Vor solchen aggressiven Preiskämpfen hatte der Forster Baudezernent Jürgen Goldschmidt (FDP) vor Jahren gewarnt als er angesichts des Wohnungsleerstands die Notwendigkeit eines Stadtumbaus begründete. Oft bedeutete Umbau Abriss. Goldschmidts Horror-Szenario war: Irgendwann gehen die ersten Wohnungsanbieter pleite und die Aufkäufer rollen mit Niedrigpreisen den Markt auf, was die nächsten Anbieter in die Enge treibt. Jetzt steht der Preiskampf vor den Türen der Stadt: Der künftige Eigentümer der Groß Schacksdorfer Siedlung will mit Kampfpreisen den Leerstand von 55 Prozent verringern - 2,80 Euro pro Quadratmeter kalt. Das Angebot ließ die Geschäftsführungen der großen Forster Wohnungsanbieter aufhorchen. Denn in Forst sind sanierte Wohnungen unter vier Euro kaum zu haben.
In den vergangenen beiden Jahren habe man keinen Mieter Richtung Groß Schacksdorf verloren, erklärt FWO-Vorstandsmitglied Marina Worlitz auf Anfrage. Der Preis von 2,80 Euro sei wahrscheinlich für die Randlage nötig. In der Stadt falle er lediglich bei großen Wohnungen unter die drei Euro-Marke oder bei Angeboten im fünften beziehungsweise sechsten Geschoss. Ansonsten lägen die Mieten über vier Euro. Aber natürlich werde man den Markt beobachten. Mit 1667 eigenen und 75 verwalteten Wohnungen ist der FWO-Bestand mehr als vier Mal so groß wie die Schacksdorfer Siedlung.
Fast sechs Mal so groß ist der Bestand der Forster Wohnungsbaugesellschaft FWG: 2300 eigene Wohnungen hat die kommunale Gesellschaft im Angebot, der Leerstand bewegt sich bei etwa 20 Prozent - trotz des Abrisses von ganzen Blöcken im Rahmen des Stadtumbaus. FWG-Geschäftsführer Uwe Engelmann rechnet mit „keinen gravierenden Auswirkungen“ der Groß Schacksdorfer Preispolitik auf den Forster Wohnungsmarkt. Zum einen wegen der Siedlungs-Lage abseits der Stadt, zum anderen aber auch, weil die Arbeitslosengeld II-Empfänger nicht unbedingt darauf angewiesen sind, die billigsten Wohnungen zu nehmen. Bis 4,47 Euro darf der kalte Quadratmeter kosten, bevor der Preis von der zuständigen Behörde hinterfragt wird.
Schmerzlicher trifft die FWG der Verlust der Verwaltung des ehemaligen WGG-Bestandes: Mit dem Wegfallen der 396 Groß Schacksdorfer Wohnungen bleiben nach FWG-Angaben noch etwa 560 Verwaltungen übrig. Darauf müsse man reagieren, räumt Engelmann ein, der aber prüfen will, „was geht“ - von Entlassungen will er nicht gesprochen haben. Von einem Kauf der fast 400 Groß Schacksdorfer Wohnungen habe die FWG abgesehen: „Wir hätten uns ja selber Konkurrenz geschaffen.“ Allerdings, räumt Engelmann ein, hat der Kauf einer insolventen Wohnungsfirma für den Käufer Vorteile: Die Banken hätten schon einen Großteil ihres Geldes abgeschrieben und akzeptierten auch geringere Preise. Da könne auch ein Einstiegs preis von 2,80 Euro für den Anbieter eine Weile kostendeckend sein - „es fehlt ja die Vorgeschichte“ .

Kein Grund für Panikreaktionen
Hartz IV wirke in der Tat stabilisierend auf die Wohnungswirtschaft, räumt der Forster Baudezernent Jürgen Goldschmidt ein, der den Umbau in der Kreisstadt koordiniert. Er geht aber davon aus, dass sich die Nachfrage nicht nur über den Preis steuern lässt. Goldschmidt, der auch FWG-Aufsichtsratsvorsitzender ist, sieht die neue Konkurrenz vor den Türen der Stadt gelassen. „Dass man den Markt beobachten muss, ist klar. Aber es gibt keinen Grund für Panikreaktionen.“

Hintergrund Verkauf der Siedlung Groß Schacksdorf
 Schon vor dem Abschluss des Kaufvertrages der 29 Häuser aus dem Insolvenzverfahren der Wohnungsgesellschaft Groß Schacksdorf wirbt der künftige Eigentümer um Kunden: Mit 2,80 Euro soll der Leerstand in den nächsten Monaten verringert werden. Die Gemeindevertreter von Groß Schacksdorf-Simmersdorf stimmten Donnerstag einem Immobilientausch zu. Damit soll die ehemalige Verkaufsstelle mit einem Markt und einer Gaststätte wiederbelebt werden. Bürgermeister Wolfgang Katzula bezeichnete das Engagement als Chance für die Siedlung. Allerdings sei der potenzielle Eigentümer aus seiner Sicht zu weit vorgeprescht, als er bereits Flugblätter mit der neuen Kontoverbindung für die Miete verteilen ließ. „Darüber muss der Insolvenzverwalter informieren“ , erklärte Katzula in der Gemeindevertretersitzung. Die Gemeinde büßt durch die WGG-Pleite ihr GmbH-Stammkapital von etwa 200 000 Euro ein.