Von Katrin Kunipatz

Einen dicken Ordner zieht Barbara Petri aus dem Regal. Darin kann die Leiterin der städtischen Friedhofsverwaltung schnell die Fakten zu jeder einzelnen Nische des Forster Kolumbariums nachschlagen. Dies sei nötig, wenn sie mit den Hinterbliebenen den passenden Platz für die Urne des Verstorbenen auswählt. „Beliebt sind Nischen auf Augenhöhe oder weiter unten, bei denen die Angehörigen den Namenszug auf der Nischenplatte berühren können“, erklärt Barbara Petri.

Vollständig belegt, wie es eine Leserin gegenüber der RUNDSCHAU kritisierte, sei das Kolumbarium aber nicht. „Vor allem in den oberen Reihen sind Urnennischen frei“, erklärt Petri. Denn nach 25 Jahren ist die Ruhezeit für eine Urne abgelaufen. Die Nische kann neu vergeben werden. Bis dahin bleiben aber die alte Nischenplatte mit Namen und Sterbedaten sowie die Urne im Kolumbarium.

Diese besondere Bestattungsanlage entstand in Forst mit dem Krematorium 1930. Insgesamt 2959 Tote können in den Einzel-, Doppel- und Vierernischen bestattet werden. Der Pflegeaufwand ist gering, entsprechend niedrig sind auch die Gebühren. Rund 250 Euro kosten Nutzung und Pflege einer Einzelstelle im Kolumbarium für 25 Jahre. Hinzu kommen Kosten für die Aufbahrung beziehungsweise den Abschied von der Urne oder die Nutzung der Trauerhalle. Laut  Barbara Petri sind die Gebühren für die Kleine Kapelle oder die Trauerhalle seit vielen Jahren unverändert. Unstrittig sei der schlechte Zustand der Trauerhallen in Groß Jamno, Bohrau und der bereits gesperrten Halle in Noßdorf.

Den zwischen der Frankfurter und der Gubener Straße gelegenen städtischen Friedhof gibt es seit über 120 Jahren. Waren zur Gründung vor allem Erdbestattungen üblich, geht der Trend seit vielen Jahren zum Urnengrab. „Auf allen städtischen Friedhöfen gab es im vergangenen Jahr 393 Bestattungen und 24 Beerdigungen mit Sarg“, sagt Barbara Petri. Neben dem Kolumbarium ist auch die Streuwiese eine Besonderheit des Forster Friedhofs. Menschen aus Eisenhüttenstadt oder der Oberlausitz nutzen diese Möglichkeit, weil es ähnliches dort nicht gibt. Mit einer Spezialurne verteilen die Friedhofsgärtner im Rahmen der Bestattung die Asche des Verstorbenen auf der Wiese oder an den zur Wiese gehörenden Bäumen. Die Pflege der Wiese übernimmt ähnlich wie bei der Urnengemeinschaftsanlage „Grüne Wiese“ die städtische Friedhofsverwaltung.

Der Wunsch nach einer völlig anonymen Bestattung geht zurück. Größte Sorge der Nachfahren ist oft die Pflege des Grabes. Dafür hat man in Forst verschiedene Varianten gefunden. In Zusammenarbeit mit Pfarrer Christoph Lange entstand auf dem Friedhof eine Ruhegemeinschaft, die von der evangelischen Kirche betreut wird. Ruhegemeinschaften gibt es aber auch in der Betreuung durch eine Friedhofsgärtnerei, so Barbara Petri. Friedhofsgebühren fallen trotzdem an. Rund 1100 Euro kostet die Beerdigung eines Sargs in einem Einzelgrab. Bei einer 35 Jahre bestehenden Grabstelle für mehrere Erdbestattungen sei es zu einem anderen Zeitpunkt möglich weitere Urnen einzubetten, so Petri. Sie hält es für wichtig, sich bereits zu Lebzeiten über die eigene Bestattung Gedanken zu machen. So sei es möglich Grabstellen oder Nischen im Kolumbarium zu reservieren. Und dann nimmt Barbara Petri wieder den dicken Ordner zur Hand oder zeigt bei einem kurzen Rundgang die verschiedenen Begräbnisstellen.