dieses ganze Unglück herbeigeführt hat für die Familie, sondern für seinen Nachfolger. Dass man als Schriftsteller nicht allein von der Kunst leben kann, ist überhaupt nichts Neues. Davon hat uns Fontane schon viel erzählt. Meine Devise ist, nicht aufgeben.

Also eine freie Entscheidung?
Man kann das nicht als Entscheidung bezeichnen. Ich denke, wenn man schreiben muss, dann muss man. Da nützt nichts dagegen. Man kann versuchen, sich mit Nebenverdiensten über Wasser zu halten oder hier oder da ein Stipendium zu beantragen.

Woran arbeiten Sie aktuell?
Ich habe gerade ein sehr schönen Roman in der Mache. Diesmal nichts Historisches. Mein neuer Roman spielt in der Gegenwart. Natürlich gibt es nebenbei auch immer noch andere Projekte. Ich habe als Ghostwriter gearbeitet und schreibe weiterhin auch als Journalistin, aber das nur nebenbei. Und dann ist da noch das publizistische Wandern.

Was empfinden Sie, wenn Sie in Brody (Pförten) oder in Forst unterwegs sind?
Ich bin beeindruckt über die rege Anteilnahme der Bevölkerung und den hohen Grad an historischem Wissen. Das zeigt sich an den grenzübergreifenden Parkseminaren, von Claudius Wecke, Parkleiter in Cottbus-Branitz, organisiert wurden. Jahr um Jahr hat er die Bevölkerung aus Brody und Umgebung gemeinsam mit der Bevölkerung aus Forst und Umgebung motivieren können, im Park von Brody, also Pförten, "aufzuräumen". Das war sehr sehr beeindruckend für mich.

Kann es sein, dass Sie einen Faible für Forst und die Forster haben?
Bei Lesungen, Gesprächen und Besuchen in Forst bekomme ich immer wieder zu spüren, dass die Brühls einen guten Nimbus hinterlassen haben. Die Menschen, denen ich begegne, erzählen mir, dass sie gute Arbeitgeber waren. Man hat gerne für sie gearbeitet. Keiner denkt schlecht über die Brühls. Das freut mich natürlich als Namensträger. Also, es ist nicht mein Verdienst, aber ich muss sagen, das ist viel netter und persönlicher, was einem da in Forst begegnet.

Publiziert es sich besser unter berühmten Namen?
Wenn Sie als Frau Möschl einen Herrn Friedrich heiraten, und Sie arbeiten aber schon seit 30 Jahren für die Zeitung als Beate Möschl und haben vielleicht auch Bücher geschrieben unter dem Namen, dann werden Sie sich nicht Beate Friedrich nennen. Weil Sie dann bei Null anfangen in der Öffentlichkeit. Dann sind sie erst einmal niemand. Das war mein Beweggrund damals, meinen Namen beizubehalten.

Die Privilegien des Adels sind seit 1918 abgeschafft, warum gibt es dann so viel Aufhebens um ihre Heirat mit einem Bürgerlichen?
Die Adligen sind eine kleine Gruppe von Menschen, die ihrer Kultur und Tradition von vor 1918 folgen, und die besagt: Wenn man einen Bürgerlichen heiratet, ist man nicht mehr Mitglied des Adels. Das ist bei mir der Fall. Ich bin keine Adlige mehr im Sinne der alten Tradition. Das wird unterstützt durch den Gotha, das Genealogische Handbuch des Adels. Das wird weiter fortlaufend geführt und darauf geachtet, dass man die Familien weiterhin beim Namen nennt und aufzählt, und dass die alten Gesetze eingehalten werden. Mein Name steht noch im Gotha, auch der meines Mannes, aber der Name meiner Kinder nicht. Natürlich bin ich weiterhin Mitglied meiner Familie und auch eine echte Brühl. Ich stamme von ihnen ab, direkt vom Minister, aber bin letztlich nur Namensträgerin.

Mit Christine Gräfin von Brühl

sprach Beate Möschl