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Bürgermeisterwahl
Unternehmer kandidiert für Forst

Bürgermeisterkandidat Thomas Engwicht vor dem historischen Haupteingang des Forster Rosengartens.
Bürgermeisterkandidat Thomas Engwicht vor dem historischen Haupteingang des Forster Rosengartens. FOTO: Steffi Ludwig / LR
Forst. Der Gärtnermeister Thomas Engwicht tritt als weiterer parteiloser Bürgermeisterkandidat an. Von Steffi Ludwig

„Warum soll der Gärtner zum Bürgermeister gemacht werden?“ Diese Frage stellt sich Thomas Engwicht selbst auf seiner eigens für die Bürgermeisterwahl gestalteten Internetseite. Er will damit ausdrücken: „Ich habe alles im Vorfeld genau durchdacht, auch die Zweifel, die auftreten könnten.“

Er sei schon lange politisch interessiert, gerade bei Themen, die seine Heimatstadt angehen, erklärt der 39-Jährige. In den vergangenen Jahren habe er die Entscheidungen der Stadtführung verfolgt. „Es ist vieles angeschoben worden, aber vieles auch liegen geblieben“, meint er, auch mit Hinblick auf die personelle Situation. Der ehemalige Bürgermeister Jürgen Goldschmidt (FDP) sei lange krank gewesen, ebenso dessen Nachfolger Philipp Wesemann (SPD). Als klar war, dass Wesemann nicht zurückkommen würde, habe sich Thomas Engwicht überlegt: „Was würdest Du anders machen?“ Angestoßen durch den Bekannten- und Freundeskreis habe er sich dann ernsthaft überlegt, was eine Kandidatur bedeuten würde – für sich, für die Familie, für die Firma. Denn Thomas Engwicht ist nicht nur vierfacher Familienvater, sondern seit neun Jahren Chef des traditionsreichen Unternehmens Gartenbau-Baumschulen Paul Engwicht.

Doch seine Frau habe hinter ihm gestanden, und seine Eltern hätten sich bereit erklärt, wieder mehr Aufgaben im Familienunternehmen zu übernehmen, zudem gebe es seine versierten Mitarbeiter. So fasste er die Entscheidung zu kandidieren und schrieb auf, was ihm als Bürgermeister wichtig wäre. „Ich sehe das Potenzial von Forst und habe viele große und kleine Ideen.“ Ob diese umsetzbar sind, werde sich zeigen.

Einer bestimmten Partei stehe er nicht nahe, sei auch noch nie in einer Partei oder Funktion gewesen, betont er: „Ich sehe bei vielen Parteien Punkte, die mich ansprechen, andere wieder nicht.“ Dazu zähle auch die AfD, sagt er, angesprochen auf die Gerüchte, die in Forst kursieren. Es gebe auch bei der AfD Ideen, die ihm zusagten, andere nicht. „Den Protest gegen die Bundesregierung teile ich“, sagt er. Das habe seiner Ansicht nach jedoch nichts mit der Forster Bürgermeisterwahl zu tun. Parteien seien in der Stadtarbeit oft auch hinderlich, aber in einer Demokratie notwendig, findet er. In der Vergangenheit sei er beispielsweise lange Befürworter einiger Ideen der Grünen gewesen.

Er sei sich bewusst, dass – gesetzt den Fall, er bekomme die notwendigen 56 Unterstützerunterschriften und werde dann auch gewählt – für seine Firma einige Verträge mit der Stadt wegfallen würden. Und dass er sich viel neues Wissen aneignen müsse, gerade im Bereich der Verwaltung. „Ich werde einen berufsbegleitenden Kurs Verwaltung für Quereinsteiger besuchen“, kündigt er an. Nichtsdestotrotz habe er jedoch durch seine Arbeit und seine Projekte – so hatte er die geschichtsträchtige Halle der ehemaligen Forster Webwaren, in der heute das Kreisarchiv sitzt, erworben und vor dem Verfall gerettet – Verbindungen in verschiedene Bereiche der Stadtverwaltung und auch gute Kontakte mit den Fraktionsvorsitzenden der Stadt.

Das fehlende Verwaltungswissen sei für ihn kein Hinderungsgrund, so Engwicht. Dafür bringe er das Wissen aus dem Wirtschaftsbetrieb mit. „Und ich denke, dass ich Menschen gut überzeugen kann, sie mitnehmen kann“, spricht er weitere Qualifikationen für das Amt an. „Zudem habe ich den Willen und die Überzeugung, in Forst etwas verändern zu können. Ich will die Zukunft mit Zuversicht gestalten.“

Als einen der wichtigsten Punkte für Forst sieht Engwicht die Bekämpfung der Kriminalität. Hier müsse beispielsweise das Land immer wieder darauf hingewiesen werden, dass das Polizeipersonal verstärkt werden müsse. Er kündigt aber auch eigene Initiativen wie Gespräche mit der Polizei an. Aber auch die Fertigstellung der Grünen Mitte und eine Stärkung der nachbarschaftlichen Beziehung zu Polen – unter anderem durch den Bau einer Neißebrücke – möchte er anpacken.