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| 15:19 Uhr

Forst
Forster vom Trödelfieber gepackt

Beim Trödelmarkt am Textilmuseum boten Dagmar Rubin (r.) und ihre Schwester Monika Höhne (2.v.r.) viele ihrer Dachbodenfunde an. Jessica Lehmann (l.) war zum Stöbern gekommen.
Beim Trödelmarkt am Textilmuseum boten Dagmar Rubin (r.) und ihre Schwester Monika Höhne (2.v.r.) viele ihrer Dachbodenfunde an. Jessica Lehmann (l.) war zum Stöbern gekommen. FOTO: Margit Jahn
Forst. Dagmar Rubin entdeckt am Textilmuseum ihre alte Leidenschaft für alte, noch nützliche Dinge. Von Margit Jahn

Alte Schätzchen zu neuem Leben erwecken, einen gemütlichen Plausch mit Kunden und Nachbarn machen, das ist ein rundum erfüllendes und entspanntes Hobby. 20 Trödler haben ihre Zusage gegeben, beim traditionellen Mai-Trödelmarkt des Textilmuseums dabei zu sein.

Jörg Pazzigs Sammelleidenschaft erstreckt sich auf alte Forster Geschichte in Bildern. Und obwohl der Markt eigentlich erst 10 Uhr öffnet, kommt er für ein paar rare alte Forster Ansichtskarten doch schon zu spät. Ein anderer Sammler hat sie ihm vor der Nase weggeschnappt. Aber Pazzig gibt nicht auf, vielleicht hat er ein anderes Mal mehr Glück. Viele Raritäten lagern ja noch auf Forster Dachböden.

Genau dort hat Dagmar Rubin kürzlich begonnen auszusortieren und ist nach langer Zeit wieder als Trödler vor Ort. „Das Fieber hat mich wieder gepackt“, sagt sie. Rubin teilt sich einen Stand mit ihrer Schwester Monika Höhne, die nach 40 Jahren in Dortmund wohnend wieder in Forst lebt. „Früher haben wir regelmäßig mit den Kindern vom Schülerfreizeitzentrum am 1. Mai um den Forster Rosenbrunnen getrödelt“, sagt die ehemalige Erzieherin. Das sei immer schön gewesen, erinnert sie sich. Die Kinder konnten Sachen, die sie nicht mehr benötigten zum Verkauf anbieten und sich so ein wenig Taschengeld verdienen. Nebenbei erfuhren sie auch mit Geld umzugehen.

Auf Dagmar Rubins Dachboden lagerten interessante Raritäten wie ein uralter Puppenwagen. Und die Sammlerpuppen, die sie zumeist geschenkt bekommen hat, wurden vorher noch einmal aufgehübscht, die Haare gebürstet, die Kleider gerichtet und warten jetzt, in der Sonne sitzend auf neue Besitzer. Dagmar Rubin berichtet, dass sie den Boden entrümpele „damit, die Kinder später keine Arbeit haben“. Sie sei mit dieser neuen Aufgabe „wieder richtig aufgelebt“, denn Trödeln habe ihr schon immer Spaß gemacht. Außerdem wäre es schade um die schönen Sachen, die bis jetzt in alten Koffern ihr Dasein fristeten.

Jessica Lehmann bummelt währenddessen mit Mutti Anja Lehmann sowie der bald zweijährigen Tochter Nina über den großen Hof des Museums. „Wir schauen gerne mal“, sagen sie. Heute sind sie an Kindersachen interessiert.

Spannung gibt es auch am Museumsstand, an dem Museumsvereinschef Kristian Schmidt steht. Es gibt hier alte Ansichtskarten, die Motive der langen Brücke zeigen, ein Turnfest von 1934, den Blick nach Berge und auf die Cottbuser Straße. Daneben liegt eine uralte originale Broschüre über das Forster Hochwasser von 1879. Die Illustrationen ziehen Geschichtsinteressierte an. Diskussion gibt es über ein speicherähnliches großes Gebäude in der Berliner Straße. Keiner der Anwesenden kann es zuordnen. Es sei immer interessant, wenn man in die Geschichte seiner Heimatstadt eintauchen kann, befinden Forster, die sich für die gemalten Bilder in der Broschüre interessieren. Und während die Menschen in diesen Erinnerungen schwelgen, hat das Heft einen neuen Besitzer gefunden. „Es werden generell nur ‚Dubletten’, also doppelt vorhandene Bücher und Broschüren zum Kauf angeboten“, berichtet Schmidt. Das Museum behält von allen Exponaten ein Original, welches auch nicht veräußert wird. „Manches ist heute schwer zuzuordnen“ so Schmidt. „Die Alten, die das noch wissen, sind uns goldwert, denn die Geschichte stirbt aus, wenn sie nicht irgendwo für die Nachwelt aufgeschrieben steht.“

Angela Maaß, Geschäftsführerin des Museumsvereines freut sich, dass der Trödelmarkt so gut von den Forstern angenommen wird. Im Textilmuseum konnte zum Internationalen Museumstag auch die Schauwerkstatt besichtigt werden und es war die letzte Gelegenheit einen Blick auf die Sonderausstellung von „Brigitte Kopp – Über Menschen“ zu werfen. Genau diese letzten Minuten nutzt die 84-jährige Hildegard Klose. „Es sind solch ausdrucksstarke Sachen dabei. Die Gesichter auf den Tüchern sind einmalig“, schwärmt sie von den großformatigen Werken der Textilkünstlerin.

In der Tasche hat sie eine kleine Spielzeugbahn, die ganz echt, die Bahngeräusche imitiert. Sie freut sich auf den 26. Mai, an dem es 125 Jahre Forster Stadteisenbahn „Schwarze Jule“ zu feiern gilt. Freudig verrät sie, dass ihr DRK-Seniorenchor, an diesem Tag mit dem vom Chorleiter Manfred Meyer eigens komponierten Lied „Schwarze Jule“ dabei sein wird.