„Bei der Mitgliederversammlung am Dienstag zeigte sich nochmals, wie tief erschüttert das Vertrauen der Genossenschaftler zu Brigitte Günther ist“ , sagt Aufsichtsratsvorsitzender Dietmar Averdiek. Über die Gründe will er nicht sprechen, da er mit einer Klage Günthers rechnet. „Ich bin sicher, dass die FWO bei dem Rechtsstreit gewinnen würde und so für uns keine Prozesskosten anfallen.“ Brigitte Günther wurde am 7. Januar vom FWO-Aufsichtsrat beurlaubt (RUNDSCHAU berichtete). Dabei hätte ihr die FWO bis Ende September weiter Bezüge zahlen müssen. Durch die fristlose Kündigung spare die FWO dieses Geld, so Averdiek.
Den Vertrag des zweiten ehemaligen FWO-Vorstands Günter Marx hatte die FWO Ende letzten Jahres nicht verlängert. Die Gründe der Kündigung Günthers und der unterlassenen Vertragsverlängerung für Marx könnten im Zusammenhang mit den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Neuruppin stehen. Sie ermittelt gegen beide wegen des Verdachts der Bestechlichkeit, wie ein Sprecher der Behörde bestätigt. Die Staatsanwaltschaft Cottbus hatte schon 1998 gegen Marx und Günther ermittelt. Die Geschäftsführer sollen Aufträge gegen Zahlung von Handgeldern vergeben haben. Weil diese Zahlungen nicht nachgewiesen werden konnten, stellte das Gericht das Verfahren 1999 ein. Günther und Marx bekamen aber zur Auflage, jeweils 50 000 Mark zu zahlen.
Der neue Vorstand Friedbert Winkler wird - ebenso wie der ehrenamtliche zweite Vorstand Reiner Adam - nur bis August bei der FWO arbeiten. Aus bilanztechnischen Gründen, so Winkler, muss die Fusion der FWO mit der Forster Wohnungsgesellschaft (FWG) bis spätestens Ende August abgeschlossen sein. Winklers Ziel: Die FWO finanziell so unbelastet wie möglich in die Fusion zu führen. Dazu verhandelt Winkler derzeit mit den Gläubiger-Banken der FWO. Die Genossenschaft, räumt Winkler ein, sei „überdurchschnittlich hoch“ verschuldet. Doch sie bleibe zahlungsfähig.
Bei der FWO-Mitgliederversammlung am Dienstag rang Winkler um das Vertrauen der Genossenschaftler. „Es gab Irritationen“ , sagt Winkler. Denn die FWO-Genossen befürchten, dass sie ihre FWO-Anteile durch die Fusion verlieren könnten. Winkler: „Durch die Fusion werden aus Genossenschaftlern Gesellschafter. Aber keinem wird daraus Schaden entstehen.“ Wie das passieren soll, kläre er mit dem FWG-Geschäftsführer. Für Winkler ist die Fusion eine „Herausforderung“ .
Im Aufsichtsrat des fusionierten Unternehmens werden die jetzigen FWO-Mitglieder ein Wort mitzureden haben, versichert Dietmar Averdiek. Er geht davon aus, dass in dem neuen Aufsichtsrat drei Mitglieder aus den Reihen der ehemaligen FWO-Genossen vertreten sein werden.

Hintergrund FWO und FWG
  Die Forster Wohnungsgenossenschaft (FWO) hat 1264 Genossenschaftsmitglieder. Sie sind an 1668 Wohnungseinheiten beteiligt, die sich auf 50 Gebäuden verteilen. Die FWO verwaltet 74 Fremdwohnungen.
Bei einer Fusion mit der Forster Wohnungsgesellschaft (FWG) entsteht ein Wohnungsunternehmen mit über 4500 Wohnungen. Das sind mehr als ein Viertel des in Forst vorhandenen Wohnraumbestandes.