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Historisches Hobby
„In eine andere Zeit versetzen“

Thimo Gräser und und weiter hinten Peter Nagora beim Tanzworkshop von „Rondo Lusatia“ in Forst.
Thimo Gräser und und weiter hinten Peter Nagora beim Tanzworkshop von „Rondo Lusatia“ in Forst. FOTO: Margit Jahn
Forst. Die Forster Tanz- und Musikgruppe „Rondo Lusatia“ begeht großes Tanzjubiläum und tanzt seit fünf Jahren nicht nur durch die Lausitz. Von Margit Jahn

Am Sonnabend gab es mit dem 25. Tanzworkshop in der historischen Tanz- und Musikgruppe „Rondo Lusatia“ ein Jubiläum zu feiern. Was vor fünf Jahren in kleinem Rahmen im „Manitu“ begann, hat sich seither weit über die Grenzen von Forst herumgesprochen.

Die 25 Tanzworkshops, auch als Tagestanzkurse benannt, waren immer offen für neue Tanzbegeisterte. Die kleine Gemeinschaft im Alter von 13 bis 70 Jahren hat sich in einer freundschaftlichen, wohltuenden und vertrauensvollen Art zusammengefunden. Gemeinsam einen geselligen, manchmal auch schweißtreibenden Renaissance-Tanz-Sonnabend zu verbringen, ist die eine Seite. Zusammenzuhalten auch in schweren Zeiten, das macht die Gruppe aus.

Im Sommer, als die Silberhochzeit eines Paares anstand, erkrankte eine Tänzerin schwer. Was keiner zu träumen gewagt hätte, wurde wahr: Alle feierten mit dem Silberpaar wenig später ein so wundervolles Fest, bei dem so einige Tränen der Rührung flossen. Das Motto „Einer für alle – Alle für einen“ wird gelebt und ist wie eine Magie, die sich unter den Tänzern entwickelt hat.

Was den Reiz ausmacht, nun gerade historische Tänze aus dem Mittelalter und der Renaissance zu tanzen, sehen alle Tanzfreunde anders. Jeder hat seine persönlichen Beweggründe. Ein jeder bringt sich mit dem ein, was er kann – das war und ist von Beginn der Leitfaden für diese ungewöhnliche Gruppe. Sei es mit wundervoll live gespielter historischer Musik wie von „Media Noctis“ oder auch mit historischen Feuerspektakeln wie von „Ravenchild“, die ein fester Bestandteil der Tanzgruppe geworden sind.

Chris Ruhbach von „Ravenchild“ sagt dazu: „Schon lange suchten wir nach der Möglichkeit, Renaissancetänze zu lernen. Als wir dann einen kleinen Artikel in der Zeitung lasen, waren wir Feuer und Flamme und fuhren schnell hin, um uns dies anzuschauen. Schnell waren wir mit den anderen warm geworden und fuhren noch einmal los, um eine entsprechende Gewandung von zu Hause zu holen.“ Um den Abend noch ein wenig zu bereichern, packten Ruhbachs ihre Feuershowsachen ein.

„Aus diesem wunderschönen Abend wuchsen sehr viele Freundschaften, und das Tanzen wurde zu einem kleinen ,Familientreffen’. Im Laufe der Zeit überzeugten wir noch viele Freunde, mit zum Tanzen zu kommen“, so Chris Ruhbach. Am Ende entstand auf diese Art eine Renaissance-Choreografie für die Feuershow. „Tanzen ist Lebensfreude“, sagt sie.

Die Tänzer von „Rondo Lusatia“ haben inzwischen auch bei drei kleinen Videofilmen mitgespielt oder waren beim Drachenbootrennen in Spremberg dabei. Gerade die Verbindungen nicht nur zum Tanzen, sondern zu privaten Anlässen sind bezeichnend für die Gemeinschaft, die im Kern aus etwa 20 Tänzern besteht.

Inzwischen geht die Kreativität so weit, dass zu Musikstücken von „Media Noctis“ eigene Tanzchoreografien in historischer Formensprache, also mit historischen Tanzfiguren, entwickelt wurden.

„Diese Tänze finden in der Gruppe großen Anklang, und wurden auch schon im Schloss Köthen beim Hofdantz aufgeführt“, sagt Thimo Gräser, der in Woltersdorf wohnt und seit Beginn der Gruppe dabei ist. „Zum großen Tanzgruppentreffen der Torgauer Renaissancetänzer waren wir sogar mit 14 Tänzern vertreten. Auch die Burg Ziesar wird zum Burgfest im September von uns nicht nur belagert, sondern seit mehreren Jahren zur Freude der Besucher regelmäßig betanzt.“ Momentan setzt er die Musik von „Media Noctis“ in Tanzschritte um.

Auch das Renaissancemusikfestival zum Reformationstag in Wittenberg, mit seinem abendlichen Ball im historischen Ratshaussaal, ist ein fester Bestandteil im Kalender der Tänzer geworden wie auch das Forster Johannes Gaudium.

Gesine Schreve von der Musikgruppe „Media Noctis“ sagt: „Man taucht durch das Anlegen der Gewandung ab in eine andere Welt. Natürlich beflügelt durch die Musik, die immer eine zentrale Rolle in unserem Leben spielt. Auftritte schlagen Brücken zu den Zuschauern, die dadurch unsere kleine, feine Welt kennenlernen können. Es ist einfach ein tolles Gefühl, mit Gleichgesinnten zusammenzutreffen.“

Auch die 13-jährige Michaela Beyer, Michi genannt, ist seit zwei Jahren dabei. Ihr Opa, der Schriftsteller Bernd Beyer, hat sie mit in die Gruppe gebracht, und ihr gefällt besonders, „dass man sich mit der Kleidung, Musik und den Sitten in eine andere Zeit versetzen kann“.