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Fremdenverkehr sauer über Kreis-Sparliste

Forst.. „Mir ist die Milch im Kaffee sauer geworden“ , beschreibt Petra Neumann, Geschäftsführerin des Fremdenverkehrsvereins Forst, ihre erste Reaktion auf die Sparliste des Kreises (RUNDSCHAU berichtete gestern). Und sauer ist auch Petra Neumann.

Denn wenn der Kreis den Zuschuss von 2500 Euro streiche, sieht sie Probleme in der weiteren Arbeit des Touristikbüros Forst auftauchen.

Begrenzte Alternativen
Der Verein sei auf den Zuschuss angewiesen, da die Möglichkeiten eigener Einnahmen so weit es geht ausgeschöpft worden seien. Durch Postkarten- und Souvenirverkauf sei nicht viel mehr reinzuholen. Diese Bereiche habe der Verein ohnehin schon so stark intensiviert, dass man mittlerweile vom Finanzamt Umsatzsteuerforderungen vorliegen habe. Auch bei den Mitgliederbeiträgen sieht Petra Neumann kaum noch Spielraum. Je nach wirtschaftlichem Nutzen werden die hundert Mitglieder des Vereins aus dem Bereich Forst und Döbern ohnehin schon gestaffelt zur Kasse gebeten. Dazu komme noch die Unterstützung durch die Stadt. „Und wir können bei telefonischen Anfragen von Gästen ja nicht erst einmal eine Überweisung verlangen“ , erklärt die Geschäftsführerin, die bis Mitte August noch auf zwei SAM-Beschäftigte zurückgreifen kann, das Dilemma. Der Verein sichert beispielsweise auch die Kassierung am Rosengarten für die Stadt ab.
Ohnehin hätten die lokalen Fremdenverkehrsvereine in den letzten Jahren immer weniger Unterstützung vom Kreis bekommen. Wenn jetzt noch der letzte Rest gestrichen werde, „können wir gleich zumachen und ein Schloss vor den Kreis anbringen“ . Die Büros der lokalen Fremdenverkehrsvereine seien die direkten Anlaufpunkte für Gäste in der Region - „und es wird ja immer gesagt, dass der Tourismus die Wirtschaftsperspektive für die Region sei. Dafür müssen wir aber auch werben.“ Nun habe man zwar ein anspruchsvolles Radwegenetz, aber man brauche auch jemanden, der es präsentiert. Der Tourismusverband allein könne dies nicht leisten, meint Petra Neumann.

Zuarbeiten bisher kostenlos
Bisher habe man Zuarbeiten für den Kreis kostenlos geleistet. Aber jetzt eine Rechnung dafür zu schreiben, um den möglichen Wegfall des Kreiszuschusses zu kompensieren - „das kann es ja wohl auch nicht sein“ . In der Vorstandssitzung in der nächsten Woche werde die Sparliste aus dem Landratsamt und die Reaktion darauf sicherlich Thema sein, so Petra Neumann.
Nachdem der Kreistag den ersten Nachtragshaushalt gegen die Stimmen der SPD vor kurzem abgelehnt hatte, wurde im Finanzdezernat ein neuer Entwurf ausgearbeitet, der mit den Kürzungen im freiwilligen Bereich den Verlust bei der Kreisumlage ausgleichen soll. Der Kreistag soll am 3. September über den neuen Entwurf und die Kürzungsliste entscheiden, die gestern detailliert in der RUNDSCHAU veröffentlicht wurde. (js)