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| 18:02 Uhr

Ein Rheingold-Traditionszug für 110 Euro
Für Fans alter Loks: Modelleisenbahner-Treffen in Forst

 Markus Völker (3.v.r.) schaut sich ganz genau die Auslagen an. Er ist auf der Suche nach dem einen oder anderen besonderen Schätzchen.
Markus Völker (3.v.r.) schaut sich ganz genau die Auslagen an. Er ist auf der Suche nach dem einen oder anderen besonderen Schätzchen. FOTO: Margit Jahn
Forst. Modelleisenbahner erwecken alte Schätze zum Leben. Bei der 8. Tausch- und Sammelbörse der Eisenbahnfreunde im Textilmuseum Forst (Lausitz) haben besondere Raritäten auch den Besitzer gewechselt. Von Margit Jahn

Miniaturzüge drehen in der ersten Etage des Textilmuseums ihre Runden, schnaufen gemütlich durch die liebevoll gestaltete Landschaft. Lebendiger geht es bei der 8. Tausch- und Sammelbörse der Eisenbahnfreunde zu. „Die ersten Gäste standen schon um 12 Uhr vor der Tür“, sagt Michaela Zuber, Leiterin des Brandenburgischen Textilmuseums. Nach der Eröffnung um 13.00 Uhr, war das Staunen, Entdecken und Tauschen in vollem Gange.

So manche Augen glänzten angesichts der Raritäten, die sich auf den Tischen der neun Aussteller aus Forst, Senftenberg, Weißwasser oder Guben befanden. Einige von ihnen waren eher zufällig dabei, den als Nicht-Forster wussten sie zum Teil nichts von der Bahnbörse. Und so hatte der Cottbuser Aussteller Steffen Keller sein Auto eigentlich für eine Modelleisenbahnbörse in Berlin gepackt. Einen Tag zuvor lass er in der Zeitung von der Börse in Forst und fuhr spontan in die Rosenstadt, um seine Liebhaberstücke interessierten Gästen anzubieten. Einige kannten ihn bereits, denn er präsentierte im Dezember in Cottbus eine eigene Ausstellung seiner neu gestalteten Gartenmodellbahnanlage.

Etwa alle zwei Jahre werde diese Modellbaubörse durchgeführt, so Michaela Zuber. Vor allem zu den Weihnachtstagen war die Ausstellung sehr gut besucht. Bis aus Lübben kommen die Gäste nach Forst, um ihrem Hobby zu frönen.

Trotzdem gibt es Menschen, die das erste Mal dabei sind. Familie Weingardt besucht Freunde in Forst. Für Arnulf Weingardt, der H0-Modellbahnen bis 1990 sammelt, lag ein Besuch der Börse nahe. „Andere haben schicke und blank polierte Gläser in ihren Vitrinen. Wir haben Eisenbahnen darin stehen“, sagt die Frau an seiner Seite. Heute hat der Eisenbahnfreund einen alten Tankwagen von Minol und zwei Schotterwagen von Bock erstanden. „Den Tankwagen hatte ich als Kind schon, habe ihn aber irgendwann verbummelt und jetzt zugeschlagen“. Er berichtet, dass es bis 1971 viele kleine Firmen gab, die dann verstaatlicht wurden. Und noch während er erzählt, wandern seine Augen weiter zum nächsten Stand. „Wir schauen weiter“, verabschiedet sich der leidenschaftliche Sammler.

André Bennewitz aus Cottbus, bietet TT- und H0-Modellbahnen der Epoche zwei an. Aus Australien hat er eigens zwei Exponate gekauft, eins für sich, das andere zum Verkaufen. Markus Völker schaut sich derweil in der unteren Etage am Stand von Steffen Keller um. Er hat das TT-System zu Hause und ist das erste Mal bei der Börse. „Ich suche etwas Spezielles, das älter ist, was man nirgends bekommt.“ Ein grauer Waggon ist von Interesse, aber erst einmal möchte er sich noch oben umschauen.

Gleich drei Eisenbahnfreunde des Modellbahnclubs Weißwasser betreuen einen Stand. Harald Pickroth, Uwe Loske und Gerhard Hübner erklären den Gästen die unterschiedlichen Schienensysteme. Sie haben Zugzubehör der Epoche drei (1945 bis 1971) und aus der Epoche vier (1971 bis Ende 1993) auf den Tischen liegen. Waggons, Loks und Videos sind dabei. „Die Nachfrage ist unterschiedlich, je nachdem wo man hinkommt“, erklärt Harald Pickroth. Für 110 Euro hat er einen Rheingold-Traditionszug im Angebot. „Alles fahrtüchtig“, versichert er.

Familie Pischek aus Forst ist ebenfalls als Aussteller dabei. Die Freude an den kleinen Bahnen haben sie vom inzwischen 82-jährigen Großvater geerbt. „Schwiegervater war und ist ein großer Sammler“, sagt Marion Pischek, die drei Reisezugwagen der Epoche drei und einen Doppelstockzug der Epoche zwei in Papier einschlägt. „Er sammelt das H0-System der zweite Epoche“. Arnulf Pischek selbst ist Fahrzeugeinstandhalter bei der Bahn und somit auch beruflich inmitten seines liebsten Hobbys.