Nur drei Monate sind vom Baubeginn im September bis zur Fertigstellung des Radwegs vergangen. Die Idee für das Projekt und die Vorbereitungen reichen aber weiter in die Vergangenheit zurück.
Schon seit Ende der 90er-Jahre bemühte sich die Stadt Forst um einen straßenbegleitenden Radweg entlang der B 112 von Forst nach Briesnig, denn die Strecke sollte für Radler sicherer gemacht werden. In greifbare Nähe rückte das Vorhaben erst mit der Entwidmung der Trasse Forst - Guben durch die Deutsche Bahn. Im Oktober 2004 nahm die Stadt Forst Kaufverhandlungen auf und erwarb schließlich insgesamt 90 000 Quadratmeter Gleis- und angrenzende Flächen. Grünes Licht für den Bau des Radwegs konnte dann gegeben werden, als der Landesbetrieb für Straßenwesen Mitte 2005 Fördermittel in Höhe von 360 000 Euro bewilligte. Am 4. September diesen Jahres konnte schließlich mit den ersten Arbeiten für den Bau des Radwegs begonnen werden, der insgesamt rund 390 000 Euro gekostet hat.
Die Investition in den Radweg und auch das Ringen mit der Deutschen Bahn im Zuge der Kaufverhandlungen haben sich aus Sicht des amtierenden Bürgermeisters gelohnt. Der neue Radweg von Forst nach Briesnig, der in einem kleinen Abschnitt auch Teil des Oder-Neiße-Radwegs ist, ergänze das Gesamtradwegenetz der Stadt Forst, das eines der dichtesten Radwegenetze der Region sei, hob Jürgen Goldschmidt während der Freigabe hervor. Von dem Radweg können nicht nur die traditionell radbegeisterten Forster profitieren. Auch für Touristen, die mit dem Fahrrad unterwegs sind, könne der neue Weg ein Anziehungspunkt sein, deswegen solle er touristisch entsprechend vermarktet werden.
Ein weiteres Klientel, auf das Jürgen Goldschmidt hofft, sind die Skater. Die glatte Oberfläche des asphaltierten Weges sei für ihre Zwecke ideal geeignet, sagte er und merkte an, dass die Stadt auch dafür sorgen werde, ungebetene Nutzer vom Radweg fern zu halten „Schließlich soll er nicht zu einer Rennstrecke für Autos werden“ , so Goldschmidt.
Den neuen Radweg als Wirtschaftsfaktor hat der Bohrauer Gastronom Gerd Köchler erkannt. Um sein Hotel zum blauen Dach, das direkt an der Wegstrecke liegt, als Station für die Radler und Skater noch attraktiver zu machen, hat er eigens eine original italienische Kaffeemaschine angeschafft, sodass sich die Ausflügler mit Spezialitäten wie Cappuccino und Latte Macchiato wie auf einer römischen Piazza erfrischen können. Den ersten Besucheransturm haben ihm der neue Radweg und das ungewöhnlich warme November-Wetter bereits in den vergangenen Tagen beschert. „Am Wochenende haben schon sehr viele Radler bei uns Halt gemacht“ , freut sich Köchler.

Hintergrund Zahlen und Fakten
 Für den Bau des neuen Radwegs auf der ehemaligen Bahntrasse waren 6,3 Kilometer Querschwellengleis und drei Weichen zu demontieren. 24 000 Quadratmeter Gleisschotter mussten eingeebnet werden. Außerdem wurden eine Gewebe- und Schottertragschicht sowie 15 000 Quadratmeter Asphaltbeton in zwei Schichten eingebaut. Um den Bau möglich zu machen, hat die Stadt Forst von der Deutschen Bahn AG insgesamt 90 000 Quadratmeter Gleis- und angrenzende Flächen erworben.