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| 19:20 Uhr

Forst
Forster Vielfalt in zwölf Monaten

Gemeinsam haben sie das Kalenderprojekt umgesetzt (hinten, v.l.n.r.): Fotograf Hossein, Layouter Daniel, Maskenbildnerin Samineh, Schneiderin Fatime und Koordinatorin Kathleen Hubrich. In ihren Kostümen blättern die Kinder Ayeen, Arwin und Arwen im fertigen Kalender.
Gemeinsam haben sie das Kalenderprojekt umgesetzt (hinten, v.l.n.r.): Fotograf Hossein, Layouter Daniel, Maskenbildnerin Samineh, Schneiderin Fatime und Koordinatorin Kathleen Hubrich. In ihren Kostümen blättern die Kinder Ayeen, Arwin und Arwen im fertigen Kalender. FOTO: Katrin Kunipatz / LR
Forst. Das Kalenderprojekt des Flüchtlingsnetzwerk bringt unterschiedliche Menschen zusammen. Von Katrin Kunipatz

„Ich bin Vielfalt“ heißt der Kalender, den das Flüchtlingsnetzwerk am Mittwoch offiziell vorstellte. Wie viel Zeit, Mühe und Kreativität in den zwölf Monatsblättern stecken, macht Kathleen Hubrich deutlich. Die Stadtteilmanagerin ist eine von vielen, die im Forster Flüchtlingsnetzwerk aktiv sind. Sie hat die Arbeit am Kalender koordiniert.

Über 90 Personen im Alter zwischen zwei und 89 Jahren sind auf den verschiedenen Fotos zu sehen. Sie stammen aus Forst, Cottbus, dem Iran, Syrien und Afghanistan. Sieben Kleider und Kostüme entstanden auf Wunsch der Abgebildeten. Zwölf Texte erzählen die Geschichten der Personen auf den Bildern. 14 Termine waren nötig, um die Menschen an den von ihnen gewählten Orten zu fotografieren. Zur Kulisse wurden so die Neißewiesen, eine alte Fabrik, der Rosengarten und ein Kälberstall.

Fotograf Hossein Nankli machte pro Termin zwischen 50 und 100 Aufnahmen. Er sei stolz, dass er seine Fähigkeiten einbringen konnte, erklärt Hossein. Mit seiner Familie lebt er seit zwei Jahren in Forst. Früher arbeitete er als Kameramann im Iran.

Zwei Iranerinnen kämmern sich um die Schönheit der Abgebildeten. Fatime Koovepazi schneiderte für einige der Fotografierten Kostüme und Kleider. Carola Frohnecke ist begeistert: „Ich habe nur meine Vorstellungen geschildert und von Fatime kam die Idee.“ Im Fall von Carola entstand ein Kleid, dessen Stoff mit großflächigen Blütenmotiven geschmückt ist. „Fatime hat Geschick dafür, das zur Person Passende zu fertigen“, freut sich die 67-Jährige. Sie selbst arbeitet seit Anfang an im Flüchtlingsnetzwerk mit und sieht es als wichtige Aufgabe an, mit Gesprächen und Besuchen Kontakte zwischen den Menschen zu knüpfen. Maskenbildnerin Samineh Mohammabtaheri war bei jedem Termin mit ihren Utensilien dabei. Besonders begeistert von der Verwandlung vor dem Schminkspiegel waren die Frauen des Familientreffs an der Grundschule Nordstadt, die im Monat Mai zu sehen sind. „Sie wünschen sich einen Schminkkurs mit Samineh“, berichtet Kathleen Hubrich. Sie freut sich, über diese kleine Idee, die vom Kalenderprojekt angestoßen wurden. Geplant sei außerdem ein Schneiderkurs mit Fatime.Katheen Hubrich möchte weitere Fotos und alle Kostüme – darunter das Prinzessinnenkleid und die Anzüge von Napoleon und dem persischen Prinzen – in Forst ausstellen.

Der Kalender lebt von den Menschen auf den Bildern. Aber es brauchte zusätzlich zum Fotografen, der Schneiderin und der Maskenbildnerin noch mehr Leute. „Weil es so schwer war, die schönsten Fotos auszuwählen, wurde schließlich eine Fotojury gegründet“, erläutert Kathleen Hubrich. Für das Layout des Kalenders war Daniel Heyne verantwortlich. Viel Zeit habe er nachts am Computer verbracht, weil dann die besten Ideen kamen, sagt er.

Aber so wichtig, wie die Handelnden sind, gäbe es den Kalender ohne Fördermittel nicht. Beim Bundesprogramm „Demokratie leben“ hatte sich das Flüchtlingsnetzwerk mit seiner Idee beworben und Anfang Juni vergangenen Jahres die Zusage für die Fördermittel erhalten. Weitere Mittel kamen aus dem Förderprogramm Soziale Stadt, bei dem Forst registriert ist.