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Französische Leichtigkeit in Forst

Beschwingt ins neue Jahr - die Berliner Band Monsieur Pompadour hat großen Schwung in die Forster Kirche gebracht.
Beschwingt ins neue Jahr - die Berliner Band Monsieur Pompadour hat großen Schwung in die Forster Kirche gebracht. FOTO: Margit Jahn
Forst. Von zahlreichen Kirchenglocken eingeläutet, haben die Stadt Forst und die evangelische Kirchengemeinde beim nunmehr 11. Neujahrskonzert am Spätnachmittag das noch blutjunge Jahr 2017 begrüßt. Und das leicht beschwingt – mit Gipsy Swing. Margit Jahn

Wo andere Stätten mit klassischen Stücken zum Konzert einladen, hatte Pfarrer Christoph Lange eine völlig andere Idee. Angetan von der heiteren Lebendigkeit der Musik einer Berliner Band, die er im Sommer hörte, kam er auf die Idee: "Diese Gruppe muss nach Forst."

Am Neujahrstag war es soweit. Die Berliner Gipsy Swing Band "Monsieur Pompadour", vier hoch talentierte Musiker, international zusammengesetzt und aus Berlin, packten ihre diversen Instrumente auf dem kleinen Podest vor dem Altar aus. Sie begannen um 17 Uhr, die Forster Gemeinde mit ihren mehr als lebendigen Melodien, gesungen in sieben Sprachen und dies auch mehrstimmig, zu verzücken.

Den Nerv getroffen

Den Nerv der Zuschauer hat der Pfarrer mit dieser Musikauswahl getroffen. Kaum ein Platz war auf den zahlreichen Bankreihen noch frei. Wer sich noch mit einem kleinen Neujahrskater der Silvesternacht plagte, war schnell "geheilt": Dieser wurde von den vier bestens gelaunten Musikern einfach weggeswingt.

Ernesto Pompadour erzählte von der Zeit der Weihnachtswünsche und wünschte dem Publikum Wünsche, "die man hören, fühlen und schmecken kann".

Wer den Film "Chocolat" kennt, der sah in Gedanken Jonny Depp und Juliette Binoche zu just diesen Melodien auf dem Boot tanzen. Diese französische Leichtigkeit, diese unbändige Lebensfreude braucht nicht lange, und jeder Zuhörer war von der Musik gefangen.

Eine Musik, die zum Träumen verleitet. Man kann sie also nicht nur im Hochsommer in ausgelassener Urlaubsstimmung genießen, nein, auch im Winter, dazu noch in einer großen Kirche, kann man sich den leicht verspielten, teils wilden, teils melancholischen Melodien hingeben.

Die Instrumente selbst sind es, die dieses leichte Gefühl vermitteln. Die gefühlvolle Violine, oft von Krisztian Pompadour bis zum letzten hohen Ton ausgereizt, oder der taktvolle Kontrabass, von Madame Pompadour gespielt, oder die beiden temperamentvollen Gitarren von Ernesto und Florian vom Pompadour gespielt, alles war ein unbändiger lebensfroher Fluss, der die Zuhörer mit auf eine Reise in eine andere Zeit nahm.

Chansons und Pop Songs der 20er- bis 60er-Jahre waren das Herzstück des Repertoires der Berliner Band. Logisch, dass in dieser Stimmung mit stehenden Ovationen nach einer Zugabe verlangt wurde. Als Sahnehäubchen und Abschluss spielten die Musiker dann "Bei mir bist du schön" - welches die Zuschauer dann im Takt mit klatschten. Das Kultlied wurde 1932 als original für ein jiddisches Musical geschrieben und 1983 durch die Andrews Sisters weltbekannt gemacht.

"Was für ein Geschenk, was für ein Feuerwerk," sagte Pfarrer Lange am Schluss. "Wenn ich mir was wünschen dürfte, dann eine schöne Kollekte, damit wir auch weiterhin solch schöne Konzerte in einem geheizten Haus genießen können" - und entließ damit die Zuschauer in einen beschwingten Abend.