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| 18:00 Uhr

Forst
Frau Puppendoktor hält Sprechstunde

In das Ausstellungsatelier der Forster Malfreunde zog Frau Puppendopktor Angelika Salomon aus Kahren für eine Privatsprechstunde ein.
In das Ausstellungsatelier der Forster Malfreunde zog Frau Puppendopktor Angelika Salomon aus Kahren für eine Privatsprechstunde ein. FOTO: Margit Jahn
Forst. Im Ausstellungsatelier der Forster Malfreunde schaut sich Angelika Salomon manch altes Schätzchen an.

„Hast du Kummer oder Sorgen, schreib gleich Morgen“ lautete ein Spruch, hinter dem sich Frau Puppendoktor Pille aus dem Fernsehen verbarg. Am Freitagnachmittag zog Frau Puppendoktor Angelika Salomon aus Kahren für eine Privatsprechstunde in das Ausstellungsatelier der Forster Malfreunde ein. In weißer Kittelschürze und mit Stethoskop empfing sie nach 15 Uhr den ersten kleinen Kunden. Die siebenjährige Melissa brachte mit ihrer Mutter Martina Tappert eine etwa 30 Jahre alte Puppe mit. „Isabella“ ist quasi in dritter Generation in der Familie. Mit fortschreitender Zeit wurde der Bauch dünner. Ein Fall für Frau Puppendoktor Salomon. Der Kopf musste abgetrennt werden, um in das Innenleben schauen zu können. „Man kann die Puppe auch waschen“, sagte sie während der Untersuchung. Manchmal trauen sich die Puppenbesitzer dies nicht, weil sie nicht wissen, aus welchen Material die Füllung ist. In diesem Fall war die Füllung in den Kopf gewandert. Frau Puppendoktor griff zur Zange und holte von dort alles raus und brachte es an Ort und Stelle.

Andere hatten nicht so viel Glück. Bei ihnen steht eine größere Reparatur an. Die nur in der Werkstatt in Kahren gemacht werden kann. Die Wartezeit dort ist lang, die Behandlungstermine reichen bis in den März hinein.

Unter den Kunden waren auch viele ältere Damen, die ihre alten Schätzchen mitbrachten. Die ehemalige RUNDSCHAU-Redakteurin hatte einen Artikel über die Werkstatt Fabig, einer der wenigen Puppenkliniken der DDR. Hermann Fabig hatte eine 1910 in Forst eröffnet, sie wurde 1935 von Tochter Ursula übernommen. Ihr Ehemann Erwin Stielike war ebenfalls Puppendoktor mit Werkstatt im Keller der Amtstrasse 23.  Vom Senior gab es eine Puppe zur Erinnerung – der Kopf war Original aus den 20-er Jahren, der Körper aus DDR-Zeiten. Jetzt müssen die Gummibänder ausgewechselt werden, damit „Franz“ wieder hübsch angezogen werden kann.

Viele Werkzeuge liegen auf dem Arbeitsplatz von Frau Puppendoktor parat; Zange, Maßband, Pflaster, Kleberolle, Nähmaterial mit Knöpfen und viel weiterer Kleinkram. Alles für eine schnelle Reparatur. Ganz nebenbei gibt Angeilka Simon den Kunden einige Hinweise zum Alter der Puppe oder deren Pflege.

Dass nicht immer alles neu gemacht werden muss, erfuhr Familie Fiebig aus Forst. Sie brachten eine Puppe aus den 50er-Jahren mit, die sie in einer Haushaltsauflösung geschenkt bekamen. Ein  tiefer Riss zierte den Kopf, den sie repariert und übermalt haben wollten. Aber das würde den Gesamteindruck verfälschen. „Es würde wieder wie neu aussehen, aber wollen Sie das wirklich?“ fragte die Puppendoktorin. Die Puppe ging wieder mit nach Hause. Wie sie vorher war. Auch Puppen dürfen altern.